Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Article
- Berlin: Statistik der Juden in Preußen
- Date
- 1840-02-22
- Page
- 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 jüdischen Gemeinden des preußischen Staats sind in den vorstehend bezeichneten fünfzehn Jahren überhaupt 87,249 geboren worden, dagegen 54,195 gestorben, folglich, wie vorhin 'angegeben worden, 33,054 Ueberschuß verblieben. Vergleicht man die Anzahl der Geborenen und Gestorbenen mit dem arithmetischen Mittel aus den sechs zu Ende der Jahre 1822, 25, 28, 31, 34 und 37 vollzogenen Zahlungen, wofür die Rechnung 164,462 ergiebt; so findet man, daß auf hunderttausend Lebende durchschnittlich jährlich 3537 geboren worden sind, dagegen 2,197 gestorben, und also ist 1,340 Ueberschuß verblieben. — Der jährliche Zuwachs der Juden-Gemeinden durch den Ueberschuß der Gebornen über die Gestorbenen betrug hiernach durchschnittlich 14 Procent. Dieser ansehnliche Zuwachs entstand nicht sowohl durch eine große Anzahl der Geborenen, als vielmehr durch eine geringe Sterblichkeit. Die Durchschnittszahl der jährlich Geborenen betrug nämlich wenig über 3| Procent der Lebenden: oder es wurde auf wenig über 28 Lebende jährlich Ein er geboren. . Dagegen starben jährlich im Durchschnitt nur nahe 2-1- Procent der Lebenden, also von einer Anzahl, die nahe in der Mitte zwischen 45 und 46 liegt, nur Einer. Im preußischen Staate überhaupt sind in denselben fünfzehn Jahren 7,744,587 geboren worden, dagegen 5,754,161 gestorben, also 1,990,426 Ueberschuß verblieben. Das arimethische Mittel aus den sechs Zahlungen aller Einwohner in demselben Zeiträume ergab 12,882,330; hieraus folgt, daß jährlich im Durchschnitte aus hunderttausend Lebende 4,008 Geborene kamen und 2,978 Gestorbene, folglich 1,030 Zuwachs. Hiernach betrug der jährliche Zuwachs durch den Ueberschuß der Geborenen über die Gestorbenen im ganzen, preußischen Staate gleichzeitig nur wenig über ein Procent. Das ist nun drei Vierthelle besten, was er verhältnißmäßig bei den Juden war. Die Anzahl der Geborenen war zwar im ganzen Staate durchschnittlich beträchtlich größer als bei den Juden: sie betrug aus hunderttausend Lebende 471 mehr, und es kam mehr auf 25 Lebende jährlich eine Geburt, während die Juden erst auf 28 Lebende eine hatten. Aber die Sterblichkeit der Einwohner des preußischen Staats, durchschnittlich, übertraf die Sterblichkeit der Juden noch mehr, nämlich um 761 auf hunderttausend Lebende: und es kam jährlich ein Todter auf eine Anzahl Lebende, die zwischen 33 und 34, etwas naher an letztere fällt, wogegen die Juden erst einen Tobten auf zwischen 45 und 46 Lebende'hatten. — Da diejenigen Juden, welche heirathen, in der Regel schon in früheren Lebensjahren in den Ehestand treten, und da ihre Ehen gewöhnlich sehr fruchtbar sind: so kann die verhältnißmäßig geringere Anzahl der Geborenen nur daraus entstehen, daß viele Juden unverheirathet bleiben, weil sie nicht die Mittel besitzen, eine Familie zu ernähren. Die sehr geringe Anzahl der Todesfälle, wodurch ungeachtet der beschränkten Zahl der. Geburten der beträchtliche Ueberschuß der Gebornen über die Gestorbenen entsteht, beruht dagegen hauptsächlich darauf, daß die Juden einerseits weniger Neugeborne vor dem Ende des ersten Lebensjahres wieder verlieren, und andrerseits in verhältnismäßig größerer Anzahl ein hohes Alter erreichen, als die Einwohner des preußischen Staates durchschnittlich. Es hatte nämlich in den fünfzehn Jahren 1822 bis mit 1837 der preußische Staat gegen 7,744,587 Geborene. Todtgeborene 2/1,904 und nach der Geburt vor vollendetem Isten Lebensjahre Gestorbene 1,341,117, st daß von sammtlichen Neugeborenen das Ende des ersten Jahres nicht überlebten 1,613,021, dagegen hat en die Juden gleichzeitig gegen 87,249 Geborene. Todtgeborene 2153, und nach der Geburt vor vollendetem ersten Lebensjahr 11,347 Gestorbene, so daß von sämmtlictzen Neugeborenen das Ende des ersten Jahres 13,500 nicht überlebten. Hieraus ergiebt sich, daß von zehntausend lebend und todt Neugeborenen, überhaupt die Vollendung des. ersten Jahres nicht erlebten, bei sammtlichen Einwohnern des Staats 2,083, bei den Juden insbesondere 1547. Es verloren also die Einwohner des preußischen Staates überhaupt noch .etwas über ein Fünftheil, die Juden insbesondere noch nicht ganz ein Sechstheil sammtlichen Geborenen noch vor Ende des ersten Jahres nach der Geburt: oder genauer — die Juden verloren von der gleichen Anzahl Neugeborener vor dem Ende des ersten Jahres noch nicht ganz drei Viertheile der Anzahl, welche die Einwohner des preußischen Staates überhaupt davon einbüßten. Dieser merkwürdige Unterschied entsteht wahrscheinlich nur dadurch, daß wohl nur sin höchst seltenen Fällen eine Judenfrau harte Arbeit außer ihrer Wohnung verrichtet, und also sowohl sich selbst während der Schwangerschaft als auch ihr Kind wahrend des Saugens sorgfältiger in Acht nehmen kann, als es bei der großen Masse der Frauen möglich ist, welche Feldarbeit verrichten, oder bei andrer körperlicher Anstrengung in allem Witterungswechsel außer ihrer Wohnung beschäftigt werden. Ferner hatten die Einwohner des preußischen Staats überhaupt unter 5,754,161 in -dem hier bezeichneten Zeiträume Verstorbenen 673,582, welche erst nach Vollendung des siebzigsten Lebensjahres gestorben waren.- Die Juden insbesondere hatten dagegen gleichzeitig unter 54,195 Gestorbenen 8347 Ucbersiebzigjährige. Hieraus ergiebt sich, daß unter zehntausend Gestorbenen sich befanden solche, welche das siebzigste Jahr überlebt hatten, bei den Einwohnern des preußischen Staats überhaupt 1171, bei den Juden insbesondere 1540. Es war hiernach bei den Einwohnern überhaupt zwischen einem Achttheile und einem Neuntheile, bei den Indem insbesondere aber zwischen einem Sechstheile und einem Siebentheile aller Gestorbenen über siebzigjährig: oder es hatten die Juden beinahe vier Uebersiebzigjahrige unter derselben Anzahl .Verstorbenem, worunter sich bei den Christen nur drei Uebersiebzigjährige