Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1840)
- Article
- Jerusalem : Missionswesen [Nachricht]
- Date
- 1840-01-18
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 von dem Rabbiuen ins Deutsche übertragen worden. Die Morgen- und Abendgebete werden hier in der Synagoge mehrere.Mal.nacheinander mit der bestimmten Zehnzahl des synagogalen Chores abgehalten, um den Gläubigen unter den Geschäftsmännern eine Gelegenheit zu geben, auch außer der bestimmten Zeit nach der gesetzlichen Vorschrift beten zu können. Die abendländische Zeitbestimmtheit der Tesilla haben die Umstände hier abgeändert. Hat z. B. die erste Versammlung der Andächtigen ihr Schacharit-Gebet vollendet, so räumt sie die Synagoge für eine späteckommende, die den Gottesdienst von- Neuem beginnt. Auf diese Weise wird die Tesilla nach Umständen fünf- bis sechsmal wiederholt, -da eine Verspätung des Schema-Lesens im Oriente, bei hem gleichbleibendem Tag- und Nachtverhältnisse, nicht leicht eintritt. Wie mit dem Schacharit-G ebet, eben so ist es mit dem Mincha. Nachmittags um 3 Uhr wird das Mincha-Gebet begonnen und nach oft zehnmaligem Wiederholen erst gegen Eintritt der Nacht geschloffen. Niemals aber wird das Vorlesen aus der Tora wiederholt, z. B. Montag und Donnerstag, oder am Samstag; denn nur für die erste Versammlung wird vorgelesen. Am Vorabende des Sabbat wird das Mincha-Gebet im Freien, an der Stelle des ehemaligen Tempels, da wo noch eine Spur der Westwand ist (Kotet Maarabi), verrichtet; ein Grund dafür war nicht zu ermitteln. Nach dem im Freien abgehaltenem Gebete wird der Sabbatgottesdrmst in der Synagoge begonnen. Das Unterscheidende bei dem sabbatlichen Abendgottesdienst ist, daß der 92. Psalm vor und nach dem Maarib-Gebet abgesungen wird, wahrend im Occidmt dieser Psalm zur Einleitung des Sabbat nur vorder Abendandacht gesungen wird. Gegen drei Uhr Nachmittags am Sabbat wird von irgend einem Gelehrten in der groß en Synagoge, gewöhnlich Kehal- Stam bul (türkischeGemeinde) genannt, über religiöse und moralische Sätze nach der Weise der Deraschot gesprochen. Der Priestersegen oder das Duchan (hebräisch: Nesiat Kapajim) findet alltäglich statt, nicht wie im Occident nur an gewissen Festtagen; der Fasttag am neunten Ab macht hiev-allein von dieser Allgemeinheit eine Ausnahme. Das Weihgebet zum Eingang des Sabbat oder Kidusch und das am Ausgange die Habdala wird nie in der Synagoge verrichtet. Die Pijutrm, oder Sabbat- und Festgesange außer dem Siddur, sind hier unbekannt, und nur am Sühnetag wird die Zeit durch einige Pijutim ausgefüllt. Das Purimftst wird in ganz Palästina zwei Tage lang, nämlich am 14. und 15. Adar, gefeiert, wobei jedoch nur am ersten Purimtage das Buch Esther öffentlich vorgelesen wird. (Schl.fgt.) Im A-irHipelergus, Ende November. Ein gelehrter Reisender im Oriente theilt so eben in der Augsb. A. Z. seine Beobachtungen auf einer Reise durch die Türkei und Griechenland, namentlich in Bezug auf die im türkischen Reiche zerstreuten Nationalitäten, ausführlich mit. Ich gebe hier die Aussprüche des gelehrten Reisenden in Bezug auf Juden. „Eine vierte Nation, die in der Türkei unter dem Scepter des Sultans lebt, bilden die Juden. Sie sind nicht allein Handelsleute, wie in Europa, sondern nehmen im Ganzen eine m mancher Rücksicht mehr geachtete Stellung ein. Wio die Armenier die Financiers und Bankiers der Türken sind, die Griechen ihre Secretare und Dragomane, so sind die Juden hauptsächlich im Besitz der Zölle. Sie haben nicht jenen europäischen Schacherjudencharakter, weil sie unter dem rohen unwissenden Volk der Türken nothwendig eine geistig höhere Stellung behaupten. Auch sie werden, je mehr der Sultan europäische'Cultur einführt, desto mehr ihrer Nationalität sich erinnern, und desto mehr sich aus dem Gemisch der Bevölkerung der Türkei als eine besondere Nation ausscheiden, deren Einheit anfangs in der Idee bestehen, bald aber vielleicht auch räumlich sich darstellen wird. Es giebt schon unter ihnen selbst und unter den Christen manchen, der eine Erneuerung des jüdischen Reichs in Palästina in nicht ferne Aussicht stellt. Auch diese erwarten vom Jahre 1840 Außerordentliches. Jedenfalls wäre billig, daß man bei Regulimng der orientalischen Angelegenheiten, welche den Christen in der Türkei neue Garantien geben muß, sich auch der Juden erinnere und kräftig annehme." Deutschland. VIren, 13. Jan. Der Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde, der als österreichischer Schriftsteller bekannte Joseph Wertheim er, hat vor ungefähr vier Monaten ein Schreiben cirkuliren lassen, in welchem er die israelitischen Bewohner hier zur Begründung und Stiftung einer Anstatt aufforderte, die den löblichen Zweck haben soll, hiesige jüdische Knaben zu Handwerkern heranzubilden, um dadurch auch in der ärmem Klasse Gewerbthätigkeit zu verbreiten und anzuregen. Der Aufruf, da er die reinste und edelste Absicht athmete, fand natürlich einen so dauernden Anklang und eine so rege Theilnahme, daß die für Juden unschätzbare Stiftung des Herrn Wertste i mer durch Subscripnonsbeitrage von Rothschild, Hoffwannsthal, Goldstern, Ted es ko und Anderen, namentlich durch die reichlichen Beiträge des Stifters, nun so weit gediehen ist, den kommenden Februar in Wirksamkeit treten zu können. Der Fond ist zur Genüge herbeigeschafft, der strebsame Wille und der Nachdruck wird nicht ausbleiben. Einen ausführlichen Bericht über diese zu erblühende Anstalt werde ich mit nächster Correspondenz für den Orient emsenden. Herr Wertheimer, der Stifter, ist als Bearbeiter der Schauspieldichtungen des Irländers Richard Brinsley Sheridan, als Verfasser einer Schrift über Erziehung, vorzüglich als Bearbeiter einiger