Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 5 (1.2.1840)
- Article
- Gedichte von Moritz Fränkel und Max Ring [Rezension]
- Date
- 1840-02-01
- Page
- 69 (sequence 5)
- Language
- German
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13 Jeled Sekunim. Lebensskizze Zlhron Chouin's. Seine Schriften. Seine Wünsche. 74 Was soll man sich aber bei dem Sonnette: „Der Ball" von demselben Verfasser denken? (S. 211): „Es warnt der Freund mit spöttisch-ernster Miene: Scha»' nicht zu tief in's braune Au-si hinein- Auch nicht in's Glas! denn beider Zauberei'», Sie lauern tückisch hinter der Gardine. — Da steht man nun schlagfertig auf der Bühne Im Frack, — Gesicht gefaltet, freundlich fein, — Voll Selbstgefühls schau'n Vatermörder drein — Der Fuß seufzst ängstlich, der bedrängte Kühne. Da tönt des Walzers Melodie gewaltig Durch Aller Herzen, — hehr und vielgestaltig Wogt jetzt die Lust, — es sprüh'n des Festes Funken. Auch mich ergreift'ö mit höhnischer Geberde — Dem Schicksal Unterthan sind Gott und Erde — (!) Vo m Thee d ansant bin ich verwirrt und trunke n. (Davon zeuge dies Gedicht!) Eines der besten unter den Gedichten des Herrn Frankel ist unstreitig die „Todtenftier am Grabe des Prof. Dr. Ed. Gans" wiewohl auch hierin viel unsinniges Geklingel, und namentlich Verse, wie folgende, verkommen: „Des Guten, Schönen war sein Aug' ein Saal, (!) ' Es macht' in Höh>n sich regen oder Tiefen" u. s. w. Mit diesem Gedichte schließt Herr F. die ganze Sammlung; und ich — schließe meine Recension mit der aufrichtigsten Versicherung, daß ich die Gesinnungen dieser beiden jungen Leute hochachte. Aber ich muß auch die Bitte hinzufügen, das wohlgemeinte Wort zu beherzigen, daß es mit dem Willen allein nicht gerhan sei. Wer für seine Nation fühlt, der handle fürste, wo er kann. Müssen denn alle Dichter sein wollen, wenn es auch durchaus nicht geht? -- Carl Maien. a\Jlpf oder Kind des hohen Alters u. s. w. sS ch l u ß. ] Meine Gegner, unmächtig wider die in diesem Merkchen vorgctragenen unzweideutigen Wahrheiten mit den Waffen der Gelehrsamkeit öffentlich aufzutreten, dieselben zu bekämpfen, griffen mich abermals an. Der Alt - Ofner Rabbiner, km Wer. ein mit mehreren Rabbinen und mit meinen Widersachern in meiner Gemeinde, beschlossen einen Hauptangriff auszuführen, mich zu stürzen. Ein Rabbi aus ihrer Mitte unternahm es, einen förmlichen Aufstand wider mich zu erregen. Dieser kam am 18. Dccember 1827 bewaffnet mit mehreren Briefen von Rabbinen, in denen die Excommum'cation aus der Gemeinde Israels über .mich, meine Grundsätze und Alle die mir anhangen, ausgesprochen war. Es gelang ihm viele unruhige Austritte zu veranlassen, bis die Gemeinde mittelst der löbl. politischen Behörde Hirsen Unfug steuerte. Der unberufene Gast mußte den Ort verlassen, und der Verfasser dieses Auftritts, der mitwirkende Vorsteher, wurde seines Amtes entsetzt. Gemeinde Israels! Ich habe dir den Zusammenhang, das Entstehen und die Folgen der Verläumdungs - Geschichte, die ich Gottlob überstanden habe, vorgelegt. Gott ist Zeuge, nicht Eigennutz, nicht Ehrliebe und Ruhmsucht haben meine Schritte geleitet; sondern mich jammerte der bedauernswert^ Zustand, mich schmerzte die hilflose Lage, die niedergebeugte Stellung meiner Brüder. Weh that es mir, daß Menschen, so wie andere ausgerüstet mir allen Naturgaben, mit denselben Ansprüchen auf Glückseligkeit wie alle Andern, in ewiger Isolirnng, so vieler Vorthcile beraubt, ohne Betreibung bürgerlicher Gewerbe, ohne Kunstfleiß zu sehen; unerträglich war es mir, euch meine lieben Brüder in schimpflicher Erniederung, ja sogar in verächtlicher Apathie zu wissen, bei welcher nicht einmal der Wunsch nach Verbesserung ihres Zustandes aufkeimm kann. Selbst die göttliche Tochter, die heilige Religion bei der ich Trost suchte, vermochte nicht mich zu trösten, meinen Kummer zu stillen. Sie erschien mir als eine Witwe, als eine von ihren Kindern entwürdigte Mutter. Entschwunden ist ihre Pracht, ihr Tempel ist verödet, weil Niemand zum Feste kommt. In meinem verwundeten Herzen warf sich die Frage auf: Wo liegt die Ursache dieses Uebels? wo der Grund dieser Abgeschiedenheit von der bürgerlichen Gesellschaft? Spähenden Blickes durchforschte ich die Satzungen, die Einrichtungen und Observanzen, die in und außer der Synagoge zu beobachten sind, da fand ich viele, die zur Au fr echt Haltung des wesentlichen Glaubens n i ch t allein nichts beitragen, sondern dessen Glanz verdunkeln, von seinem beseligenden Z w e ck e a b f ü h r e n. Ich fand da viele, die der Entwicklung und Ausbreitung der Religion hinderlich, viele, die ihr schnurstracks entgegen wirken- und unerschütterlich faßte ich den Entschluß, meine Kräfte, meine Zeit und meinen Fleiß dazu zu verwenden, dem Glauben seinen Glanz, seine Festigkeit wieder zu geben, ja dem drohenden Umsturz desselben vorzubeugen. Denn die Söhne der neuern Zeit, zwar mit mehr, aber doch nicht mit hinlänglichem reinen Sinn für das Schöne und für die wahre Aufklärung ausgerüstet, singen schon an, Satzungen, Gewohnheiten, die eine Zeit des Druckes, der Barbarei und grausamen Verfolgung gebayr, gering zu schätzen, ja sogar ins Lächerliche zu ziehen; und so drohete schon die Gefahr, daß mit der Schale auch der Kern verworfen würde. Daher der Eifer, die unwandelbare Beharrlichkeit, welche mich beseelten, daher das unermüdete Streben, das mich begeisterte, uin zu zeigen, daß der väterliche Glauben von den ihm entstellenden Zusätzen gereinigt, in seiner Ursprünglichkeit mit wahrer Aufklärung sehr gut bestehen könne, ja sogar Starke und Befestigung durch dieselbe erhalte; daß er in Ausübung aller Unt ert hans- und bürgerlichen Pflichten keinesw zg g verhindert, vielmehr bic p ü nktl i ch e Erfüllung derselben a n b e f e h l e. Und so entstand eine Zahl hebräisch und deutsch verfaßter Schriften, die ich größtentheils unentgeltlich ins Publikum schickte, und die mir, weil sie von meinen Gegnern mißdeutet wurden, auch viele Unannehmlichkeiten, viele schlaflose Nachte und kummervolle Tage zugezogen haben. Ich finde mich nun aber vollständig belohnt, daß die Zeit vorüber ist, in welcher mein Streben von vielen in euerer Mitte so vielfach verkannt wurde. Wohl thut meinem Herzen die gewordene Ueberzeugung, daß Ihr die reine Absicht würdigt, in welcher ich meine schwache Stimme erhoben habe, zur