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Der Orient · 1840-02-01 · Heft 5 (1.2.1840) · p. 34

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 5 (1.2.1840)
Article
Türkei: Bericht des Morporgo ; die Bildungsstufe der dortigen Juden
Date
1840-02-01
Page
34 (sequence 2)
Language
German
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34 kritischen Blatter der Börsen-Halle" übersetzt, und deren Version ich hier, mit einigen Ausscheidungen des Unwesentlichen und Verbesserungen des Fehlerhaften, vollständig mittheile, begleitet mit einigen Anmerkungen. „Wenn die Armenier sich den Muselmanen durch die Sitten nähern, so kommen ihnen die Juden aus einem anderen Gesichtspunkte, dem der Religion, noch naher. Die Formel der Einheit Gottes, wie sie Muhawmed gegeben hat, weicht von der Formel der Juden nicht ab; auch sind die Muselmanen, wie sie, beschnitten. Beide Völker haben gleichen Ekel vor unreinen Thieren, und gleichen Abscheu' vor Bildern. Die Juden des Morgenlandes haben aber durch Jahrhunderte der Verfolgungen eine unerschütterliche Anhänglichkeit an jeglichen rabbinistischen Aberglauben, einen tiefen Haß wider alle, die nicht zu ihrer Gemeine gehören, einen großen Widerwillen gegen jede Reform, es sei in ihren religiösen Institutionen, es ftp in ihren bürgerlichen Verhältnissen zu den Fremden, es sei selbst in ihren Sitten, bewahrt. *) Wenn man sie in ihrem Stadtviertel abgeschlossen sieht, jeden Verkehr mit den Christen und den Muselmanen meidend, in Ergebung Schimpf und Hohn ertragend, Gottes Urtheil auf diejenigen herabrusmd, die sie unterdrücken, und sich über alles Unglück der Gegenwart mit der Gewißheit einer glorreichen Zukunft tröstend, so weiß man nicht, ob man Haß und Mitleid für sie haben soll. Die Türken Haffen sie nicht und verfolgen sie nicht, aber sie verachten sie und verfehlen nicht, sie die entehrenden Wirkungen der Geringschätzung fühlen zu laffen, die sie ihnen einsiößen. - Die Juden der Türkei sind sehr unwissend, sehr abergläubisch und sehr unduldsam; »sie hüten sich ihren Kindern irgend einen Unterricht zu geben, der nicht aus dem Talmud geschöpft wäre, aus Furcht, sie in den Wissenschaften des Abendlandes einzuweihen; sie leiden selbst nicht, daß sie eine europäische Sprache lernen, was ihnen doch von großem Nutzen seyn würde, denn die Juden in der Türkei haben keine eigene Sprache, sondern sprechen in der Regel nur ein sehr corrumpirtes Spanisch. Vor einigen 1) Diese Stetigkeit ist eine Eigentümlichkeit des ganzen Orients, nicht blos der Juden; bei den Arabern und Türken findet man größtenteils noch die Sitten früherer Jahrhunderte. Die arabische Sprache hat in tausend Jahren nur sehr unbedeutend sich verändert, und dasselbe war mit der hebräischen Sprache der Fall. 2) Auch - das hört jetzt allmalig auf, je mehr die Juden als Glieder des osmanischen Reichskörpers anerkannt werden. Mehr als je wird, wie glaubwürdige Reisende erzählen, die türkische Sprache unter den Juden herrschend, die italienische Sprache ist in gebildeten Kreisen schon allgemein, und es ist der ernste Sinn der türkischen Judenschaft, so die Hemmnisse verschwinden, sich ernst und ungeheuchelt dem öffentlichen Leben zuzuwenden. Das Bestreben, die Bibel mit türkischer Uebersetzung und Biur in Theilerr herauszugeben, zu welcher Arbeit schon die Anfänge gemacht sind, ist allbekannt. Jahren wollten protestantische Philantropm die Juden ^zu Smyrna aus dem unglücklichen Zustande Herausreißen, in welchem sie sich bei ihrer übergroßen Unwissenheit befinden: sie machten den Rabbinen und dm Gemeinde- Häuptern den Vorschlag, eine Schule zu eröffnen, wo ihre Kinder eine elementarische Erziehung erhalten sollten; sie erboten sich zugleich, alle Kosten dieser Schule zu tragen und deren Leitung den Juden selber zu überlassen. Die Rabbinen sahen in diesem großmüthigen 'Anerbieten nur eine Fallgrube, welche die Christen der Unverbrüchlichkeit ihres Glaubens legten, und nicht allein mit einer Weigerung, die Sache zuzugeben, zufrieden, sprachen sie im voraus den Bannfluch über die Kinder aus, welche die Schulen der Christen besuchen würden, und auch über die Eltern, welche dieselben dahin schickten. Die morgenlandischen Juden betrachten den Talmud, als von Gott ausgegangen. Ihnen zufolge giebt es zwischen den fünf Büchern Mosis und dem Talmud keinen andern Unterschied, als daß dieser von Mosis mündlich, der andere aber schriftlich gegeben worden, und sie sehen in beiden Gottes Wort. Sie haben weder in der Weise, die religiösen Solennitatm zu feiern, noch in der Beobachtung der geringfügigsten Formalitäten des jüdischen Cultus irgend eine Modification eingeführt. Die türkischen Juden haben sich dem Einfluß des Mamchaismus, der über alle religiösen Lehren des Orients schwebt, nicht entziehen können: sie glauben an eine Hierarchie der bösen wie der guten Geister, mit Satan an der Spitze der ersteren, und "Gott an der Spitze der letzteren. Sie glauben, daß dem Menschen von seiner Geburt bis zu seinem Tode zwei Engel beigegebm sind, ein guter zur Rechten, ein böser zur Linken; sie meinen ferner, daß die Lust außer diesen beiden Gewalten mit bösen Geistern, die Schedim heißen, ungefüllt sey; dies Wort sprechen sie aber nur ungern aus, und wenn sie dieser bösen Geister erwähnen müssen, so thnn sie es nur durch eine Umschreibung. Sie glauben steif und. fest, daß ein großer Theil der Krankheiten, woran die Kinder leiden, von der Einnistelung dieser Geister in ihren Körper komme, und sie suchen jene dann durch von ihren Rabbinen verfertigte Amulette zu curiren. Wenn ein Kind fällt, so glauben sie, daß die bösen Geister diesen Augenblick als am günstigsten, um ihm beizukommm, benutzen: die Mütter streuen .dann eiligst Zucker auf die Stelle des Falles, um die, ihrer Meinung nach, sehr für Süßig- 3) Diese Weigerung gegen die Bekehrungssucht der englischen Missionäre liefert den Beweis, daß die Juden in Smyrna noch nicht so tief gesunken sind, uw. sich von Missionären täuschen zu lassen. Diese Missionsschulen sind wirklich nur Fallgruben des protestantischen Fanatismus; auch im Großheczogthume Posen (in Posen, Pi n n, Sam ter u. A.) wurden von Missionären jüdische Schulen unter preußischem Schutze, begründet, die aber der stelige Akiba Eg er unwirksam zu machen wußte.

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