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Der Orient · 1840-02-08 · 6 (8.2.1840) · p. 85

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
6 (8.2.1840)
Article
Leo der Hebräer
Date
1840-02-08
Page
85 (sequence 5)
Language
German
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89 Lebensgeschichte Don Jehuda's. Die gemischten Ehen. W schrieben und ob er überhaupt jemals zur christlichen Kirche übergetreten. Peter Bayle in seinen Lcllres (S. 821) erzählt mit zuversichtlicher Gewißheit, daß Leon, wie auch sein Bruder, zum Christenthum übergegangen sei, und wundert sich, daß weder Bartolocci noch Nie. Antonio davon Etwas melden. Es ist von vorn herein unwahrscheinlich, daß der Sohn eines gegen das Christenthum eingenommenen Vaters, der einen Theil seiner schriftstellerischen Arbeiten der bittersten Polemik gegen das Christenthum widmete, die dem Vater verhaßte Religion und zwar noch bei dessen Lebzeiten angenommen haben sollte (Don Isaak starb 1508). Aber die Sache erscheint schon anders, wenn man bedenkt, daß Don Isaak jüdischer Aristoteliker und Don I e h u d a kosmopolitischer Neuplatoniker war. Der Neuplatonismus erkannte keine geoffenbarte Religion als ausschließlich wahr an, nahm abn dankbar die Hochgedanken einer jeglichen aus, um sie verplatonisict seinem Systeme einzureihen, übrigens das goldne Weltalter einer neuen Religion erwartend. Finden wir nun, daß Leon in seinem dritten Dialoge auf eine in der That sinnreiche Weise das Dogma der Trinität philosophisch rechtfertigt,6 7) so wird man nicht ferner denken, daß der Name Johannes des Evangelisten unter den mit Leibes¬ und Seelenunsterblichkeit zugleich begabten Heiligen i) von den römischen Revisoren eingeschwärzt sei. Die Ehrerbietung, mit der der Sohn des großen Abarbanel bei Azaria de Rosst, Immanuel Aboab u. A. genannt wird, steht der Annahme feinet Uebertritts nicht entgegen. Dem zufolge erscheint auch der Name ^£>0, den der Verfasser des Schalschelet den üialogis de Amore giebt, in einer prägnanteren Bedeutung. Ich entscheide die Frage dahin, daß Leon, obgleich während 6) In Gott bildet nach Leon die Trias des cognoscens, ler »'68 cognita und cognitio, so wie die Trias des amans, amatum und amor eine dreifach sich reflectirende, aber einfachste Einheit. Er macht das Geheimnkß der Trinität an einheitlichen Triaden in der Natur anschaulich, ganz wie die kirchliche Dogmatik, obgleich er das Dogma philosophisch verflüchtigt. Er behauptet sogar, daß der menschliche Intellekt wegen seiner eignen Beschaffenheit die Einheit ohne dreifache Beziehung (unitatein sine trina relatione) gar nicht auffassen könne, und daß die Annahme einer Trinität die göttliche Einheit ebenso wenig aufhebe, als das Sonnenlicht dadurch, daß es die Essenzen aller Lichter und Farben in sich faßt, seine einfache und herrliche Klarheit verlöre. S. die Uebersttzung von Saracenus in Artis Cabb. Scriptöres S. 506. ff. 7) „Coloro, che ’1 desiano, non credono interamente, che sia inipossibile, e hanno intese per l’histovie legal!, che Bnech ed Elia ed ancor 8. Giovanni Evangelista sono immortaii in corpo ed anima, se bei» veggono essere stato per miracolo, onde ciascuno pensa, che a loro D.io potria fare simil miracolo.“ Die Legende von der Unsterblichkeit des Evangelisten Johannes gründet sich bekanntlich auf eine falsche Deutung der Stelle .Joh< 2t, 22. Abfassung seiner Dialoge noch nicht factisch übergetreten zum Christenrhum,8) doch zwischen diesem und dem Judenthum mitten inne stand und höchstwahrscheinlich, spater die Synagoge verlassen hat. (Fortsetzung folgt.)' Die gemischten Ehen. Die Ehe zwischen Juden und Christen ist nach dem Preuß. Allg. Landrecht erlaubt. (Fortsetzung) Ich behaupte, daß auch in Preußen die Ehe zwischen Juden und Christen an und für sich gesetzlich erlaubt ist, und nur ihre Vollziehung auf eigenthümliche Schwierigkeiten trifft. Paragraph 36. kl. 1. des A. L. R. enthalt in dieser Beziehung ein Verbot, welches eine bedingte Erlaubniß ist. Er sagt: Ein Christ kann mit solchen Personen keine Heirath schließen, welche nach den Grundsätzen ihrer Religion sich den christlichen Ehe-Gesetzen zu unterwerfen gehindert sind. Er spricht also von Ehen zwischen Christen und Nicht- Christen, und ec verbietet sie nicht durchaus, sondern nur beschrankt. Ist der Nichtchrist ‘ einer solchen Religion zugethan, welche ihn nicht hindert, sich den christlichen Ehe-Gesetzen zu unterwerfen, so steht seiner Ehe mit einem Christen nichts entgegen. Welches aber'sind die christlichen Ehe-Gesetze? Die Ehe-Gesetze des allg. Landrechts sind allgemeine, für Christen und Juden gleich gültige; sie können also nicht als speciell christliche angesehen werden. Die eigentlich christlichen Ehe-Gesetze kennen zu lernen, wird man auf das neue Testament und das kanonische Recht zurückgehen müssen. 8) Dies geht deutlich daraus hervor, daß der Verfasser sich zu den Bekennern des mosaischen Gesetzes zahlt (nos omnes, (|oi legum mosuicam profitemur, S. 496), daß er Moses und Aaron sunctissinü ac venerandi nostri majores nennt (S. 465), daß er den Rabi Moses Aegyptius (iVIaimonides) im Gegensatz gegen die arabischen Philosophen als nostras (S. 437. 526.), so wie einen gewissen A 1 b e n z u b r o n in iibro de fönte ritae als n-oster einführt {ß, 501). Wolfs Conjectur, daß unter diesem monströsen Namen Samuel Sarsa zu verstehen sei, der ein C^fi "TlpO schrieb, l)at nicht das Geringste für sich. Obgleich wir nicht den gemeinten Schriftsteller angeben können (der die Lehre von den aristotelischen Principien, Gott, Form und Chaos, in dem genannten Buche entwickelt haben sott), so stehe doch hier die dem gelehrten Wolf entgangene Bemerkung, daß in der »nittelalterlich lateinischen Umschreibung arabischer Namen Abeu mit Alben, Abu mit Albt» wechselt z. B. Abuhali und Albohali, Algnzei und Albugazal u. s. w.

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