Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 7 (15.2.1840)
- Article
- Leo der Hebräer
- Date
- 1840-02-15
- Page
- 97 (sequence 1)
- Language
- German
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Eiteraturblatt des Orients. Berichte, Stndierr und Kvitiken für jüdische Geschichte und Literatur. J\fg *3« Leipzig, den 15. Februar 1840« Leo des Hebeacr's Dialogen von & er Liebe: Tabieau ihres Inhalts und ihrer Gedankenfolge. — Dukes' -Mose Ben Esra aus Granada, beurthnlt von Lebrecht. — Der Strom Pi schon. Der Gelehrtentrtel Moren u. — Schaar ha - Schamazim von Jbn-Esva. — Die gemischten Ehen. — Literarische Ankündigungen. — Leo der Hebräer. Charakteristik seines Zeitalters, seiner Richtung und seiner Werke. (Fortsetzung.) Die Dialoghi di Amors (dies ist der Titel des ursprünglich in italienischer Sprache abgefaßten Buches) sind das Meisterwerk Juda des Hebräers. Ihre vielmalige Austage, ihre Uebersetzung in andere romanische Sprachen, und das Urtheil der Zeitgenossen zeugen von der inneren Bedeutsamkeit des keineswegs ephemeren, sondern mit dm originellsten Gedankenkeimen angefüllten Werkes. So sehr es auf der einen Seite den Charakter seiner Zeit restektirt und sich der herrschenden neuplatonischen Richtung anreiht, so selbstständig und voll brauchbarer Andeutungen und Umriffe ist es auf der andern. Man wird aber schwerlich von dem Titel auf den Inhalt dieses Werkes schließen können; es hat zwar zum Hauptgegenstaude, zum Mittelpunkte der philosophischen Entwickelung die Liebe, aber die Liebe im weitesten Sinne des Wortes, als Lebmsprmcip des Universums, als etwas sowohl im Schöpfer als in der niedrigsten seiner Creaturen vorhandenes, die Liebe auf allen Staffeln, in allen Charakteren, in allen Subjekten, und in diesen Brennpunkt werden alle Strahlen der sokratischen Weisheit, der mythologischen Symbolik, der jüdischen Kabbala, der arabischen Philosophie, der biblischen Offenbarung und der daran sich knüpfenden Legenden gesammelt, so daß das Ganze zwar eine gerundete Einheit, aber zugleich eine bunte Mannigfaltigkeit darstellt, und wie die spanische Ausgabe betitelt ist, als Philosophia UniversaSis totius mundi1) angesehen werden kann. Der Dialoge sind drei; der Jnterlocutoren zwei: Sophia, die Weisheit, und Philo, der Liebhaber dersel- 1) Daraus scheint der abgeschmackte Titel Phiiographia universale' mberbt, den das Buch in Immanuel Aboab's Nomologia (Disuursos legales) führt. ben. Die dialogische Form scheint dem Plato, di§ symbolische Bedeutung der redenden Personen den mittelalterlichen Mystikern entlehnt, von denen z. B. Heinrich Suso die Weisheit und ihren Jünger redend einführt. Je thörichter die Gerüchte über dieses Buch sind, je ungenügender.der Bericht ist, den erst neulich Depping in seinem Werke Le iuifs dans ie Moyen Age darüber gegeben2), desto nothwendiger erscheint es, eine vollständige Jnhaltsanzeige dieses reichhaltigen Buches zu geben, und ich thue dies mit Benutzung der höchstsorg faltigen Argumenta Sarasin's, der es im 29. Jahre seines Alters in klassisches Latein übertragen hat. Vvstev DrerlVg» Das Wesen und die Natur der Liebe. Liebe und Sehnsucht, zwei Willens-Affekte , ihre karakterrstischen Unterschiede. Das Nützliche, Angenehme und Sittlich-Gute, die drei modisicirenden Objekte des Liebens und Sehnens. Reichlhum, obgleich förderlich für das moralische und bürgerliche Leben, doch hinderlich für das beschauliche oder speculative. 2) Er sagt S. 494 des französischen Originals: ,,Jn seinem neuen und letzten Asyle prakticirte Leon der Hebräer die Mcdicin, und lehrte die Philosophie, nach den damaligen Begriffen der Juden, nämlich die Metaphysik Plato's und Aristoteles', vermischt mit den Ideen Averroes', Avicenna's und der in die Fußtapfen der Griechen und Araber getretenen Rabbinen, vorzüglich der Kabbalisten. Er hat uns eine sittsame Auseinandersetzung dieser dunkeln Philosophie hinterlaffen in seinen Gesprächen über die Liebe, einem g ala nten Werke, irr welchem Philo einer Dame, Namens Sophia, die Philosophie der Liebe lehrt; er unterrichtet sie in der platonischen Liebe, in der Liebe der Engel, der Planeten, der Elemente. Man kann auf den Verfasser dieses philosophischen Traktats anwenden, was er durch Philo der Sophia sagen läßt: „7,Vos raisons, dame Sophie, demontrent plus de subtilite en votre entendement que de rerite en votre opinion.ua Ich habe diese Stelle im französischen Texte beibehalten, weil sie allem Verwuthen nach der französischen Uebersetzung Du Parc's aus Champagne entlehnt ist«. 7