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Der Orient · 1840-01-11 · 2 (11.1.1840) · p. 28

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
2 (11.1.1840)
Article
Jeled Secunim, oder Kind des hohen Alters ...
Date
1840-01-11
Page
28 (sequence 3)
Language
German
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29 SelbMographie Ahrott Chomn's. 39 Geschrei beim Gebete, und das Aüöspucken im ALenu- Gebete. VI] 1. Das Anheften gewisser Talismane bei Fenster und Thüren in der Wöchnerinnen Zimmer. IX. Und daß ich die Trauung des Ehepaares aus dem Vorhofe der Synagoge in dieselbe übertrug u.dgl. m. Dem mir aus der Mischnah Abofc zum Wahlspruch genommenen Satzes: „Erdensohn! dir liegt es nicht ob, das „ganze Werk zu vollenden; aber du hast deswegen die Freiheit „nicht, dich derselben zu entziehen," getreu, gab mir das Bewußtsein etwas Gutes bewirkt zu haben Kraft, ihrem Treiben Gleichgültigkeit entgegen zu setzen, still und anspruchslos , nur vom Eifer der Wahrheit beseelt, wandelte ich ruhig auf der gewählten Bahn fort. Im Jahre 1803 gab ich in Prag mein ebräisches Werk timek ha-wSchara d. i. Versöhnungs-Thal, heraus, dessen 1. Abteilung betiteltRosch Amanah M. Prinzipien des Glaubens enthält -). Daselbst zeigte ich, mit Belegen aus der Schrift und dein Talmud, daß Zweck und Absicht der Offenbarung auf dem Berge Sinai lvar, daß alle Menschen einst von Zion aus die wahre Herrlichkeit des einzigen ewigen Gottes als Weltschöpfer und Weltregierer anerkennen, und in dieser Grundlage der geoffenbartcn Religion Trost, Seelenruhe und Tugendstarke, ohne Rücksicht auf die Verschiedenheit der Meinungen und Gebrauche in den äußern Religionszeremonien erlangen sollen. Zu lange schon hatte die Gluth unter der Asche geglommen, um nicht endlich in Flammen auszubrechen. Eine schwere Wetterwolke zog sich über meinem Haupt zusammen, und drohte mir gänzlichen Untergang. Mit mißverstandenem Eifer trat wieder der mährische Landrabbiner auf, und erklärte den Verfasser des ilosch Amanah als einen abtrünnigen Unheilstifter in Israel, werth aus der Gemeinschaft der Synagoge aüsgcstoßen zu werden. So entstand in der Araber Gemeinde selbst eine Spaltung, und die Zwietracht griff so weit um sich, daß einer meiner Widersacher am Buß-Sabbat (den 8. September 1804) wahrend ich in der Synagoge predigte, am Fenster derselben erschien nüb gegen mich Lästerungen ausstieß. Diesen Zeitpunkt rechne ich zu den merkwürdigsten meines Lebens. Ewig wird meine Seele Gott danken, der ihr damal die Starke gab, die Lästerung mit Geduld und Gleichmuth anzuhören, ohne Mich in der' Verrichtung der Berufspflicht stören zu lassen. Mehrere Anwesende in der Synagoge, gcreitzt durch diese Frechheit, fingen zu murren an, und wollten die Entweihung ihres Gotteshauses.und die Beschimpfung ihres Rabbi rächen. Wer aber kann dem einmal ausgebrochencn Sturm gebieten, wie weit cr um sich greifen soll? — Daher, als ich das Murren wahrgcnommen, um allen gewalttätigen Auftritten vorzubeugcn, ließ ich die Synagoge von innen verschließen; ruhig und mit duldsamen Geiste besänftigte ich die Gemüther meiner Zuhörer mit den Worten Davids (Psalm C1X. 28): „Unsere Feinde mögen fluchen, du o Gott! du segnest," und so setzte ich die Predigt fort. Die Lage der Dinge forderte diese Gelassenheit, diese kaltblütige Gleichmuth; doch war dabei mein Herz auf die empfindlichste Seite getroffen und tief verwundet. Ich, der immer 1) Lo Alecha ha-Melacha li-ginoi' etc. 2) Diese Abhandlung habe ich nun uitter dem Titel Hill el. Ofen, 1837, deutsch übersetzt hcrausgegebm. strebte, Eintracht und Friedensliebe in meiner Gemeinde zu erhalten, um dadurch das Gesammtwohl zu befördern, mußte jetzt mit Wehmut sehen, wie oie Zwietracht in derselben um sich griff,- ohne vorläufig zu wissen, wie diesem Uebel zu steuern fen Ich machte zwar zu diesem Behufe einen Versuch, indem ich mich an den Anführer meiner Gegenpartei, dem mährischen Landrabbiner bittend wandte, er wolle mir die Stelle im Rosch amanah zeigen, wodurch die Grundsätze der Religion gefährdet werden könnten, und im Falle ich davon überzeugt würde, sei ich bereit, das Werk öffentlich zu widerrufen, und es dem Feuer zu übergeben. Zugleich schrieb ich auch an die Vorsteher der Nicolsburger Gemeinde, bittend sie möchten ihren Rabbi dazu bewegen; allein auch diese Bemühung blieb erfolglos, ich erhielt weder von diesen noch von jenen Antwort. Da dieses Mittel zur Wiederherstellung der Ruhe und des Friedens nichts fruchtete, unternahm ich eine Reise nach Altofen, um den Oberrabbi daselbst, N. Moses Münz zu ersuchen, das beseligende Amt eines Vermittlers und Friedenherstellers zu übernehmen, und dieser schien meinem Ansuchen gern zu willfahren. Er entwarf einen schriftlichen Aufsatz des Inhalts: Ich, Moses Münz, habe das von 2t. Chorin herausgegebene Werk Rosch Amanah durchgelesen, .geprüft, und nichts Anstößiges wider die Religion daselbst gefunden, u.s. w. Diesen Aufsatz gab cr seinem Secretär ins Reine abzüschreiben und mir einzuhändigen, indem er noch die Versicherung hinzu, fügte, daß er am bald folgenden Pesther - Markt, wo, wie gewöhnlich, meine Gegner von Arad nach Pesth kommen, dieselbe zu sich bestellen, und nicht nur den erwähnten Aufsatz in ihrer Gegenwart eigenhändig bestätigen, sondern aufs sorgfältigste sich bestreben werde , eme vollständige Aussöhnung zu bewerkstelligen. Daß diese srundschastliche Aufnahme eine geheuchelte war, um mich in eine mir gelegte Schlinge zu locken, zeigte der Erfolg, Am 1. September 105 ließ mich der Altofner Rabbi zu sich kommen. Ich fand daselbst schon drei meiner Gegner von Arad, nebst den Avzadcr Rabbi und dessen Schwiegervater, dem Iam.beker Rabbi1 2 3). Aus meine Frage, zu welchem Zwecke die Anwesenheit dieser beiden, mir fremden undunbekannten Männer sey, antwortete der Altofner Rabbi, daß er diese Rabbinen berufen, um ein competmtcs Gericht zu bilden, und da es schon spat am Abend sey — setzrc er hinzu — ist seine Meinung: daß die Parteien ein Compromiß unterschreiben sollen, daß sie diese drei Rabbinen als Schiedsrichter wählen und deren Ausspruch als Endurtheit anerkennen wollen. Nur dir o Gott! nur dir, der du das Herz und die Gedanken durchforschest, ist die empörende Empfindung bekannt, welche sich meiner beim Anblick dieser stch mir aufgedrungcnen Richter bemächtigte, mein ganzes Wesen war erschüttert. Der Altofner Rabbi strebte zwar, sich in seinem Benehmen gegen mich freundlich Zu zeigen; die andern zwei Rabbinen aber konnten ihre Schadenfreude kaum verbergen, die nur als zu deutlich auf ihren Gesichtern zu lesen war". (Fortsetzung folgt.) 3) Eigentlich, da der Iambeker R. Schwiegervater des Avzader R. war, durften sie nichl zusammen als Richter im Gerichte sitzen, ein gesetzliches Urtheil zu fallen (Choschen Misch pat VII. 3. item XXXI11 3). Ab er Gesetz und Recht mußten der Rachsucht Platz raumen.

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