Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1840)
- Article
- Jerusalem: die synagogalen Gebräuche
- Date
- 1840-01-25
- Page
- 25 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Quartal ist ILHlr. t> Gr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, bas Lkteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. M 4L Leipzig, den 25. Januar 1840. Orient, Srntfalem (Schluß.) Die synagogalen Gebräuche; der Zustand des Landes; die Gewohnheiten; Wassermangel).—- Deutschland (Wien, Bericht über Isaak Luzzatto; Berlin, Abwehrung von Beschränkungen; Schlesien, Zahl der Luden in Polen; Seesen, die Jakobson'sche Stiftung; Sachsen-Meiningen, Dienstinstruktion). — Däne rn ark (Kopenhagen; Kiel). — Ungar-: (Preßburg). — Literaturblatt des Orients. — Orient. 0 Zevrrserlem (Schluß). Die heilige Stadt allem macht von der zweitägigen Purimseiec eine Ausnahme, indem da nur der 15. Adar gefeiert wird. Am Rüsttage des Pefachfestes, in der ersten Nachmittagsstunde werden die ungesäuerten Kuchen (Mazot) gebacken, wobei aber, abweichend von der Sitte der Abendländer, das Hallet des Psalmisten abgesungen wird, wie es ehemals beim Schlachten des Pesachlammes geschah. Auch beim Gottesdienst in der Synagoge am ersten Pesachabende wird das Hallet gesungen, und zwar eingeleiket durch die Segenssormel oder Be rach a (Ligmor et ha-Hallet). Während des ganzen Jjacmondes wird das bekannte davidische Beichtgebet, oder T ach nun, unter den täglichen Gebeten weggelafsen, weil in früherer Zeit in diesem Monate das kleine Pesach (Pesach-Scheni) gefeiert wurde; eben so wird das T a ch n u n - G e b e t sieben Tage lang nach dem Wochenfcfrc aus den täglichen Gebeten ausgeschlossen. Der jedesmalige zweite Festtag (Jom-Tob Scheni), den die 'Abendländer nach altem Brauche feiern, wird hier nur als Werktag betrachtet, und nur in der Synagoge werden auch an demselben die Festgebete für die Fremden hauptsächlich verrichtet. An dem Tempeltrauer - Sabbat (Sabbat Chasan) wird hier kein Abzeichen der Trauer bemerkbar, obgleich man gerade diese für Jerusalem erwarten sollte; aber die Trauerfeier der Zerstörung Jerusalem (der neunte Ab) wird wie bei den Sefardim vollzogen. Die Rollen des Gesetzes sawmt ihrem Silberschmucke werden mit schwarzer Draperie umhangen, der Chasan und die betende Gemeinde bestreuen ihre 5^au.pm mit Asche und das Anstimmen der allbekannten Trauerlieder (K i n ot) verkünden den Anfang des Fasttages. Nach den Trauerliedern, nicht wie im Abendlande vor denselben, wird aus der Tora vorgelesen, und den Schluß der Trauer bildet ein großes die Gemüther erschütterndes Trauergedicht in der auch den Frauen und Kindern verständlichen Landessprache, dessen ergreifende Wirkung sich kaum beschreiben laßt. Ein lautes Weinen und Schluchzen hallt durch die Synagoge, und alle Anwesenden zerfließen in Thränen. Nach der Beendigung des Gottesdienstes ziehen die Meisten nach dem Reste der Westmauer des Tempels hin, wo sie in erschütternden Liedern den Verlust ihres Vaterlandes beweinen. — Zur Erinnerung an die ehemalige Freudeceremonie des Wasserschöpfens im Tempel (Simchat Bet ha- SchoL^ba) werden wahrend der Dauer des Laubenfestes besondere Feierlichkeiten in der Synagoge veranstaltet. Im Innern der Synagoge wird nach dem jedesmaligen Abendgebete ein feierlicher Umzug begangen, wobei jeder der fröhlich Umziehenden ein Licht in der Hand trägt, begleitet von mehreren Musikinstrumenten, namentlich von dem Tamporiko. In den vor Kurzem ueuerbauteu Synagogen, die Kehal Zijon genannt werden, ist sogar eine mit vieler Kunst gefertigte Maschine angebracht, die wahrend dieser Feierlichkeit Wasser in die Höhe zum Andenken des Nisuch ha-Majim spritzt, was in Verbindung mit den übrigen Gebrauchen einen imposanten Anblick gewährt. Am Abende des Simchat Tora, so wie am Abende der Sühnefeier, wird mit sammtlichen da vorhandenen Rollen des Gesetzes ein feierlicher Umzug gehalten. — Eigenthümlich sind die Gebräuche bei Vermählungen, namentlich was die Vor- und Nachfeier betrifft, eine Besonderheit, die sich auch zum Theil bei den Juden in Asien findet. An jedem Sabbat, der zunächst einer Trauung vorangeht, wird ein zierlicher Baldachin (Chuppa) in der Synagoge ausgestellt, unter welchem der Bräutigam und seine 4