Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 4 (25.1.1840)
- Article
- Ueber das Schach und die damit verwandten Spiele in den Talmuden
- Date
- 1840-01-25
- Page
- 49 (sequence 3)
- Language
- German
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53 Das Buch Kuzari von Brecher. Jüdische Religionsphilosophie. 54 Noch ein talmndisches Spiel, bleibt uns übrig, das Spiel ^TUlpDN. oder, wie es in einigen Codd. geschrieben ist, Kidduschin 21,!). Nedarim 25, a. Schebuot 29, a. Daß dieses ein Bretspiel sei, darin stimmen die Glossatorm überein. Rasch! zu Schebuot und Tosefot zu Nedarim erklären es durch n*D^nn E'Oftp yv und deuten damit, wie es scheint, auf die hölzernen Bretsteme, die man im Schachspiel auch arabisch Eit^a el- Schatereng nennt. Zn Kidduschin erklärt Raschi die Worte 'HtWk mnpD’JQ (da spieltet ihr Jskunderi) von dem Bretspiele, das französisch hieße, d. i. jeu des iVLerelles, ■ Mühlstein spiel, die Mühle. Rabbi Chananel bei Aruch versteht das Spiel mit den Hündchen (CTOpD also das Nerd-Spiel. Nach einer andern Deutung bei Aruch ist es ein Kinderspiel, bei dem gegen 30 Haufen von Scherbenstücken in runder Form aufgeschichtet werden, Italien. Z diese Deutung steht aber isolirt. Betrachtet man das Wort ^TUlpD^N/ so möchte man zunächst an ein Jskender-Spiel denken, da zumal der Name Alexanders durch eine gleiche Apharesis im Persischen verkürzt zu werden pflegt, aber die zugänglichen persischen Wörterbücher wissen nichts von einem solchen Alexander-Spiele. Wohl aber giebt es ein persisches Spiel S eg Hand er, und ein anderes, S egh ander: ghezdom genannt(s. Hyde I!. S. 264. 273). Beides sind aber Kinderspiele, im Freien zu spielen, die nicht zu den obigen Talmudstellen passen, wo das Zskunderi-Spiel als Kurzweil von Männern , über dem das Studium verabsäumt wird, vorkommt. Wie wenn dieses.?Tij)pD& das Schachspiel wäre , dessen Erwähnung im Talmud prasupponirt werden kann. Kann nicht vnyipptf aus dem sanscritischen Namen des Schachspiels T s c h a t u r a n g asdasViergliedrige) entstanden und durch Verstellung der Buchstaben aus 7p^NO zusammengewürfelt sein? Für Schithreng finden sich auch arabische Formen mit Sin und Ssad zu Anfang, so wie Tau in der Mitte, und das emphatische Tha geht auch in dem spanischen xedr6^. u. s. w. in den weicheren Laut über. Die später/bei den Juden vorkommenden Namen WpXpWX, WppWX, pttW) p)m/ 'pxpü sind offenbar erst den romanischen Scaccos, Scacehi, Escacques, Ecbecs nachgeschrieben. Vielleicht führt das fortgesetzte Studium der altpersischen Sprache auf ein die historischen Mittelglieder der corrupten talmudischen Form aufweisendes Aend- oder Pehlvi-Wort. Denn die Pehlvisprache liegt bekanntlich nicht nur an der Grenzscheide des Sanskritismus und Semiüsmus, sondern die Zeit ihrer Blüthe liegt den Tatmuden so nahe, daß man mit Recht von dorther manche Aufklärungen über dunkele talmudische Wörter zu erwarten hat. Franz Delitzsch. Das Buch Kuzari mit einem Eommentar herausgegeben von E. Brecher. Erster Artikel. (Fortsetzung.) Erst als Israel eine Nation zu sein aufgehört hatte; als es zerstreut ward über alle Länder der Erde, um ein Räthsel zu werden in der Weltgeschichte, dessen Lösung nur Einer kennt; als es mit dem Verluste seines heiligsten Gutes, des göttlichen Erbtheils, des reinen Offenbarungsglaubens bedroht ward durch harte Stürme und grausame Verfolgungen, die es von außen erlitt: da erst begann es, um eine Darlegung und Rechtfertigung seiner religiösen Principien, deren frühere Unantastbarkeit durch die Zerstreuung aufgehört hatte, geben zu können, um den Streit vom Gefilde roher Körperübermacht auf die Höhen geistiger Forschung hinüber zu spielen, nach den Waffen sich umzuschauen, mit denen es sein Palladium schirmen, seine ererbte Religion vertheidigen könne. Und um nun eine gemeinsame, den Gegnern geläufige Form zu haben, ergriff es das Panzergewand der griechischen Philosophie, in das sich fortan durch eine Reihe von Jahrhunderten der jüdische Glaube barg, um durch die von aller Bildung jener Zeiten angenommene äußere Form der herrschenden Ideen ein ebenbürtiger Kämpe auch im Aeußern zu werden. Und Israel war nie verwaist. So oft als ein Kampf der Art nörhig ward fand es einen Mann in seiner Mitte, der jener auswärtigen Wissenschaft und der väterlichen Religion gleich kundig war, und zwar beider hinlänglich mächtig, um ehrenvoll in die Schranken zu treten. Philo, des synkretistischen Neuplaronismus kampfgewandter Jünger, eröffnet würdig die Reihe der hohen jüdischen Philosophen. In ihm zeigte sich historisch zuerst die positive, gvttemsprosiene Lehre des Judenthums im Gewände eines philosophischen Systems, und bald ward dieses in seinem ganzen Umfange unveräußerliches Eigenthum des ersteren. So aber wie in ihm das jüdische Element pravalirte und wie die Verschmelzung desselben mit dem Heidnischen, nur durch die Anklange -zwischen beiden möglich ward, so mußte, als späterhin ein andrer Geistesfürst auf den Wissenschaststhron erhoben ward, als die aristotelische Philosophie mit ihrer starren Negation alles höheren, göttlichen Einflusses, mit ihrer verstandesgemäßen Natürlichkeit herrschend wurde, augenblicklich ein dreifaches Bestreben im Judenthume sichtbar werden. Nämlich entweder ein Aufheben, ein Vernichten dieser Philosophie, durch die ihr in den Principien einer Offenbarung, eines Wunderglaubens u. s. w. schroff entgegen stehende jüdische Lehre, oder ein Verschmelzen beider, wobei man freilich die Sache der positiven Religion umzudeuten-, der Philosophie zu accommodiren versuchte, oder endlich —