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Der Orient · 1840-02-15 · Heft 7 (15.2.1840) · p. 53

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 7 (15.2.1840)
Article
Berlin: das Seminar, die literarischen Erzeugnisse
Date
1840-02-15
Page
53 (sequence 2)
Language
German
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53 Hervorbringen könnten, in einer abflachenden Viel- oder vielmehr Weniglernerei versplittern sicht, wahrend sie das, was sie früher als einzigen Lebenszweck betrieben, hintenansetzen und mehr durch äußere Einwirkung als durch innern Betrieb an die Fortsetzung ihrer talmudischen Studien denken. Am Besuche eines Gpmnasii theils durch ihr meist schon vorgerücktes Alter, Theils durch andere Verhältnisse gehindert, glauben sie mit hier und da zusammengerafften Bruchstücken von Kenntnissen den Anforderungen der Zeit entsprochen zu haben, und lassen nicht nur ihre oft edlen Fähigkeiten in seichter Vielseitig feit ertrinken, sondern vergessen ihres wahren Interesses, des Zieles, das ihnen gesteckt ist. Und doch wird, oder soll wenigstens aus diesen ein großer Theil der zukünftigen Rabbinen, Prediger und Lehrer hervorgehen; und doch sollen sie es sein, die einer keimenden Generation Israels den Weg zeigen sollen, den sie zu wandeln habe. Hier wird unstreitig ein jüdisches Seminar, wenn es anders ein jüdisches bleibt, seinen segensreichsten Einfluß üben können; hier werden den Lernbegierigen die Mittel an die Hand gegeben, ihren Durst nach Wissen zu stillen; hier erhalten sie die Anweisung, wie sie ihre Fähigkeiten zu entwickeln, und was sie als Kern zu erfassen haben; hier wird eine bedeutende Anzahl von jungen Leuten, die den Namen eines Standes tragen, aus dem sie herausgetreten sind, und der schon fast verschwunden ist, zu einer richtigen, zweckgemaßen Bildung angeleitet; hier wird endlich einem Verein von gelehrten Männern Gelegenheit geboten, die Schätze ihres Wissens nicht blos in stummen Büchern, sondern in lebendiger Redekraft der jüngern Generation mitzutheilen. — Ueber das Lehrerpersonal und die innere Einrichtung der Anstalt behalte ich mir vor, Ihnen nächstens zu berichten, da ich nicht Lust habe, fabelhafte Gerüchte noch weiter zu tragen. — Was die jüdisch-literarischen Neuigkeiten des hiesigen Stapelplatzes der Gelehrsamkeit betrifft, so dürsten auch diese bald besprochen sein. Hr. Pleßner beschenkte uns mit einem Bande Confirmations - und Trauungsreden (jene mit dem Motto: „Ben Scheloschesre la-Mizwot" (Picke Abot 5, 24.) diese mit dem Motto: „Lo tob Hejoth ha-adam lebaddo" (1 Mos. 2, 18.), die wohl zu dem besseren gehören dürften, was dieser Theologe bis jetzt geschrieben. — Eine besonders erfreuliche Gabe war Dr. Geigers: Melo Chofnajim (nach Kohel. 4, 6), hera.usgegebm durch Hrn. Wilzig.i) 1) Der vollständige deutsche Mel: Melo Cchosnajlm, deutscher Theil. Biographie Josef Salomo dcl Medigo's; dessen Brief an Serach Ben Natan, enthalt einen kurzen Leitfaden der hebräisch-jüdischen Litteraturgeschichte nach dem hier zum' ersten Male herausgegebenen Originale übersetzt und durch Anmerkungen erweitert, nebst einzelnen Anmerkungen zu andern hebräischen hier zum ersten Male gedruckten Schriften, von Dr. Abraham Geiger, zweiten Rabbinen zu Breslau. Herausgegeben von W. Witzig (Dabei del Medigo's lithoaraphirtes Es enthalt dieses Werk, das als ein dankenswerther Beitrag zur Kenntmß der jüdischen Litteratur zu betrachten ist; 1) die Biographie Josef Salome del Medige's (dessen Bildniß, wie es sich vor dem Majan Gannim befindet, hier als Titelkupfer beigegeben ist. — Nachdem zum Verständnisse des Folgenden eine Schilderung der vorausgegangenen Entwickelung des Judenthums, wie sie sich damals (am Ende des sechzehnten Jahrhunderts, ziemlich fest in die drei Richtungen, die rein-rituelle, die philosophische und die kabbalistische abgeschlossen hatte, gegeben worden, geht der Biograph zu der italienischen Schule und dann nach Candia über, erwähnt die bedeutendsten Gelehrten, die sich dort ausgezeichnet (Kapsolr, Askenasi u. s. w.), und kommt dann aus die Familie del Medigo selbst. Aus Deutschland stammend, aber schon seit Ende des 14. Jahrhunderts in Candia ansaßig, hatte diese Familie ihren Namen schon durch wehre ausgezeichnete Glieder gefeiert gesehen, am meisten durch Elija del Medigo, den Verfasser des antikabbalistischen Bechinat Ha-Dat, den Urgroßvater der Mutter Josef Salome del Medigo's. Dieser geboren Juni 1591 (25. Siwan 5351) in Candia, bezog nach kaum 15 Jahre alt die Hochschule zu Padua, und verwendete besonderen Fleiß auf das Studium der Naturwissenschaften, der Mathematik, worin der berühmte Galiler sein Lehrer war, und der Medizin, die er später auch praktisch ausüble. 1613 kehrte er nach Creta zurück, blieb aber nur 3 Jahre dort, und befand sich seitdem fast stets auf Reisen, oft unternommen, um seine Bibliothek zu vermehren, auf die ec, wie er selbst sagt, mehr als 10,000 Gulden verwandte. Er besuchte Egypten, Konstantinopel, damals Mittelpunkt der jüdischen Gelehrsamkeit, Rußland, Polen, wo er eine Aeitlang bei dem Fürsten Radziwill Leibarzt war, (wie er überhaupt seinen Unterhalt meist durch 'Ausübung der Arzneikunde gewann), Hamburg, Amsterdam, Prag u. s. w. Sein Todesjahr ist unbekannt, wahrscheinlich um 1657 zu sehen. Er war, vorzüglich in Polen, stets vor einer Menge von Schülern umgeben, und von nah und fern gelangten Anfragen an ihn über diesen oder jenen Zweig des Wissens. Diesen Anfragen verdanken wir sowohl sein bis jetzt bekanntestes Weck Elim (nach 2 Mos. 15, 27) r als auch den hier zum ersten Male gedruckten Brief an den Karaiten Serach Ben Natan.2) Er Bildniß.). Berlin, 1840. Zu haben beim Herausgeber, Neue Friedrichsstr. Nr. 39. Der hebräische Mel heißt: $bt2 xb aimp ’erri ’arco aw^aip1? cvan Ditoi cp»npn nxw hm nhan c^pp run ~v ’JN “nxP c’DNain . h rapi crnax HSni» am “n:o psb in plhjo . (beutfärr Seite: LVI. unb 104 S. Hcbr. Text 80 S.) 2) Das Manuskript erhielt Dr. Geiger durch Hrn. Goldenberg von dem karaitischen Chacham in Halicz in Galizien.

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