Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-02-08 · 6 (8.2.1840) · p. 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
6 (8.2.1840)
Article
Leo der Hebräer
Date
1840-02-08
Page
81 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891406-2361654--0091-2361675
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Literaturblatt des Orients. Berichte, Stndien und Kritiken für jüdische Geschichte »wd Literatur. M «. Leipzig, den 8. Februar 184«. Leo der Hebräer; der christliche und jüdische Neoplatomsmus seiner Zeit; Verhältnis; beider Abarbanels zu einantzer; Lebensgeschichte Don Jehuda's. — Die gemischten Ehen; die chri.Aiche-r Ehegesetze z die jüdischen Ehegesetze; kanonisches Recht; Landrecht. — Literarische Ankündigungen. — Leo der Hebräer. Charakteristik seines Zeitalters, seiner Richtung und seiner Werke. Nachdem das Studium des Aristoteles, sich immer weiter und weiter von der Urquelle der peripatetischen Philosophie entfernend, vom Morgenlande nach dem Abendlande hin seine Glanzperiode durchlaufen hatte, und nun, unter den gigantesken Masten der producirten Schriftwerke, insbesondere der scholastischen Commentare (deren Patricius 12,000 zahlt) erliegend, innerhalb der Kirche in einem in zwei Richtungen unvereinbar zerfahrenen Scholasticismus stagnirte, trat .im 15. Jahrhunderte gewistermaßen eine Verjüngung desselben ein, dadurch, daß große geschichtliche Ereignisse die verschütteten Quellen der altclasstschen Literatur wieder zum Vorschein brachten. Wir begegnen in Italien einer ganz eigenthümlichen Entwickelung der Philosophie, die von da auf Deutschland ihre Einflüsse äußert, einem in Reattion gegen Scholasticismus und Kirchenthum etablirten Platonismus, der aber dem Systeme Plato's so unähnlich ist, als der Peripateticismus des Mittelalters dem Systeme des Stagiriten. Die Philosopheme der beiden Sokratiker und ihrer Ausleger, namentlich der Neuplatoniker und unter ihnen Plotins, die kirchliche Dogmatik und der (ranscendentale Gnosticismus der jüdischen Kabbala fügten sich zu einem seltsam gemischten Ganzen zusammen, welches noch dazu aus dem Zauberkram des Mittelalters ein phantasmagorisches Lüstre entlehnte und durch die aus den platonischen Dialogen entstammende Schwärmerei natürlicher und unnatürlicher Liebe eine sentimentale poetische Tinctur erhielt. Betrachten wir etwas genauer, wie diese wunderliche Mixtur zu Stande kam. Während die westliche Welt in einer intellektuellen Abspannung schlummerte, wurde das lang bedrohte Consiantinopel endlich durch die Türken erobert. Die Gefahr und das Mißgeschick dieser Stadt war die Veranlassung, daß Europa mit Griechen erfüllt wurde, die, nach und nach ihr Vaterland raumend, um den Beistand der Staaten und den Schutz der Privatleute fleheten, aber auch, wo sie nur immer als Abgeordnete oder als Flüchtlinge erschienen, bereit waren, den Charakter von Professoren anzunehmen und die Sprache und Wissenschaft ihres Landes in den Schulen von Florenz, Rom und andern großen Städten Italiens zu lehren. In Italien war es, wo Manuel Chrysaloras, de.r Cardinal Bessarion und der hochverehrte Lehrer beider, Gemistus Petho, zugleich mit vielen gleichzeitigen Griechen geringeren Rufes, im -15. Jahrh. die gefeierten Regeneratoren der Wissenschaften wurden, insbesondere dadurch, daß sie der damals herrschenden Scholastik eine anziehendere und liberalere, so wie sorgfältigere und tiefsinnigere Philosophie substituirten. Ohne im Einzelnen zu untersuchen, in wiefern ihnen dieses comparative Lob rechtmäßig zukommt, sei nur bemerkt, daß die neuen Doctrinen durch die Großen und Gelehrten Italiens mit der wärmsten Liebe umfangen wurden, und von Niemandem mit glühenderem Eifer, als durch den erlauchten Cosmo de Medici, dem beständigen Zuhörer Gemistus Pletho's und dm Gründer der platonischen Academie in seiner Geburtsstadt Florenz, die er durch Handel bereichert hatte und nun auch durch Wissenschaft zu verherrlichen strebte. Wahrend vier aufeinanderfolgender Gcnerauonen der Medici war Marsilius Ficinus (geb. 1433, st. 1499) die Zierde oder vielmehr das Orakel dieser Akademie, indem er von früher Jugend an sich dem Studium der neuen Wissenschaft gewidmet hatte und darin ununterbrochen während seines ganzen Lebens verharrte. Er vereinigte und concentrirte all die zerstreuten Lichtstrahlen der griechischen Lehrer in seinen Uebersetzrmgen des Plato und Plotinusl), so wie in den mühevollen Eommentaren über diese seine Lieblingsschriftsteller. Aus den bewunderten Schriften des i) S. die Enncadm des Plotmus, übersetze von Engelhardt. Erlangen, 1820. Vor. 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.