Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1840)
- Article
- Marokko: statistische Verhältnisse über die Juden ...
- Date
- 1840-03-14
- Page
- 81 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Quartal ist 1 Thlr. 6 Gr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt milgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. J%0 Ul. Leipzig, den 14. März 184:0. Orient. Marokko (statistische Verhältnisse über die Juden in Tanger, Tecuan, Fas, Marokko und Mogodore). — Frankreich (Paris, Fortsetzung). — Deutschland Wien, .(die hebr. Literatur in Oesterreich. Nir David v. S. Kohn. Ha-Roeh 1. lt. 2. Heft. Emek Schoschannim. Liederbwck von Efraimo Luzzatto und von Giuseppe Almanzi.) Hohenems in Voralberg. Posen (Geschickte der Gemeinde daselbst.) — Rußland (Petersburg, Niederlassungsbeschränkung. Petersburg, Handelsbeschränkung). — Literaturblatt des Orients. Orient. Mervokko. In dem' so eben erschienenem zwanzigsten Hefte des Conversarlons-Lexikons der Gegenwart wird ein ausführlicher statistisch - politischer Artikel über den afrikanischen Kaiserstaat Marokko mitgerheilt, aus dem wir das Juden Betreffendes hier ausziehen und mittheilen, bereichert mir Notizen, welche die neuesten Reisebeschreiber geben. Die bedeutendsten Städte sind Fas (DNB, daher ,>DKe6n), Marokko (das die Einheimischen Maraksch nennen; ebenso die jüdischen Schriftsteller ttfpfrOEJ und Miknas, in welchen sich der Kaiser wechselsweise aufzuhalten pflegt; dann kommen die Seestädte Tetuan, Tanger, Al-Araisch, Sale, Rabat, Mogodore und Tarudant. Tanger ist eine Mittelstadt, mit einer Bevölkerung von etwa 9500 Seelen, unter denen sich 2500 Juden befinden; die Uebrigen sind Mauren, Neger, Berbern und Christen. Die Juden haben daselbst mehrere Synagogen, und die wenigen Christen eine kleine Kirche und ein spanisches Franziskaneckloster. Tetuan ist der bedeutendste Handelsplatz des Reiches Marokko und hat 16,000 Einwohner, darunter 9,000 Mauren, 4,200 Juden, 2,000 Neger und 800 Berbern. Die europäischen Handelsstaaten werden hier in Tetuan durch Viceconsuln, meist Juden, vertreten. Fas, ehemals eine der größten und prächtigsten Städte des nördlichen Afrikas, in welcher man 700 Moscheen zählte, und wo einst die berühmteste muhammedanische Hochschule war, ist jetzt sehr herab gekommen. Die Bevölkerung dieser Stadt belauft sich auf 88,000 Seelen, darunter 65,000 Mauern und Araber, 10,000 Amazirghen und Berbern und 10,000 Juden. Marokko, das im Jahre 1052 gegründet wurde, hat unter siinen 30,000 Einwohnern 4,000 jüdische Familien mit 36 Synagogen und eben so vielen Bote-Midraschim. Mogodore, bei den Eingebornen Suica (das Bildchen), zerfällt in zwei Quartiere, von denen eins blos von Juden bewohnt wird. Diese Stadt ist erst im Jahre 1760 aus Befehl des Kaisers Sidi Muhammed auf der Stelle des alten Eryträa angelegt. Was die Bevölkerung des ganzen Reiches betrifft, so sind 2,300,000 Amazirghen, Berbern und Tuariks, 1,450,000 Schellöchen, 3,550,000 Araber, 539,500 Juden, 740,000 ungemischte Araber, Beduinen, Himjariten, 120,000 Schwarze, 300 Christen aus Europa und 200 Renegaten. Die Amazirghen sind in ihrem Hasse gegen Christen unversöhnlich; Juden dagegen werden unter ihnen geduldet und genießen sogar gewisse Vorrechte. Die Mauren, die zahlreichste Bevölkerung, sind meist Nachkommen der aus Spanien vertriebenen Mauren; eben so die Juden. In den Städten bewohnen die Juden durchgängig eigene Quartiere, welche sie Milla nennen; hier leben sie nach eigenen Gesetzen unter einem von ihnen selbst gewählten Kcud, welcher unter einem vom Sultan ernannten Scheikh steht. Die in den Seestädten ansäßigen Juden sind zu meist die Nachkommen der aus verschiedenen Theilen Europas vertriebenen Juden^ Am zahlreichsten sind sie in den Seestädten, wo sie als Makler und Unterhändler bei dem Verkehre mit den Europäern eine ziemlich wichtige Rolle spielen. Sie sind gleichwol von den Mauren verachtet und leben in sehr drückenden Verhältnissen.. So ist ihnen z., B, das Lesen und Schreiben der arabischen Sprache untersagt, sie dürfen kein Pferd besteigen, und sich nur der Esel und Maulthiere bedienen; vor den Moscheen müssen sie mit bloßen Füssen vorübergehen; sie dürfen, sich blos schwarz kleiden, was eine von den Mauren verachtete ri