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Der Orient · 1840-01-11 · 2 (11.1.1840) · p. 27

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
2 (11.1.1840)
Article
Jeled Secunim, oder Kind des hohen Alters ...
Date
1840-01-11
Page
27 (sequence 2)
Language
German
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28 •ei Ahron Chorin: das Kind des hohen Alters. durch diese einfachcii Greisesworte einen tiefen: Blick in die Culturzeschichte der Juden seit SV Jahren werfen können, so wird es mir das Publicum gewiß Dank wissen, wenn ich diese in ihrer ganzen 2tusdehnung hier mittheile.. „Höret die Worte eures Bruders,, eines 73jährigen Greises/ am Ende seines amtlichen Iubilats-Iahres. Mit des Propheten Samuels Worten (Sam. XU.) kann ich mit aller Bescheidenheit sagen: Ich bin alt und grau; hier bin , ich.; zeuget wider mich: wer unter euch kann austreten und mich der UebertreLung oder auch der Nichtachtung eines der Ritualgesetze des Talmuds anschuldkgen? Daß ich von vielen meiner Collegen verfolgt worden bin, — höret die Veranlassung hiezu und urtheilet selbst. - Die entscheidende Epoche meines Lebens, die Feststellung meines Berufes, trat im Mai 1789 ein, als ich die Rabb'inenstelle zu Arad übernahm. Die Gemeinde war damals klein, unansehnlich; in Hinsicht auf Bildung sehr zurück; sogar ihre ökonomische Verwaltung war so vernachlässigt, daß sie weder Protokollnoch Amtsbücher für Einnahmen und Ausgaben hatte. Dieser erbärmliche Zustand der Gemeinde war es, der mich bewog, die Notarstelle, auf einige Jahre zu versehen bis 1803, wo die Gemeinde schon im Stande war, einen Notar zu besolden. Eknsehend, zugleich schmerzlich fühlend, daß die niedrige Stufe der Geistesbildung meiner Religionsgenossen, denselben viele Hindernisse in den Weg legt, mit den Erfordernissen der Zeit fortzuschreiten und der bürgerlichen Gesellschaft o h n e Verkürzung der väterlichen Religion — sich zu nähern, machte ich es mir zu einer meiner heiligsten Berufspflichten, die schädlichen Mißbrauche, welche sich eingeschlichen, aus dem Wege zu räumen. Vorzüglich war mein Streben, den so sehr vernachlässigten Gottesdienst zu reguliren, und das Erziehungswesen den Erfordernissen der Zeit gemäß herzustellen, die Jugend nach Maßgabe ihrer verschiedenen Fähigkeiten, Anlagen und Neigungen, zu wissenschaftlicher Ausbildung oder zur Betreibung verschiedener Professionen vorzubereiten. Und — Gottlob! entspricht nun der Erfolg meinen Bestrebungen.. . Die Araber Gemeinde , welche nun zu den mittelmäßigen zu zählen ist, besitzt nun einen.stabilirten Fond, hinreichend eine Haupt- und Elementarschule (w e lch e a uch d u r ch d i e alle rhöch/t e Gnade Sr. Majest ät Kaiser Ferdinand 1. c r e i r t i st), zu unterhalten, worin vier Lehrer und ein Gehilfe den Unterricht in der Hebräischen, (Religions-), ungarischen (Vaterlands-) und deutschen (der ausgebreiteten, oster. Geschäfts-) Sprache, Um Schön- und Nechtschreiben, Rechnen, Geographie und Geschichte, vorzüglich in der Religion und Sittenlehre auf eine musterhafte Weise ertheilen. Daher sind aus der Mitte dieser Gemeinde schon im Jahre 1831 acht und siebzig Individuen hervor gegangen, die verschiedene Handwerke betreiben. Ferner mehrere , welche sich den, den Israeliten erlaubten Berufs - Wissenschaften gewidmet haben, von denen sich einige als Medicina Doctores und Wundärzte einer, ausgebreiteten Praxis erfreuen. Dieser von Rabbinen. noch nie eingeschlagene Weg zur Beglückung der seiner Leitung von. der göttlichen Vorsehung anvertrauten Gemeinde, das Seltene, noch, wenig Gehörte, zog endlich die Aufmerksamkeit der Rabbitten auf mich. Ein anderes Wirken , ganz einen, andern Zweck nahmen sie wahr, der mit ihren Begriffen von ihrem Stande nichts weniger . als übereinstimmte. / Neid, und ibre Tochter, die Versolgungssucht waren es, zu. welchen sie 'ihre Zuflucht nahmen. Weder Verläumdung noch Schmähsucht noch feindselige und hämische Kritik wurden gespart, um mich beim gemeinen Haufen anzuschwärzen. Doch da sie wider mein religiöses und sittliches Betragen nichts aufbringen konnten, wagte es auch keiner derselben, öffentlich gegen mich aufzutreten. Im Jahre 1798 ergriffensie eine Gelegenheit, mich der Uebertretung eines mosaischen Gesetzes zu zeihen, und mich als einen abtrünnigen Ketzer zu verschreien. Seit dem Jahre 1782 nämlich wurde, zufolge der von den damaligen Temeswarer Rabbinen Hirsch Levy an den hochberühmten Oberrabbinen zu Prag, R. E. Landau, gestellte Frage eine Gattung Fische, Stöhr genannt, (siehe Blöchs Naturgeschichte der Fische, 1. Theil, Seite 72) als eine zum Genüsse erlaubte Fischgattung erklärt, und von den Israeliten-im Banate und in allen Gegenden Ungarns, wo dieser Fisch vorhanden ist, genossen. So lange diese erwähnten Rabbinen lebten, wagte es Niemand, diese Erklärung zu rügen. Da aber der Prager Oberrabbiner schon im Jahre 1793, der Temeswarer im Jahre 1797 in eine bessere Welt hinübergegangen sind, traten viele Rabbinen auf, an deren Spitze der Landrabbine Marcus B e n e-d i c t stand, und erklären unbedingt, daß der Stöhr unrein sei, d. i. nicht zum erlaubten Genüsse gehöre. Sie bedienten sich sogar einer Lüge, als hätte der Temeswarer Rabbi einen falschen Bericht von der äußern Form dieses Fisches gemacht, den Prager Oberrabbi getäuscht, und die Erlaubniß erschlichen; sie forderten auch mich auf, ihr Vorhaben zu bestätigen. Die Entstellung der Thatsache, die Verläugnung der Wahrheit, die Beschimpfung und Verläumdung meines verklärten Freundes des Temeswarer Rabbiners ging mir nahe ans Herz. Ich entschloß mich, ungeachtet meines sehr beschränkten Einkommens, der Wahrheit und Rechtfertigung meines Freundes ein Opfer zu bringen. Zu diesem Behufe gab ich auf eigene Kosten ein Merkchen, betitelt 'HDN1 (b. i. Worte der Freundlichkeit) heraus (Prag, 1798), woselbst ich die .Ehre meines Freundes und die Nichtigkeit des rücksichttich dieses Fisches vom Prager Oberrabbinen gefaßten Unheils vertheidigte, und verbreitete es unentgeltlich unter Israel. . Einer meiner Gegner sammelte Briefe von mehr denn 40 Rabbinen, die nichts weniger als Vernunstgründe und Argumente aus dem Ceremonialgesetze, sondern blos heftige Tiraden gegen mich enthielten, in welchen sie mich und alle Israeliten, welche vom Stöhr genießen, mit dem Anathema bedrohten. Dieses veranlaßte mich , zu meiner - eigenen Vertheidigung eine zweite- Abhandlung mit Namen d. i. Schuppenförmiger Panzer (Prag, 1799) heraus zu geben, in der ich die Art und Weise, wie meine Gegner die Wahrheit zu entstellen trachten, wie sie in ihrem Eifer zu Unwahrheiten ihre Zuflucht genommen, auf eine eben so freimüthige als überzeugende Weise dargethan, so daß hiermit dieser Federkrieg ein Ende nahm. Doch -unterließen meine Gegner nicht, immer noch Gelegenheit zu nehmen, mich, auf was immer für eine Weise sie nur konnten, anzufeinden, besonders bei meinem Streben, Mißbrauche aus dem Tempel Gottes und aus den' Jsraelitenhäusern zu verbannen, wie z. B. I. Die kabbalistischen Gebetsformeln beim Schofarblasenam Neujahrsfest, beim Duchan und bei II. Die Veränderung des Krankennamens beim öffentlichen Gebete um dessen Genesung. III. Das'Kaparot-Umschlagen am Vorabende des Versöhnung stages. IV. Das Verwahren vor Tekufa. . V. Den Kol - Nidrc - Gesang am Vorabende des Versöhnungstages. VI. Das llaman-Klopfen am Purimseste. VII. Das äußerst unanständige Schaukeln und das lärmende

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