Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Article
- Brüssel: Sammlung hebräischer Epigramme ...
- Date
- 1840-02-22
- Page
- 60 (sequence 2)
- Language
- German
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ungemein schwer ist, üur lange und ernste Studien offnen den Weg dazu: ich meine Magistratur und Advokatur. In der Magistratur zu Paris haben die Juden ihren Repräsentanten; in der Advokatur wetteifern viele jüngere Israeliten mit Auszeichnung, in allen Punkten des Landes, zu Paris, Metz, Bordeaux, Nim es, Aix, Tarascon. Einige haben, seit dem Beginn ihrer Laufbahnihrer Mitbürger Achtung und Liebe erworben, deren Rühm der Gegenstand ihres Ehrgeizes ist; andere sind blos bis auf die höchste Stufe gestiegen. So hat zu Montpellier M. Bedarrides in den ersten Tagen dieses Jahres (1839), vermöge der freien Wahl seiner Collegen, die große Ehre, die schönste Belohnung, den Batonnat (die Würde des Stabhalters, Obermeisters) feines Standes erhalten i Ich, der Erstgeborene, welchem die Ehre zu Theil geworden, ihnen allen in dieser Laufbahn voranzugehen, ich sehe sie alle als mir Angehörige an! ihre Triumphe sind mir werth und theuer; ich fühle mich glücklich, sie in dieser Versammlung öffentlich zu verkünden! (Beifall). In den Umgebungen der Gerichtshöfe zeigen Advokaten, Notare, Schreiber, auf ehrbare Namen aus den Israeliten; sie finden dieselben eben so häufig in den Handelsgerichten, in den Conseils geuereaux5 in dem Munizipalrathe, alle durch Wahl berufen. Kaum sind es zwei Jahre, daß an beiden Enden Frankreichs Herr Schwab, Munizipalrath in Metz, als er ins Grab sank, von. dem ersten Magistrat des Departements öffentliche Beweise gerechter Theilnahme empfing, und Herr David Carcassone in Nimes, einer Stadt, die ich mit kindlicher Verehrung nenne, zur allgemeinen Zufriedenheit die schwierigen und zarten Pflichten eines Maire ausübte. Herr Worms de Romilly ward Maire-Adjunkt zu Paris und Mitglied des Conseil general vom Aube; Herr Goudchaux, Mitglied des Conseil general des Seine-Departements. Soll ich von der Bank sprechen? Da wird man mir freilich sagen, auch vor der Revolution seien die Juden in Finanzfachen tüchtig gewesen. Wenn das Haus Ro thschild nur großes Vermögen hatte, würde ich es nicht nennen; aber dies Haus ist gleichzeitig auch der Sitz einer ehrenfesten Gesinnung. Von Nathan Rothschild, dessen Tod jüngst in England selbst große Theilnahrne erregte, wo er wegen seinen ausgebreitetm Einsichten in Staatsökonomie bewundert ward, weiß ich nichts Näheres, aber das' kann ich sagen, daß diein Frankreich wohnenden Rothschild sich durch jene hohe Fähigkeit airszeichnen, welche durch eine Schnelligkeit des Blickes und Sicherheit eines vorsichtigen und festen Urtheils Achtung und Verehrung einflößt, und gebietet. Der Chff des Pariser Hauses gehört zu den Intelligenzen höheren Ranges und nimmt daher den ersten Platz ein. Man kann wohl von dieser Familie sagen, daß, wenn der von ihr ausgeübte Einfluß ihrer Fähigkeit entspricht, auch das Gute, das sie leistet, dem Vermögen, das sie besitzt, entspricht. Mit dem Sohne Furtados, welcher die Versammlung von 1806 durch seinen Glanz hob, durch eine Ehe verbunden, hat das Haus Fould den Ruhm erworben, aus seiner Mitte ein Mitglied der Deputirtenkammer, ein Mitglied eines Conseil general, ein Mitglied als Notar, erwählt zu sehen. Näher zu Ihnen empfiehlt sich das Haus Ratisbonne, durch die strengste Loyalität bei der edelsten Großflnnigkeit, Ihrer Achtung. Mir acht französischer Tapferkeit haben die 'Juden auf den Schlachtfeldern Grade und Decorationen erlangt; sie sind bis zu den höchsten Stufen emporgestiegen; einer bekleidet neben dem Kriegsminister einen wichtigen Posten, der Zutrauen fordert. Im Civil- und Militär-Geniewesen thun sich viele hervor. Unter den fünfersten Eleven, welche dieses Jahr in der polytechnischen Schule angenommen worden, ist der Name des Juden Sciama! das ist du junger Mensch kaum 17 Jahr alt. In der Literatur nehmen wir eine ehrbare Stelle ein. Ich will nur einen Schriftsteller nennen, dessen Name nach der'"ersten Herausgabe seiner Lorn de Aloise, durch eines seiner trefflichen Werke, welche eben so sehr tiefes Wissew als wackere Gesinnung bekundet, einen europäischen Ruf gewonnen hat; Herr Salvador, welcher gerade in der Zeit, als ein deutscher Professor, ein Christ, Jesus Christus für eine mythische Person, ein Symbol erklärt, seinerseits als Jude sich nicht scheute, das Leben Christi und die Authenticität der Evangelien als unbestreitbare Wahrheit hinzustellen. — Die Arzneiwissenschaft ward nicht vernachlässigt; mitten unter einer großen Zahl ausgezeichneter Männer dieses schweren Standes, weise ich auf Aronssohn hin, der gewissermaßen dieser Stadt angehört, und welcher kürzlich mit dem Titel des berathenden Leibarztes des Königs beehrt worden ist. — Wollen wir unsere Blicke. auf die Juden heften, sofern-sie der Kunst sich widmen, sofern sie zu denen gehören, welche das Genie und die edelsten Empfirrdüngen mit ihrem Feuer durchdringen, da ist Meyerbeer, dessen Ruhm Sie nur einen andern zur Seite ,setzen können, Halevy, welcher mit Riesenschritten einhergehr. Endlich, meine Herren, will ich nur in Betreff des Gesanges Madmoiselle Nathan und Madame Garcia nennen. Erlauben Sie mir, Ihnen das junge, treffliche Mädchen in Erinnerung zu bringen, welches übeiv die französische Bühne einen so lebhaften, so reinen Glanz verbreitet hat. Ihr nennt Rachel, ja Rachel, das schöne Kleinod, die kostbarste Perle in dieser Krone. Aus der tiefsten Armuth erstand sie edel und groß; ehe sie fast noch lesen konnte, begriff 'sie Racine und Corneille, die unsterblichen Geister, welche wir mit Entzücken in der Stille der Zurückgezogenheit bewunderten, welche wir nicht mehr im verlassenen Theater mit Enthusiasmus begrüßten. Eine Jüdin giebt unsier fleißigen Jugend die Gefühle wieder, welche wir in den schonen Zeiten der französischen Tragödie empsan-