Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1840)
- Article
- Dresden: die Eidesleistung der Juden ...
- Date
- 1840-03-07
- Page
- 80 (sequence 3)
- Language
- German
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80 leistung vorschreibt, liegt die.Manifestation der Meinung, die sie von dem Juden hegt. Zwar soll hiermit nicht ausgesprochen sein, daß die Staaten, die, wie in dieser Abhandlung erwähnt werden wird, die verletzenden Formen des Zudeneides beibehielten, ihre jüdischen Unterthanen so gehalten wissen wollen, wie diese Eide sie bezeichnen; es muß vielmehr angenommen werden, daß man hier, so wie bei manchem andern Gesetze hinsichtlich des Juden, noch mit der gehörigen Revision zurückblieb, und so erhielt sich unangetastet das Bestehende, wenn es auch in grellem Widerspruche mit dem Fortschritte ist. Aber wenn der Volksgeist und die Volksstimme herangebildet werden sollen, so liegt es wohl den Regierungen ob, hier, wo .es sich um die heiligsten Interessen, um Wahrheit und Menschenwürde handelt, dem Juden sein Recht zukommen zu lassen und durch solche Beachtung seines moralischen Werthes der öffentlichen Meinung eine edle Richtung zu geben." Leipzig, 3. Marz. Wohlthärigkeitssi'nn ohne Früchte. In dem Großherzogthum Hessen ist ein wohltätiger Mann gesonnen, tausend rheinische Gulden für , den Zweck festzustellen, daß deren jährliche Zinsen als Beitrag zu einem Preise für die beste Lösung jüdischtheologischer Ausgabengebraucht werden sollen. Schon vor Jahren bestimmte sogar ein christlicher Buchhändler in Breslau eine Summe zu solchem Zwecke, und dennoch har es keine Frucht getragen. — Herr A. Schwab zu Jchenhausen in Baiern hat zu dem vom Hamburger Telegraphen angeregten Vereine (der bis jetzt noch nicht zu Stande gekommen ist) die Zinsen eines Kapitals von tausend Gulden auf 10 Jahre bestimmt, mit noch einem jährlichen Zuschüsse von 40 Gulden jährlich, um unbeamtete jüdische Gelehrte zu unterstützen. Auch dieser Wohlthatigkeitssinn hat bis jetzt noch keine Frucht getragen. Zu demselben Vereine hat der Kaufmann Julius Schönlank in Königsberg unter derselben Bestimmung die Zinsen von 500 Thalern mit jährlichem Beischuß von 20 Thalern. bestimmt. Herr Schönlank hat zur Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät bereits die bedeutendste Summe unterschrieben.; es ist nicht seine Schuld, weun es bloß bei Subscriptionen bleiben mußte. Auch in dem Mißlingen solcher Versuche erkennt man die Zerfahrenheit unserer Zeit. 20. Dec. Die Collette für den Dombau hac in hiesiger Stadt die Summevon 1800 Thalern eingetragen, wozu der Baron v on Rothschild in Frankfurt,, auf Verwendung des Qberpfnrrers Lintz, die Summen von ungefähr 300 Thalern. beigesteuert. Diese Toleranz eines: alttestamentarischen Barons, der noch dazu alle Satzungen, der Rabbmen beobachtet, iss um so merkwürdiger, wenn man bedenkt, daß auf Bitte der Leipziger Gemeinde, um eine Beisteuer zum Aufbau einer Synagoge, der jüdische Baron nur zehn Thaler schickte, und selbst diese nur in der gewissen Aussicht, daß man sie seiner Baronschaft, zurücksenden werde; wenn man ferner bedenkt, daß Köln ohne den Dom noch sehr viele Kirchen, während Leipzig gar keine Synagoge hat. Herr von Rothschild mag sehr reich sein, der Juden- Baron ist sehr arm, blutarm! Frankfurt et. Mt., 6 Febr. Es ist wahrhaft erfreulich, zu bemerken, wie die Fortschritte geistiger und sittlicher Verbesserung unter der israelitischen Bevölkerung unserer Stadt sich stets erweitern und segensreiche Früchte tragen. Sie zählen in ihrer Mitte viele an Talent und Bildung reiche Gelehrte und Künstler, Aerzte und Rechtsgelehrte; ihre Schulen zeichnen sich durch treffliche Lehrmethode und verdienstliche Lehrer aus; ihre milden Stiftungen befinden sich in vollster und schönster Wirksamkeit; zu allen Eomitä's werden sie zugezogen und wo.es die Förderung irgend eines gemeinnützigen, vaterstadtischen Zweckes gilt, da sehen wir. sie thätig und eifrig wirksam. Auch dafür wird Sorge getragen,. daß sich mehr und mehr Israeliten der Erlernung von Handwerken .widmen und daß solchen, auch wenn sie einem andern Staatsverbande angehören, die nöthige Unterstützung geleistet werde. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen hat den vierzehnten Bericht seiner Wirksamkeit veröffentlicht und mit wahrem Vergnügen haben wir denselben gelesen. Er ist aller Beachtung würdig. „Die Gesammtzahl der Unterstützten stieg im letzten Jahre auf 468, — so lesen wir im angeführten Bericht — von welchen 218 dem Gcoßherzogthum und 82 dem, Kurfürstenthum Hessen, 66 dem Herzogthum Nassau, 35 der Landgcasschaft Hessen-Homburg, 17 dem Königreich Baiern und 50 der freien Stadt Frankfurt angehören. 29 Lehrlinge wurden in dem Laufe des verflossenem Jahres neu ausgenommen und wählten in gleichmäßigem V.erhälmiß die verschiedenartigsten Handwerke. Sie liegen gleich den übrigen noch bei ihren Meistern, befindlichen Lehrlingen ihrem gewählten Beruft mit Fleiß und gutem Erfolge ob;. 28 derselben erhielten Unterricht in den ihren Handwerken entsprechenden wissenschaftlichen. Fächern, 4/ wurden mir Kleidungsstücken, 23 mit Werkzeug unterstützt, und 12 verwaiste Lehrlinge empfingen monatliche Geldbeiträge für ihre nothwendigsten Bedürfnisse. Klagen über Lehrlinge gehören zu den seltensten Erscheinungen und haben, meiftensv mehr in^ äußeren Verhältnissen als in dem Mangel an gutem Witten und Eifer ihren Grund. (.Schluß' folgt.) ' Verlag von C. Lt F-rltzsche Druck von I?H. Nagel.