Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Article
- Berlin: Statistik der Juden in Preußen
- Date
- 1840-02-22
- Page
- 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 befanden. Da sehr viele Juden in großerArmuth leben, und daher viele Entbehrungen ertragen müssen: so scheint es nur durch ihre Mäßigkeit, besonders in Bezug berauschender Getränke, erklärt werden zu können, daß so viel unter ihnen ein hohes Alter erreichen. Im Allgemeinen dürfte hiernach das Beispiel der Juden zeigen, wie viele Leben erhalten werden könnten, wenn eine verständige Schonung der Schwängern und Saugenden und eine größere Mäßigung im Gebrauche des Branntweins unter der großen Mehrheit der Bevölkerung allgemein würde. Eine besondere Erörterung verdient noch der Zuwachs von 7266, welcher außer der Zunahme durch den Ueberschuß der Gebornen und durch die Erwerbung des Fürstenthums Lichtenberg vorgekommen ist. Er kann nur entstanden sein, entweder dadurch, daß Juden, welche sich am Ende des Jahres 1822 wirklich schon im preußischen Staate befanden, bei der damals vollzogenen Zählung übersehen, und erst bei den folgenden Zählungen in dieselben ausgenommen worden sind: oder dadurch, daß ein Uebergewicht der von Außen her Angezogenen über die Ausgewanderten stattfand. Wenn auch die Zahlung zu Ende des Jahres 1816 noch sehr unvollständig sein möchte: so sind die damals begangenen Fehler doch wahrscheinlich in den folgenden sechs Jahren um so mehr fast ganz verbessert worden, als wahrend dieses Zeitraums am Ende jeden Jahres gezahlt, und besonders seit dem Jahre 1820 nach Einführung der Klassensteuer die Aufmerksamkeit aus die polizeilichen Zahlungen durch ein Steuer-Interesse erhöht wurde. Es ist daher ganz unwahrscheinlich, daß noch am Ende des Jahres 1822 der ganzen jüdischen Bevölkerung bei der Zahlung hätte übersehen werden können: vielmehr muß angenommen werden, daß bei weitem der größte Thei! des hier betrachteten Zuwachses durch ein Uebcrgewicht der Anziehenden über die Ausgewanderten entstanden ist. Dieses wird auch wahrscheinlich durch die Zeitverhaltnisse, worin die gedachte Zunahme stattgefunden hatte. Sie betrug nämlich nach der vorstehenden Auseinandersetzung in den Jahren 1823, 24, 26: 2014, in den Jahren 1826, 27, 28: 1602, in den Jahren 1829,30,31: 2125, und in den Jahren 1832,33,34: 2361, in diesen zwölf Jahren also zusammen 8102, dagegen fällt in den dreijährigen Zeitraum 1635, 36, 37 eine Verminderung von 836, nach deren 'Abzug noch Zunahme blieben die vorstehend angegebenen 7266. (F. ft) Bvmn, 7* Febr. Das hiesige israelitische Consistonum hat in das Coblenzer Amtsblatt Nr. 2 folgende Bekanntmachung schon den 13. Octbr. 1839 veröffentlicht: „Durch hohen Erlaß sind wir in Folge der von dem Herrn Oberrabbiner des hiesigen Consistorial-Sprengels nachgesuchten Amtsmüassung beauftragt, zur Wiederbesetzung dieser Stelle das gesetzliche Erforderliche zu veranlassen. — Es werden daher die Rabbinats-Eandidaten des Inlands, welche sich um dieselbe bewerben wollen, hiermit eingeladen, ihre dcsfallsigen Fähigkeitszeugnisse, sowohl hinsichtlich allgemein wissenschaftlicher Bildung, als insbesondere der israelitisch-theologischen Gelehrsamkeit, nebst vif ne cumcuJum und Geburtsschein, längstens bis zum 15. Februar a. f. an die Unterzeichnete Stelle portofrei emzusendm." Wenn aber je einer Gemeinde einen tüchtigen Rabbinen zu wünschen sei, so ist vorzüglich der hiesigen, da sie eines moralisch kräftigen Mannes bedarf, um auf die judenfeindliche Gesinnung so mancher Lehrer unserer Hochschule Einfluß zu üben. Die unangenehmen Erfahrungen, die wir mit Auerbach Water und Sohn gemacht, erregt in uns um so eher das Verlangen nach einem tüchtigen Manne. Ungarn. Pesth, 15. Febr. Bekanntlich nahm der evangelische Prediger zu Pesth, Michael Lang, während der großen Donauüberschwemmung daselbst im vorigen Jahre, mildthätig Rettungsuchende in der von der Ueberschwemmung verschont gebliebenen evangelischen Kirche, ohne Unterschied des Glaubens, darunter auch viele Israeliten, die sich aus der benachbarten, großenteils von Israeliten bewohnten und vom Wasser überschwemmten KönigSgasse dahin flüchteten, zuvorkommend und menschenfreundlich auf, schützte und tröstete priestcrlich die Gebeugten und labte und erquickte die Ermatteten. Der gebildete, humane und würdige Vorsteher der israelitischen Gemeinde, der Großhändler Herr Herrmann Löwy beschloß daher, auf eine auszeichnende Weise den obgenannten Prediger für diesen Zug edler Humanität im Namen seiner Gtaubensbrüder feinen Dank darzubringen. Ec ließ zu Wien einen silbernen, reich vergoldeten, durch seine Größe, so wie durch seine seltene' Kunstarbeit im antiken Stiele ausgezeichneten Pokal von bedeutendem Werthe unfertigen, dieser Pokal, ein künstlerisches Meisterstück, stellt in dem größeren Felde in Basrelief die evangelische Kirche nach-ihrer äußern Fronte dar, an deren großem Portale der Prediger mit einer Laterne in der Hand, den in jener Schreckensnacht 9c et tun g suchenden entgegen eilt, in dem zweiten Felde befindet sich der passende biblische Spruch Je.ft 25, 4, in der hebräischen Ursprache „Des Armen Schutz und Schirm, des Leidenden Stütze in der Noch, ein Retter der mit brausenden Fluchen Ringenden, dir weihen sie huldigend ihren Dank." Im dritten Felde steht die Zuschrift: „Herrmann Löwy, ein dankbarer Israelit, seinem christlichen Mitbruder, Seiner Wohlehrwürden, dem Herrn Michael Lang, für seine, der leidenden Menschheit in den unglücklichen Ueberschwemmungstagm im März 1838 gespendeten Wohlthaten." Herr H. Löwy überreichte diesen Pokal dem Prediger, mit einer angemessenen herzlichen Anrede, die den letzteren zu Thranen rührte und die er mit der bescheidenen Aeußerung, er habe Nichts,