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Der Orient · 1840-03-14 · Heft 11 (14.3.1840) · p. 86

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 11 (14.3.1840)
Article
Wien: die hebräische Literatur in Österreich
Date
1840-03-14
Page
86 (sequence 4)
Language
German
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86 geben, nicht gern unterbrochen werden. Ich komme zu den schöneren Erzeugnissen. Ele bene h a - N ö. u r i m. Gedichte von Dr. Efcaimo Luzzatto, zum zweiten Male aufgelegt von M. Letters (Wien, bei Edlen v. Schmid, 1839). Ein liebliches Gärtchen orientalischer Blumen des vorigen Sekulums, das in voller Blüthe und Frische mit seinen süßen Aromen uns entgegen duftet. Welch ästhetische Zartheit und Gediegenheit des Ausdrucks, welche Fülle der Poesie, welch ein Reichthum, welche Vollkraft der Worte, welche südliche Gluth und Tiefe der Empfindung, welch ein zierlich rhythmischer Flügeltanz der Verse, und dennoch alles so bündig, geschlossen, kurz, prompt und gemessen. Wahrlich, man weiß nicht, was man in diesen herrlichen Blumenanlagen zuerst bewundern soll. Der Leser verliert sich unbewußt in das schöne labyrinthische Eldorado dieser lyrischen Rosengange. Ist es hier die liebliche Einfalt und Einfachheit des Themcr's, die ihnmagnetisch zu sich hinzieht, so ist es dort die reiche, bunte Farbenpracht poetischen Schmuckes, die ihn anlockt und hinreißt) wird er hier von dem hohen Geistesfluge und Aufschwünge der Begeisterung bezaubert, so ist's anderswo die Tiefe der Idee, die logische Reihenfolge der Gedanken, die dort ihn fesseln: und schwankend und unschlüssig steht er und weiß nicht, welcher Piece er den Vorzug, den Preis zuerkennen soll. Es bleibt -hier der Kritik nicht mehr als die Versicherung übrig, daß diese Sammlung in jedem Leser einen Panegyriker sich gewinnen und schaffen werde. Jeder Freund unserer Sprache und Poesie wirds gewiß dem verdienten Herausgeber Dank wissen, unsere Literatur mit einer so selten gewordenen Spende bereichert und uns eine reiche Fundgrube orientalischer Schatze wieder eröffnet zu haben, die der bescheidene Verfasser durch eine kärgliche Anzahl von Exemplaren bei seiner ersten Auflage, nur wenigen seiner Freunde zugänglich gemacht hatte. Und wir glauben dieser bedeutend vermehrten Sammlung Luzzatto's keine falsche Prognosis zu stellen, wenn wir ihr die baldige volle Geltung als eine der Musterschnften in ihrem Genre im Voraus verkünden. Higajon de-Kinor. Gedichte von Giuseppe Almanzi, dem rühmlichsi bekannten &. SX Luzzatto in Padua gewidmet (Wien, ebendas.). Ein würdiger Nachtrab des frühem roftngerüsteten luzzatto'schen Liedertrupps. Süße Klänge aus der Gegenwart, der Harfe eines sangbegabten Zeitgenossen entklungen. Ein lyrisches Liederecho, das unsere, dem Frühem gestellte Prognosis, deren Geltung als Vorschrift und Musterschrist zuerkennend, nur bewahrheitet und beurkundet. Ein edles Reis auf dem Rosenstamme luzzatto'schec Sangesmacht gepfropft, das an den markigen Säften seiner poetischen Stammröhre sich vollgesogen, von seiner freundlichen Muse gewartet und gepflegt, edle'ebenbürtige Knospen getrieben und, unter Einem warmen Himmel gereift, die zarten und herrlichen Blumenkelche, zur Augmtust und Weide, Ambra verbreitend entfaltet. Es sind Blüthenkinder zweier Schwestermusen, deren poetische Familienähnlichkeit unverkennbar und ins Auge fallend. Es sind echte Kinder des Orientes, in deren lieblichen Blumenlauben, der Freund und Kenner dieser Literatur, ein süßes, ahnungsvolles und sehnsüchtiges Heimweh ergreift, von dem er sich weder Rechenschaft Zugeben noch cs sich zu deuten vermag. ■ Hier weht nicht der kalte nordische Hauch des Demschchums, nicht der südliche Gluthhauch Italiens. Hier wird der orientalische Gedanke mit orientalischen Kraftworten in klassischer Form geboten, von keinem Anhauch eines fremden Gepräges entweiht. Kurz, hier sind hebr äische Gedichte, ganz den Anforderungen ihrer Aesthetik entsprechend. Und gerne streicht hier die Kritik die Segel, mit fteudigfrohem Herzen ihr volles lobendes und anerkennendes Votum abgebend. Einzelne Piecen hervorzuziehen, um die Aufmerksamkeit des Lesers, als vorzüglich gelungen darauf zu lenken, ist unsres Amtes nicht. Auch würde dies dem unbefangenen Urtheile des Lesers nur vorgreifen, wie es auch sündlich scheint, der Einen auf Kosten der Andern den Vorzug zu geben. Genug, es ist ein vollduftiges Blumengeflecht, lieblich, sinnig, geschmackvoll und im zarten Einklänge aneinander gereihet, trefflich im Ganzen, wie gelungen im Einzelnen, und jeder Leser wird dieses Bändchen gewiß zugleich mit dem Wunsche schließen: daß der wackere Verfasser uns bald wieder mit einer neuen Sammlung beschenken möge! (Fortsetzung folgt.) Hohenems im Borcrelbeeg. Sie sprechen dem Streben der deutschen Schule unserer Tage ein Urtheil, das sie allein zur besscrn Richtung wecken könnte; ich kann freilich nur von demjenigen Theile dieser Schule sprechen, dessen Organ die Bikure Ha-Jtim gewesen zu stin scheinen. Doch glaube ich es der Wahrheit schuldig zu sein, Ihnen von der Reaction unter meinen Landsleuten in Böhmen und Mahren gegen die Entartung jener frühreifen Produkte Nachricht zu geben. Und ich sage nicht zuviel, wenn ich behaupte, daß eben dadurch jene Jahresschrift, der man Anfangs aufrichtige Theilnahme zeigte, nachmals alles Interesse verlor. Denn immer unzweideutiger sprach sich die Meinung ihrer Leser dahin aus, diesen Styl, den man nannte, verdiene diesen Namen keineswegs. — Um so entschiedener wurde nun die Richtung, der die meisten Dilettanten der neuhebräischen Poesie in Böhmen zu folgen ansingcn. Und wieder galt ein poetischer Versuch mehr oder weniger, je nachdem man darin die Bibrlsprache glücklich und treu angewandt sah. Ob diese werdende Schule, die sich der neuern slavischen anschließrn zu wollen scheint, schon in einem bedeutendem Stücke ausgetreten sei, weiß ich nicht, doch^sah ich vor ungefähr sechs Jahren rin Manuskript, unter dem Titeln

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