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Der Orient · 1840-02-01 · 5 (1.2.1840) · p. 65

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
5 (1.2.1840)
Article
Gedichte von Moritz Fränkel und Max Ring [Rezension]
Date
1840-02-01
Page
65 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JVs Ä» Leipzig, den 1. Februar 184b» Gedichte von Moritz Frankel und Mar Ring, beurtheilt von Carl Maien. — Jeled Sekunim; Lebensskizze Ahron Chorin's, seine Schriften, seine Wünsche, seine Reform-Bestrebungen. — Jüdisch-türkische Dichtungen und Bibelübersetzungen. Chaki. Pir Schami. — Die gemischten Ehen. — Literarische Ankündigungen. — Gedichte von Moritz Frankel und Max Ring. Leipzig, I. F. Hartknoch, 1839. (220 S.) Wenn zu den vielen lyrischen Dichtern ein neuer tritt, und auch dieser vertrauungsvoll sein überschwellendes Herz an die Brust der Menschheit wirft, und ihr seine Freude und ftin Klagen, seinen Schmerz und seine Liebe als ein heiliges Bermachtniß giebt, daß sie ihm ein Ohr leihe, seine Worte zu hören, und ein Herz, seine Empfindungen mitzusühlen, so wird wohl Keiner diesem neuen Ankömmlinge zumuthen, daß er nur durch den Reiz der Neuheit die Aufmerksamkeit der Menschen beanspruche. Es wäre lächerlich, von ihm zu verlangen, daß gerade seine Empfindungen eine andere Farbe tragen müßten, gerade sein Schmerz ein anderer, seine Freude nicht dieselbe sei, weil vor ihm schon viele so empfunden, weil vor ihm schon hundert andere das ewige Wellenspiel des menschlichen Lebens dargestellt. Man müßte in der That den schönen Ausdruck unserer Gefühle, das stürmende und seufzende Wort, worein sich dämmernde Ahnung und der Ueberschwang polternder Empfindungen kleidet, man müßte alles dies nur für Verwunderungstöne über das Gcheimniß der menschlichen Seele halten, und dann hatte man freilich an den vielen Tausenden genug. Aber tritt uns nicht immer wieder der ganze Mensch in dem verkörperten Bilde seiner Gedanken entgegen, und ist es nicht eine ewige Wahrheit, die der unsterbliche Göthe ausgesprochen: das eigentliche Studium der Menschheit sei der Mensch? — Betrachtet den Denker, der sich durch alle Raume, die ihn umgeben, und die er ahnt, mit rastloser Prüfung emporarbeiter, seht alle Systeme, die er ansbaur und niederreißt, und fragt euch, wohin am Ende die Bezügniffe führen, die ec an den mannigfaltigsten Seiten anknüpft — entschließet euch nun mit frommen und theilnehmenden Sperren zu einer Wallfahrt durch alle Tiefen einer kämpfenden, vielbewegten Seele, und frag: euch, nach welchem Biele hin dieses stürmische Meer von Gefüblen wogt und fluchet, um welchen Punkt dieses brausende Element sich immer verwirrt und entwindet — steigt dann von den Höhen des menschlichen Geistes herab zu den gemeinsten und alltäglichsten Bewegungen, und fragt euch auch hier, um welchen Punkt sich diese einfachen Verhältnisse drehen? Immer wird es klarer und deutlicher in euch: es ist das menschliche Leben oder vielmehr der lebende Mensch mit seinem ewig erforschte und unerforschlichcn Wesen. Vor allen aber, bei denen der Drang so gewaltig, sich ganz in diese Tiefen zu versenken, denen er der Hebet alles thatkrastigen Strebens und das niederziehende Gewicht jeder Beschränkung ist, hat der Dichter das meiste Recht, sich immer gleich zu bleiben, und zu allen Zeiten zu sprechen, weit die Gefühle nie veralten, und ihre Sprache allen verständlich ist als die Sprache des Herzens. Denn wenn in jeder Zeit die Meinungen der Menschen so verschieden und abwechselnd waren wie ihre Sitten und ihre Kenntniß, wenn manche spurlos vorüberging, ohne je wieder aufzutauchen; so blieben doch die Empfindungen mit ihren kleinsten Nuancen immer und ewig dieselben wie die Natur, in deren innerstem Heiligthume sie leben und weben: und wie die Nacht mit dem Tage wechselt, und wie es immer einen Frühling gab mit Blüthen und Keimen, und einen Winter mit rauhen Stürmen, so haben zu jeder Zeit die Menschen gezürnt und verziehen, gehaßt und geliebt, geweint und gelacht, gescherzt und gejammert, und in dem großen Garten der Gefühle da blühete es und welkte es nach wie vor, und durch die Wolken des Trübsinns glanzte der Sonnenstrahl der Freude. So aber der Dichter zu uns redet, trete er versöhnend in das Leben; denn alle Stürme und Kämpfe der Leidenschaften muß er an ihrer Wurzel erfassen, und wie menschliche Lust und menschliches Leid in seiner Seele athmen, lasse er alles gerade so, wie es ihn bewegt, vor unfern Blicken aufsteigen. Es liegt etwas Göttliches in dem Gedanken, daß wir in allen Wirren und Jrrgangen der vielfachsten Begegnisse mit eine?

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