Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 11 (14.3.1840)
- Article
- Aus Alcharisi's Tachkemoni
- Date
- 1840-03-14
- Page
- 166 (sequence 2)
- Language
- German
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167 Dr. Kr afft's Proben aus Lachkemoni. 168 Liebe ein, — daß sie für mich geduldet jede Müh' und Pein, — daß sie getragen — Sorg' und Plagen — zu meinem Behagen. — Er hat mit Leckerbissen mich, geweidet und an stille Wasser mich geleitet; — den rechten Weg gehn ließ er mich — und in seinem Gesetze unterwies er mich; — et hattmeines Geistes Augen erhellt, — daß sie schauten das Licht der andern Welt! — Wie oft irrt' ich und er hat mich nicht heimgesucht, sondern mich gezüchtigt mit Liebeszucht! — Wie oft achtet' ich sein nicht und er hatte meiner Acht, — gedachte sein nicht und er hat mein gedacht, — verließ ich ihn und er hat über mich gewacht! — Wie oft überströmte mich seine Gnad' und Huld, — als war' es für ihn eine Schuld! — Wie hat er mich geprüft in so manchem Leid, — und hat aus jedem wich befreit! — Wie viel Gutes hat er mir bescheert, — als er hinweg mich rief von dem Vaterheerd, —- als er zu dem herrlichen Berg mich geführt, — den er sich zur Wohnung erkürt, — nach dem meine Water umsonst getrachtet, — dessen Staub sie zu küssen geschmachtet! — Er führte mich durch den Wüstensand — und durch dürres Land, — aus einem Gefäß ins andere goß mich seine Hand. — Zu meinem Wohle that er oft mir wehe, — auf daß ich die Prüfung bestehe, — und es am Ende mir wohlergehe. — Ich geringer Knecht, mit Sünde beladen, — ich schlechtes Gefäß, unwerth deiner Gnaden,'— kann mein schwaches Lob vergelten' deine Wohlthaten? — Gefall' es dir, du Gott der Huld, — du Herr voll Geduld, — daß mein Ende besser sei, denn mein Anbeginn,— und entzeuch mir nicht deinen Gnadensinn! — Reiße nicht ein den Bau deiner Gnad', — und entwurzele nicht deine Liebessaat! — Gieb, daß deine Huld nie von mir weiche, — bis daß ich in mir alles Verkehrte ausgleiche, — daß ich lautre mein Herz von jedem Fehle — und reinige vom Schmutze meine Seele, — daß sie möge so rein zu dir gelangen, — wie ich sie einst von dir empfangen! — Hilf, wenn ich vor deinem Thron erschein', — meine Seele retten aus deiner Pein, — und aus deinem Gericht meinen Geist bestem! — Du kannst ja Alles: erweichen den Verstockten, — die Hände reichen dem Verlockten, — belehren den Uebertreter, — wehren dem Verräther — und bekehren den Missethäter. Ach Gott, welche Gnaden hcist du mir gespendet! — hast ohne Zwang und Drang mich ins Leben gesendet, — hast meinen Geist bereitet — und mit dem Leib bekleidet, — durch die Adern mein Blut geleitet, — und mein Herz wie ein Zelt gebreitet, — und es dir zum Sitz bereitet. — Du sahst mich, als ich im Mutterschooße schlief, —- und höretest mich, bevor ich rief! — Ja, würd' ich dich preisen in.tausend Liedern- — nicht könnt' ich dein kleinstes Geschenk erwiedern. — Und doch Hab' ich dich verlassen und dich betrübt, mich der Sünde verkauft und nicht dein Gebot geübt, — mich verhärtet ohne mich zu scheuen — und dem Dünkel meines Herzens gehorcht, ohn' es zu bereuen! Ja wärest du nicht barmherzig und gnädig, langmüthig dem Bösen, — so könnte mich nichts von deinem Gericht' erlösen, — ob der Größe meiner Schlechtigkeit — und meines Mangels an Gerechtigkeit. — Doch du bist erhaben über Fleisch und Blut, — denn wenn vor dem König sein Knecht ein Uebel thut, — so züchtigt er ihn voll Iornesgluth — für seinen Frevelmuth; — aber du, Herr, thust nur wohl den Sündern, — und erweisest Gnade deinen treulosen Kindern, — auf daß du jeglichen Vorwand nehmest ihrem Munde, — und sie verstummen müssen in ihrer letzten Stunde. — Denn wenn auch deine Gnade dem Sünder im Leben sich nicht entzieht, — du weißt, daß er sterbend dir nicht entflieht; — denn sobald seine Seele davon fahrt, — und zurück in deine Hände kehrt, — so zückst du wider den Frevler dein Racheschwert. — - Gefall' es dir, Urgrund der Gnade, — Brunnquell alles deß, was gut und gerade, — daß all mein Thun nur nach dir Hinweise, — und all mein Werk sei zu deinem Preise, — all mein Sinnen zu deiner Verehrung, — all mein Denken zu deines Ruhms Vermehrung, — daß all mein Forschen suche dich zu ergründen, -— und dein Geheimniß auszukünden, —- daß all mein Sehnen nach dir hinschaue, — und ich allein auf dich vertraue, —■ daß ich meine' Größe nur in der Demuth erkenne, -— und von Freude zu deinem Dienste brenne! — laß mich mit denen das Loos nicht theilen, — die nur nach den Gütern dieses Lebens eilen, -— und mit Ergötzen bei den Götzen dieser Welt verweilen, — dir gegen deinen Dienst wie gegen ein Eisenjoch eifern, — und deine Lehre mit ihrem Spott begeifern! — O du Lebensborn, — o du Gnadenhorn! — Halte mich rein von ihren Lügenlehren, — und ihrem sündigen Begehren! — Laß. mein Herz sich in deine Furcht versenken, — laß mich stets an deinen Gerichtstag denken, — daß ich immer vor deinem Zorne bebe, — daß deine Furcht mir stets vorschwebe, — gleich einem Denkbande, so lang ich lebe. — So vernimm denn, o Gott, was ich gefleht, — der du erhörest unser Gebet! — Sei wohlgefällig unsers Mundes Wort*) — und meines Herzens Sinnen vor dir, mein Schirm und mein Hort!" :—• 2fn nu Auf dieses Gebet folgt ein zweites von gleicher Länge, worauf denn der Grzaler sich wieder nach dem Namen des Redekünftlers erkundigt, der, wie gewöhnlich, mit einem Verse schließt. Der deutsche Bearbeiter hat die de-Sacy'sche Ausgabe dieser Makame du.Sefer Talikemoni, pur M. Ie 13uroii Üilvestre de Sacy. Paris, impr. lloyle. 1833), welche sich durch viele Zusätze von der Necension in der Amsterdamer Ausgabe des Tachkemoni unterscheidet, zu Grunde gelegt. * * * ' ») Ps. 19, 15.