Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 2 (11.1.1840)
- Article
- Amerikana
- Date
- 1840-01-11
- Page
- 24 (sequence 3)
- Language
- German
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Amerikana. Die jüdischen Schriftsteller über Amerika. 26 25 dem er seine eignen Gründe für die Möglichkeit einer transatlantischen Welt angeführt, erzählt er hinterdrein ihre Entdeckung durch portugiesische Schiffe, deren Führer ec gar nicht nennt, und beschreibt Amerika, über.das er noch sebr übel berichtet war, als ein Land des Goldes, der Kannibalen und der-Hurerei.") Noch größern Undank erfahrt der unsterbliche Genuese in der Chronik der Könige von Frankreich, welche der Landsmann Farissol's, Zosef ha-Kohen aus Avignon, 1554 vollendete. Der jüdische Chronist, den Basnage für den größten Deschichtschreiber seiner Nation seit Josephus Flavius erklärt (ein Lobspruch, . der einen nicht geringen Tadel involvirt), er beginnt den zweiten Theil seines allerdings in dem lieblichsten Style geschriebenen Chrcnikon's mit einer Relation der portugiesisch - spanischen Entdeckungsreisen und damit verbundenen Eroberungszüge gegen Ans. des 16. Jahrh.: „Es war ein Mann im spanischen Castilien, Namens Americo, der hatte ein großes Schiff, welches er wohl verproviantiere u. s. w." Dies ist Am erico Bespucci, der Florentiner, der 1504 seine letzte Reise in die neue Welt beendigte. Dieser ist nach Josef Kohen der Entdecker Amerika's, von dem es auch den Namen hat; des Columbus geschieht gar keine Erwähnung. Peru und Calobocana waren die ehemaligen Namen der von den Spaniern sogenannten Mondo Nuevo. Die ganze Erzählung ist fabelhaft, und der Geschichtschreiber verbirgt unter dem Schmucke der Rede seine historische Unzulänglichkeit. Die Dibre Ha-Jamim des Franzosen, so wie ein größeres christliches Geschichtswerk, benutzte in seinen Berichten über die Entdeckung Amerikas David Gans aus Prag (st. 1613.), der Zeitgenosse und Studienfreund des 1601 zu Prag verstorbenen Tycho de Vrahe, Verf. des 1592 zu Prag erschienenen Geschichtskalenders Zemach David. Zum I. 1494 referirt er: Es war ein Mann in Genua, Namens Columbus, ein philosophisch gebildeter und sehr weiser Mann; dieser legte dem König Ferdinand von Neapel seine Gründe vor, daß wegen der über das Weltmeer in der Richtung von Westen nach Osten kommenden Passatwinde nothwendig weiter nach Westen ein Festland sich finden müsse. Der König Ferdinand sandte ihn zur Auffindung desselben aus, er ging in See und entdeckte die Novo Mondo." Und zum I. 1533: „Americo, ein tapferer Kriegsmann, zog Leute an sich, die nichts zu verlieren hatten, ging in See, um Beute zu suchen, aber ein heftiger Sturm trieb sie^ so weit vom Continente ab, daß sie den nördlichen Polarstern ganz aus dem Gesichte ver- 7) Wie sehr die Aufklärung worsch reitet, sieht man daraus daß im Jahrg. 1826 der Bikkure ha -Jttim einige Lieder der Nadowossier. eines Jndianerstammes in Nordamerika, sogar ins Hebräische übersetzt sind (von B. Schönfcld), um das Natürliche und zugleich Göttliche der Poesie zu beweisen. loren. Nach vielen Tagen fanden sie die neue Welt, die nach dem Namen Americo's America genannt wurde bis auf den heutigen Tag. Nach Josef ha-Kohen geschah dies im I. 1520, und Henricus (f. 257), ein christlicher Geschichtschreiber, erzählt, daß diese Entdeckung im I. 1494 durch Columbus aus Genua gemacht worden sei." Man hätte erwarten sollen, daß die neuen Uebersetzer des bekannten Campe'schen Kinderbuchs in literargeschichtlichen Vorreden die Zeugnisse der jüdischen Geschichtschreiber und ihre Quellen einer kritischen Prüfung unterwerfen würden. Aber diese Uebersetzungen haben nur den Zweck pädagogischer Belehrung und oratorischer Belustigung. Der erste Uebersetzer des Werkes von Campe über die Entdeckung Amerika's ist Moses Mend e lso h n (nicht der apotheosirte Philosoph) in Hamburg, der im I. 1807, angespornt von Naftali Wessely und Campe selber, unter, dem Titel HEHnn pttn das erste Buch, Colombo betitelt, zu Altona herausgab. Die zwei andern Bücher sind nicht erschienen. Alle drei aber, Colombo, Cortes und Pizarro, erschienen in einer neuen Uebersetzung 1823 zu Wilna< von Mordechai Ginsburg. Beide sind nett stylisirt; doch gehört der zweiten ohne Zweifel der Vorzug. Franz Delitzsch. D'OlpT oder Kind des hohen Alters. Herausgegeben von Ahron Chorin, bei Gelegenheit seines Rabbinats-Jubilaums. Mit einer Einleitung, „die Reform des rabbinischen Ritus auf rabbinischem Standpunkte,^ von Leopold L öw. Wien, 1839. 8. Unter den unzähligen Broschüren der neuen schreibseligen Zeit habe ich keine gefunden, die unbefangene und vorurtheils, freie Gemüther mehr anzusprechen und anzuregen geeignet ist, als diese kleine Schrift von Chorin. Ohne das geringste publicistische Talent, ohne Sinn für" Wissenschaftlichkeit, spricht darin ein Greis am Rande seines Lebens zu uns, und doch fesselt diese Sprache uns mehr, als die kalte Dialektik der erwachten jüdischen Wissenschaft. Es liegt etwas ergreifendes in der besonnenen und prophetischen Mahnung eines greisen Tulmid Chach am, und wenn.erst, wie bei Chorin, ein solcher Greis uns fein fünfzigjähriges bewegtes Leben vorführt und die tausend Wünsche und Hoffnungen uns enthüllt, so hört eine strebsame Jugend ihm gern lauschend zu. Wer die schauerliche Geistesnacht gesehen, wie sie mit ihrem dämonischen Flügelschatten noch vor Jahrzehnten die Gemeinden Ungarns umhüllte, der wird mit ehrsürchtender Liebe sich das Bild Chorin's beschauen und sein Kämpfen und Ringen zu würdigen wissen. CHörings Leben ist ein trefliches Spiegelbild der schmerzensreichen geistigen Gährung seit einem halben Jahrhundert; er war in Oesterreich der erste, der mit eisernem Willen seine Stimme gegen den verknöcherten RabbinismuS erhob und jene heilige Begeisterung für Vermittelung und Aussöhnung des Judenthums mit dem Leben kann das jungt nachwachsende Geschlecht zur Nacheiferung anfeuern. Herr Chorin spricht (S. 35) ein Wort an die Gemeinden Jsrael's, niedergeschrieben am Vorabend seines 74. Geburtstages, und da wir