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Der Orient · 1840-03-14 · Heft 11 (14.3.1840) · p. 87

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 11 (14.3.1840)
Article
Posen: Geschichte der Gemeinde daselbst
Date
1840-03-14
Page
87 (sequence 1)
Language
German
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87 lui- IJajagm, welches, einfache Fischererzählungen enthaltend, sich die Aufgabe gemacht hat, alle, dem Biblisch-hebräischen Idiom eigenen Redensarten künstlich zu verflechten, welches auch so ziemlich gelungen zu sein scheint. Verfasser dieser äußerst korrekten Arbeit ist M. Goldmann von Turnau in Böhmen, der (was vielleicht bezeichnend sein dürste (wenn er von seinen frühem Aufsätzen in der Dikuri-ha -Jtim sprechen horte, auszurufen pflegte: 1211 ^IW riNlSH. Außer diesem jungen Literaten giebt es in diesen Gegenden einige Männer, die, wenn sie auch nicht öffentlich bekannt sind (was vielleicht der nächsten Periode Vorbehalten bleibt) doch als Vorläufer einer Verjüngungszeit gelten dürften. Pokert. In der historisch-statistischen Beschreibung der Stadt Posen vom Archivar von Lukaszewicz wird eine Episode den Juden in Posen gewidmet, welche die neue Jedidja ausgezogen und mitgetheilt, und die hier einen Platz finden möge. Die Schriftsteller über die Juden in Polen, wie Czacki, haben Posen nie vergessen. Hier die erwähnte auszügliche Episode. „Czacki und Natuszewicz behaupten, daß es schon im 11. Jahrhundert Juden in Posen gegeben habe. Ohne auf eine nähere Beleuchtung dieser Ansicht einzugehen, darf man wohl mit Bestimmtheit behaupten, daß ftlbst in der Mitte des 13. Jahrhunderts Posen die Juden noch nicht kannte; denn als im Jahre 1253Przemyslaw I. und Voleslaw, Herzoge von Großpolen, dem Theile der Stadt Posen, welcher am linken Warthaufer liegt, das Magdeburger Recht verliehen, erwähnten sie in dem diesfälligen Privilegium mit keinem Worte der Juden. Hätte es deren aber damals schon in Posen gegeben, so würde unfehlbar Pczemyslaw in dem beregten Privilegium eines Volkes Erwähnung gethan haben, welches die Christen der damaligen Zeit haßten und dessen Gemeinschaft sie auf jegliche Weise vermieden; jedenfalls würden zur Vermeidung möglicher Kollision die Verhältnisse desselben bestimmt geordnet worden sein. Eben so ist in dem Stadt-Archiv keine Spur von dem Aufenthalte der Juden in Posen' bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zu finden. Wenn es dessen ungeachtet zu dieser Zeit schon Juden in Posen gab, so muß deren Anzahl sehr gering und ihr Handelsverkehr sehr unbedeutend gewesen sein, da sie die Aufmerksamkeit der christlichen Kaufleute, nicht einmal auf sich zogen; die im entgegengesetzten Falle gewiß nicht verfehlt haben würden, ihre Klagen gegen die Juden bei den polnischen Königen anhängig zu machen. Es scheint, daß die Nachgiebigkeit Kasimir's des Großen und seine Milde die Juden, so wie in das ganze Land, so auch nach Posen gezogen habe; wenigstens soll hier im Jahre 1387 der Dominikaner- Kirche gegenüber die erste Synagoge erbaut worden sein. Die erste Spur des Aufenthalts von Juden in Posen findet man in der bekannten Geschichte von den drei Hostien gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Wie dem auch sein mag, fo bestimmten die Einwohner Posens, nachdem sie gezwungen waren, die ihnen verhaßten Fremdlinge, die selbst von der Gerichtsbarkeit des Magistrats ausgeschlossen waren, aufzunehmen, ihnen zur Wohnung eine besondere Straße, die sogenannte Tuchmacherstraße, und stellten ihnen viele Hindernisse entgegen, damit sie sich nicht zu sehr verbreiteten, den ganzen Handel an sich zögen und dadurch das Wohl der Christen gefährden möchten. Alsbald entspann sich auch der Kampf zwischen den Einwohnern Posens und den Juden, der nicht selten mit blutigen Ausgangen bis zum Untergange Polens dauerte. Jedes andere Volk würde, wenn nicht das Land, so doch wenigstens eine Stadt verlassen haben, in der man es so grausam mißhandelte, die Juden aber blieben zurück, in der Ueberzeugung, durch Ausdauer und standhaftes Verfolgen des vorgesteckten Zieles endlich den Haß ihrer Peiniger zu mildern. Indessen ward bei den christlichen Einwohnern dieser Haß von Jahr zu Jahr größer. Schon durfte an hohen Feiertagen kein Jude ohne Lebensgefahr sich auf der Straße zeigen, und außerhalb ihres Bezirks wgren sie fortwährend -vielfachen Schmähungen und Beschimpfungen ausgesetzt. Als im Jahr 1469 eine Feuersbrunst unter den Juden ausbrach, und neben vielen andern Gebäuden auch die Dominikanerkirche und das Kloster verzehrte, drang das Volk in die Häuser der Juden, plünderte sie und erschlug eine nicht geringe Anzahl derselben. Und obgleich König Kasimir, derJagellone, der Stadt eine Geldstrafe von 2000 Dukaten für diesen Frevel auflegte, so erneuerten sich doch ähnliche Scenen immer wieder. Vorzüglich streng war es den Juden untersagt, ihre Wohnungen über die Judeusiraße auszudehuen. Im Anfänge des 16. Jahrhunderts begannen auch die heftigsten Unterdrückungen des Handels, der Industrie und jeglichen Erwerbzweiges der Juden: so untersagte ihnen unter anderm der Magistrat im Jahre 1520 allen Detail-Handel. Da die Juden dies Verbot oft zu umgehen wußten, erlangte der Magistrat von Sigismund 1. eine Feststellung der Maaße und Gewichte, nach welchen hinfort die Juden nur verkaufen sollten. So durften sie z. S5. Seidenzeuge, feine Leinenzeuge und andere Schnittwaren nur in ganzen Stücken, nicht ettenweise verkaufen. Auch Tuch von allen Gattungen dursten sie nur in ganzen Stücken verkaufen; wenn aber ein Jude ein Stück purpurn gefärbtes Tuch hatte, so mußte er davon dem Magistrat Anzeige machen; und nur-wenn der Bürgermeister es nicht kaufen wollte, stand es dem Juden frei, dasselbe ellenweise zu verkaufen. Eben so drückend für die Juden waren die Vorschriften beim Einkauf. Sie durften auf den Märkten unter andern nur 8 Rinderhaute, von kleineren Balgen höchstens 10 Stück auf einmal einkaufen; Wolle dursten sie nur zu je 2 Stein kaufen; ja sie konnten aus den Markten überhaupt nur dann erst

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