Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1840)
- Article
- Tiberias: Juden daselbst nach dem Erdbeben
- Date
- 1840-02-22
- Page
- 59 (sequence 3)
- Language
- German
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59 an jene des Carlsbades erinnern, auch -nicht blos die hohe Temperatur desselben (48° Sieaumut), was die Heilung namentlich der Gicht und ähnlicher Krankheiten bewirken würde, sondern vor allem die anhaltend hohe Temperatur der Tage und Nachte, wahrend einer langen Reihe der Lage und Monate. So weit v. Schubert. Frankreich. im Febr. Die seit vierzehn Tagen erschienene erste monatliche Lieferung des Archivcs Jsraülltes de France von Herrn S. Cahen, aus welchem bereits in Nr. 7 des Orients Einiges mitgetheilt wurde, theilt unter der Uebecschrist „Culte" den Entwurf einer Verfügung über eine neue Organifation des Cultus, welchen das Central-Consistorium unlängst an die Provincial-Consistorien überschickte, mit. Lebhaft angegriffen in Metz, Nancy und in der Elsaß, hat er von Seiten der Großrabbinen von Metz, Nancy und Marseille Verwahrungen hervorgerufen. Ich lasse hier die Übertragung jenes Entwurfs sammt der darauf folgenden Bemerkungen und Beobachtungen folgen. Erste Abtheilung: Verwaltungseinrichtung. — I. Consistorien, ihre Zahl und ihre Umgrenzung. (Fortsetzung folgt.) B e l g i e n. feit, 5. Febr. In Betracht, daß der Orient die wissenschaftlichen Strömungen des jüdischen Volkes vorzüglich berücksichtigt, soll meine erste Mitcheilung einen literarischen Stempel an sich tragen. Herr Dr. Somerhausen hier veröffentlicht so eben eine Sammlung hebräischer Epigramme, ungefähr 360 an Zahl, eine Sammlung, wie sie die neuhebräische Poesie durchaus noch nicht aufzuweisen hat. Zwei Drittheile der Epigrammen sind original, ein Drittel aber nur freie Uebertragung aus fremdländischen Sprachen. Der Titel dieser Sammlung, die in Amsterdam gedruckt wird, ist und ist überhaupt in zehn Pforten eingecheilt, nach den zehn Hauptgattungen, die sie behandelt. Der fast eben so große Vorrat!) zu einem zweiten Bändchen, welcher vorzüglich didaktische Epigramme, sogenannte Irish Vulls (Dfi H)n^j und Wortspiele rm) behandelt, ist. schon ganz fertig, und würde dem ersten Bändchen folgen, wenn das erste eine Teilnahme finden wird. — Herr Dr. Carmoly ist unermüdlich im Einsammeln der Materialien zu einer noch zu erwüuschenden jüdischen Literargeschichte, der Orient wird Gelegenheit haben, die ausgebreitete Literaturkenntniß dieses Mannes öfter zu beurtheilen. Dr. Carmoly trat bekanntlich schon früh mit einem biographischen und literärgeschichtlichen Werke auf, das den Titel *6ru HnblD .führt, und wovon leider nur die erste Lieferung erschienen " ist. Bel dem Neichthume. seiner hebräischen Quellen, und bei der bekannten Nüchternheit in der formellen Darstellung der Lebensfkizzen, wäre es zu wünschen, daß Hr. Carmoly dieses Werk wieder aufnahme. Nächst den erwähnten Toldot bat Hr. Carmoly eine Denkschrift in Bezug aus eine Denkmünze zu Ehren Ludwigs des Frommen verfaßt, über welche Denkschrift der würdige Herr Ger so n-Lev y am 30. August 1836 der 'Akademie zu Metz einen sehr interessanten Bericht abstattete. Beide Schriften sind in Metz gedruckt und auch dieser - genannte Bericht ist da gedruckt. Daß Hr. Carmoly in dem Journal usialique das Merkchen 2(-D, oder die Reise des Rabbi Petachja, mit Uebersetzung und Anmerkungen bat abdrucken lassen, ist in Deutschland hinlänglich bekannt) daß er aber erst 1838 in Paris das Merkchen Eldad ha-Dani mit einer französischen Uebersetzung veröffentlicht hat, ist in Deutschland weniger zur Kenntniß des Publicums gekommen. Gegenwärtig schreibt Hr. C. Ergänzungen und Berichtigungen zu Zarfati's Bericht über die Rabbinen in Metz, so daß nun dieser literachistorische 'Aussatz, der so eben in Herrn S. Cahen's Archives abgedruckt ist, einen ordentlichen Beitrag zur Literaturgeschichte liefert. — Großes Aussehen haben hier die Verhandlungen am 31. Decbr. 1839 über den Judeneid (Eid moto Jinlnico), wie sie in der Gazette des Tribunaux (23. Jan.) mitgetheilt wurden, gemacht; nicht der trefflichen und ausgezeichneten Rede willen, die der berühmte Cremieux, Advocat aus Paris, für die Gleichstellung auch in Bezug auf die Form der Eidesleistung gehalten, sondern der großen sichtbaren Kluft willen, die im Elsaß zwischen Sitte oder Gesinnung und Gesetz noch vorhanden ist. Die allgemeine, achtbare öffentliche Meinung, die Sitte muß zuerst die Juden emancipiren, bevor das Gesetz eine Gleichstellung befehlen darf; fast seit fünfzig Jahren hat das Gesetz die Gleichheit vor dem Gesetze auch für die Elsaß ausgesprochen, und doch herrscht in der Volksgesinnung hier fast noch das Mittelalter. Ein ähnlicher Zwiespalt, als zwischen Sitte und Gesetz, zeigt sich bei diesen Verhandlungen auch zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Gesetze; die Glieder der Gemeinde fühlen nicht die Schmach des Judeneides, den das Gesetz eigentlich längst schon arttiquirt hat. Merkwürdig und geschichtlich interessant war in der Rede Cremieuffs die Aufzählung der Fortschritte, den die Juden in der Neuzeit in Frankreich gemacht; merkwürdig nämlich, indem diese Belobung der jüdischen Fortschritte aus dem Munde eines Juden auf den Christen nicht immer einen guten Eindruck machtgeschichtlich interessant aber ist diese Episode, da sie uns ein ziemlich treues Bild der Fortschritte der Juden in Frankreich giebt. Diese Episode lautet: „Ja ich fühle einen edcln Stolz, es auszusprechen: wir stchm bereits da nach 25jähriger Freiheit, mit Euch in allen Laufbahnen wetteifernd.- Es giebt zwei Berufe, deren Zugang 8*