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Der Orient · 1840-02-15 · Heft 7 (15.2.1840) · p. 49

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 7 (15.2.1840)
Article
Jerusalem: Zustände der Juden daselbst
Date
1840-02-15
Page
49 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kvitiken Das Abonnement für ein Quartal ist 1 Thlr. 6 Gr. Man abounirt bei allen!öbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von »r. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 1. Leipzig, den 15. Februar 1840. Orient. Jerusalem (Zustande der Juden daselbst). K o n st a n t i n o p e l (die Abschaffung des-Haradsch). — Frankreich (Paris, die literarischen Bestrebungen). — Deutschland (Oesterreich, literarische Erzeugnisse; Oesterreich, russische Absperrung gegen die Juden; Berlin, das Seminar, die lkter. Erzeugnisse; Berlin, die Herausgabe des Kusari; München, Schluß; Dresden, über den Judeneid)« Literaturblatt des Orients. — Orient. Jerusalem. Es mag (erzählt Schubert) als ein nicht unbedeutendes Anzeichen einer großen, geistigen Bewegung in diesem merkwürdigen Volke erscheinen, daß so zahlreiche Schaaren desselben in unfern Tagen nach Palästina ziehen. Diese Auswanderungen geschehen nicht mit großem Aufsehen und äußerem Gepränge, sondern ganz in der Stille, deßhalb mit glücklicherem Erfolg; die Auswanderer, welche als Fremdlinge kommen, werden, namentlich unter der sie vielfach begünstigenden Egpptischen Herrschaft, leichter denn alle sonstige Ankömmlinge einheimisch, weil sie in Alles sich fügen, auch mit dem ärmsten Hüttlein und geringsten Stück Landes zufrieden sind und einen Fond der vertrauenden Liebe zu der neuen Heimat mitbringen, welcher ihren Unternehmungen ein glückliches Gedeihen giebt. Die in Jerusalem Wohnenden sind freilich meist sehr arm, und da weder Handel noch Gewerbe sie nährt, größtentheils nur auf die Unterstützungen angewiesen, die sie von ihren Glaubensgenossen in Europa zugesendet bekommen. Richardson und Scholz geben die Zahl der in Jerusalem wohnenden Juden auf 10,000 an, uns versicherten jedoch mehrere zuverlässige hiesige Israeliten, daß sie nur gegen 6000 betrage. . Zwar hat nun die letzte Pest wieder eine große Zahl der auch im engsten, niedrigsten Raum der Stadt zusammengedrängten Israeliten hinweggerafft, dennoch glaube ich nicht zu viel zu sagen, wenn ich die Juden als das reichliche Drittel der Gesammtzahl der hiesigen Bewohner angebe. In ganz Palästina leben jetzt gegen 30,000 Israeliten. Freilich hat diese große Menschenschaar nur den kleinsten Theil (kaum der Stadt inne und erregt unter allen das wenigste Aufsehen, während die Muhammedaner, deren Zahl mit dem egpptischen Militär sich auf 9000 belaufen mag, den größten Theil der Gassen einnehmen und am meisten ins Auge fallen. Das kleinste Häuflein bilden im Verhältniß zu den andern beiden Religionsgenossen die Christen, denn ihre Zahl übersteigt, außer der österlichen Zeit schwerlich 3500; doch gehören ihren Gemeinschaften, vor allen den Armeniern sehr große weit ausgedehnte Räume der Stadt an. So mag die ganze Summe der Einwohner ohne das Militär über 17,000, mit diesem 18,000 betragen; eine Zahl, welche für eine Stadt, deren Umfang noch jetzt über fünf Viertelstunden Weges wisset, nicht groß genannt werden kann. Wir hatten schon in Baiern einen Brief bekommen, an einen jetzt in Jerusalem wohnenden Israeliten, dm Rabbinen Bergmann aus Würzburg. Der gefällige Mann hatte uns mit mehreren seiner Glaubensgenossen, welches lauter deutsche Landsleute waren, schon in unsrem Pilgerhause besucht; wir beschlossen ihm heute, weil es noch früh am Nachmittag war, einen Gegenbesuch zu machen. Um zu der Judenstadt zu kommen, steigt man von der Gegend der Grabeskirche abwärts nach dem großen, aus mehreren Reihen der Läden und Kaufhäuser gebildeten Marktplatz oder Bazar. In den kleinen, vielfach gewundnen und zickzackartig durch einander verlaufenden Gäßchen, in welche man südwärts und südostwärts vom Bazar eintritt, möchte es schwer sein, ohne einen Führer sich zurecht zu finden. Gewöhnlich sind mehrere Häuser von einem gemeinsamen Hofraum umschlossen, der, mit all seinen vielen Bewohnern, einer kleinen Stadt gleicht. Wäre Jerusalem an allen Stellen seines Flächeninhaltes, selbst nach Ausnahme des großen Platzes der Moschee, eben so bevölkert, wie hier im Judenquartier, dann könnte es weit über hunderttausend Einwohner beherbergen. In der Familie wenigstens unsers israelitischen Landsmannes wurde es uns 7

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