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Der Orient · 1840-01-11 · Heft 2 (11.1.1840) · p. 13

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 2 (11.1.1840)
Article
Triest [Nachricht]
Date
1840-01-11
Page
13 (sequence 3)
Language
German
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13 hat, außer einer wohlgeordneten Brüderschaft für gute Werke ferner einem Verein, welcher zum Zweck hat, arme Kinder umerzublüngen und zu versorgen, und einer gegenseitigen Unterstühungsgesellschast, genannt Vt hxr bestimmt die Gemeinde noch jährlich 7/000 st. für Wohlthätigkeit, und wählt eine Commission, die den Wittwen und Dürftigen Beistand zu leisten, Armen zur Miethe beizusteuem und die jungen Leute, welche sich dem. Handwerk und der Kunst widmen, ordentlich und außerordentlich zu belohnen, auch zu beaufsichtigen hat. Diese Ermunterung zum Handwerk ist hier besonders wichtig in einer Stadt, wo der leichtere Gewinn, den der Handel gewahrt, die Jugend gar zu gern verführt und von Studien und Handarbeit ablenkt. Die Gemeinde ist, wie man sieht, in ihrer Verwaltung nicht sparsam, und wenn man die Gehalte der Beamten und das sehr gut besoldete Rabbinat mit cinrechnet, darf man ihre jährlichen Ausgaben auf etwa 30,000 st. veranschlagen. Der Rabbiner, Herr Sabbato Graziado Treues aus Asti, welcher für einen guten Prediger gilt, unterrichtet fünf arme Zöglinge in hebräischer Literatur. Diese werden bis zu vollendeten Studien von der Gemeinde unterhalten, und können dann als Lehrer und Vice-Rabbiner angestellt werden; die eigentlichen Rabbinen dürfen künftig nur, und zwar nach der Wahl der Gemeinde, und unter Bestätigung von Seiten des Guberniums, aus dem -Collegio llabbinLco zu Padua genommen werden. Aus dem Gesagten erhellt, wie sich diese Gemeinde fast nur aus Fremden, Deutschen und Italienern, gebildet habe, welche durch die Milde der Regierung, durch die zum Handel. günstige Lage der Stadt und endlich auch durch die Freundlichkeit der übrigen Bevölkerung hierher gezogen. worden. Man hat hier nicht eigentlich Gelehrte und Künstler zu suchen, wohl aber Kaufleute» Sie verdient aber als solche besondere Auszeichnung, und steht auch in Ansehen. Unter 74 geschworenen Sensalen sind 18 Israeliten; von den 40 Mitgliedern des Börsenrathes sind ihrer 6; von 20 Assecuranzgesell schäften,>die sie großentheils errichtet haben, werden die meisten von ihnen dirigirt; in der großen Dampfschifffahrts-Gesellschaft ist Marco P a r e n t e Vice - Präsident; in dem Central-Magistrat für Sanität sitzt mit beruhender Stimme dessen Bruder Aron Parente, welcher auch der erste Israelit war, welcher 1815 zu dem ehrenvollen Amte, eines Börsendeputirten ernannt und von der Hof- Kammer bestätigt worden; in einem neuen, vom k. k. Gnbernium eingerichteten Municipalrath haben drei Israeliten Sitz; in einer Gesellschaft für National-Industrie, welche eben jetzt von dem Erzherzog Johann errichtet ist, ward als einer der beiden Directoreu von S. K. 5?. selbst der Großhändler Mattio Coen ernannt. Mau sieht demnach, wie die Triester Israeliten mit achter Treue und wahrem Patriotismus bemüht sind, das Vertrauen der höchsten Behörden und die Liebe ihrer Mitbürger zu verdienen." Deutschland. Berlin, 23. Dec. Die Ausgsb. Allg. Jtg. theilt bei Gelegenheit des Berichtes über die Bürger-- rechtsertheilung an Dr. Geiger einen langem Artikel, datirt 16. Dec., von hier aus mit, in welchem sich eine so absichtliche und judmfeindliche Verdrehung und Verkennung der israelitischen Zustande und Rechtsstellung in Preußen und in den Nacharstaaten ausspricht, daß ich es für nochwendig erachtenden Lesern dieses Blattes diesen Artikel in seiner Ausdehnung hier mitzutheilen, mit einigen wenigen Erläuterungen und Bemerkungen, so weit sie den Leser in dm Stand setzen, die Absicht jenes Correspondenten zu errathen. Durch die strenge abgeschlossene Büreaukratie von der Kenntniß dec Innern Zustande abgehalten, zeigen sich namentlich die Berliner Correspondenten so unwissend in dem Rechtsgange des Staates, daß von vorne herein schon Keiner Zutrauen hat, und wenn erst noch die gemeine märkische Judenantipathie hinznkomwt, so weiß gewiß jeder Leser, wie er daran ist, wenn auch die Dialektik und die Beweisführung noch so. einschmeichelnd ausfällt. Hier der Artikel und meine Bemerkungen. „Einige Aenderungen in den rechtlichen Verhältnissen der Juden in Preußen sotten bevorstehen, mindestens wird im Staatsministerium darüber verhandelt. Die öffentliche Meinung scheint ihrer bürgerlichen Gleichstellung mit den Christen im Allgemeinen geneigt zu seyn." Schon seit Jahren haben preußische Jntelligenzverkünder ausgesprengt, daß eine allgemeine Bürgerwerdung der Juden bevorstehe, und doch wissen wir bis jetzt nichts davon. Die gesetzlichen Hemmnisse gegen Kultusverbesserung, die Ansi'nnungen so mancher Lastigkeiten, geben hinlängliche Beweise des entgegengesetzten wirkenden Geistes. In Sachsen hat ein jüdischer Geistlicher, den eine Gemeinde 'aus dem Auslande berufen, kein Bürgerrecht gebraucht, noch weniger ein Jahr darauf warten müssen. Freilich wurden in vielen Städten Juden als Stadtrathe und Stadtverordnete gewählt, aber das vorgeschriebene Staatsrecht drängte die gemeine bürgerliche Gerechtigkeit aus Vorsorge sür die Juden zurück. Gewiß ist der Umstand ein Beleg für die Verhandlung im Staatsministerium, daß den jüdischen Handwerksgesellen der Eintritt in die preußischen Staaten und das Arbeiten bei Meistern gestattet wurde, oder daß den Juden die Erlaubniß gegeben wurde, ihr Geld zu einer jüdischen Facultät geben zu dürfen, da doch Preußen als intelligenter 'christlicher Staat einmal jüdische Gelehrte ungetanst nicht verwenden kann. Das humane Verhandeln im Staatsministerium über unsere Verhältnisse bezeugt sicherlich am lautesten das Bestreben Preußens, durch seine

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