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Der Orient · 1840-01-11 · Heft 2 (11.1.1840) · p. 12

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 2 (11.1.1840)
Article
Triest [Nachricht]
Date
1840-01-11
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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12 Die letzte der genannten Städte möge den Cyklus der Berichte eröffnen, und eine historische Relation über die Gemeinde zu Triest, wie sie die I. A. jüngsthin gegeben, möge hier mit einigen Abänderungen seinen Platz finden. „Aus alten Chroniken erfahren wir, daß schon im zehnten Sacutum Israeliten zu Triest wohnten. Ein vorhandenes Aktenstück, eine Notar-Bescheinigung, gezeichnet 21. Febc. 949, giebt an, daß David Daniel, ein. Färber, dem Bischof und Herrn dieser Stadt 46,081 fl. geliehen hatte; und als einige Zeit nachher die Stadt vom Volke regiert ward, so. wurde ein Zsraelite zum Banchiere des Gemeinwesens mit vielen Privilegien ernannt. Jndeß hat man keinen Leichenstein gefunden, welcher über 1325 zurückginge. Im siebzehnten Jahrhundert wurde hier Emanuel Porto geboren, der Verfasser mehrerer mathematischen Werke, wovon eins dem Kaiser Ferdinand lll. gewidmet ist. Es scheint, daß erst 1694 sich so viel Israeliten hier einfanden,, um eine kleine Gemeinde zu bilden, indem erst in diesem Jahre von Kaiser Leopold I. ein Bezirk für die Israeliten (Ghetto) angewiesen ward. Später ward vermöge Decrets Joseps I. eine Synagoge eröffnet. 1747. wurden die ersten Gemeinde-Statuten entworfen und von der kaisert. Regierung bestätigt. Sobald die Israeliten sich des höchsten Schutzes. erfreueten und als Triest zum Freihafen erklärt ward, zeigte sich auch hier, wie an andern Orten, ihre Thätigkeit in ihrer ganzen Ausdehnung. Im Jahr 1756 errichtete einLuzzatto eine Lederfabrik, 1759 Raffael Marsilio eine Papierfabrik; 1760 ward Marco Levi, wegen seiner treuen Dienste und großen Einsichten zum Hofagent Ihrer Majestät Maria Theresia ernannt; 1771 gab diese Kaiserin den Israeliten viele Privilegien, als Zeugniß, wie das kaiserl. Decret besagt, ihrer Zufriedenheit über ihre Mitwirkung zum Emporkommen der aufblühenden Stadt. Sie ernannte in der Folge zum Hoffactor Joachim Hirschel, Großvater -des jetzt lebenden Mose Hirsch e l, welcher für den reichsten und wohlthätigsten Mann in', der ganzen Stadt gehalten wird. •—■ Mit Joseph ll. ging ihnen 1780 eine, neue Sonne auf; israelitische Normalschulen wurden eröffnet; es ward ihnen vom. Kaiser, was bisher nicht statt fand, erlaubt, die Hochschule zu besuchen; sie wurden für fähig erklärt, als Börsendeputirte zu fungiren, und das Ghetto ward aufgehoben, selbst dessen. Name abgeschafft. So klein auch die Anzahl der Israeliten damals noch in. dieser Stadt war, so 'waren sie doch die Ersten, welche den weisen und verständigen Vorschlägen des Na ft all Wessely zur Besserung des Erziehungswesens Gehör gaben, indem sie 1782 eine? Talmudschule nach den Grundsätzen dieses würdigen Mannes errichteten. Gleichzeitig bereicherten die Israeliten, welche man mit Unrecht beschuldigt, nur für den Kleinhandel Sinn zu haben, die Stadt mit vielen Fabriken. Isaak Curie l errichtete 1787 eine, in riner Hafenstadt so nöthige Pechfabrik,'1808 errichtete Anselmo Finzi eine Seifenfabrik, welche jetzt so sihr sich ausgedehnt hat, daß sie den Titel Nationalfabrik mit vielen Privilegien erhalten; 1816 entstand die Fabrik von ■Crernor Inrlnri unter der Firma Coen e Finzi. In den letzten dreißig Jahren hat sich die israelitische Bevölkerung ungemein vermehrt und an Wohlhabenheit und schönen Anstalten ebenfalls zugenommen, so wie auch einen bedeutenden commerziellen Einfluß gewonnen. Die Gemeinde, welche in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus etwa 20 Familien bestand, zahlt jetzt über 2,600 Seelen. ' Schon seit 1821 besitzt sie eine Normal-Hauptschule für Knaben, welche das Prädicat kaiserl. königl. Hauptschule führt, und eine Volksschule für Mädchen. In beiden Anstalten unterrichten geprüfte Lehrer und Lehrerinnen. Beide werden von der Gemeinde erhalten und kosten jährlich 4,200 fl. Die Zahl der Kinder belauft sich auf 150. Es war in demselben Jahre 1821, als der mm verewigte Kaiser Franz 8. verordnet, daß dm Israeliten seiner Staaten, wie bisher, gestattet sein solle, ihre Gebete in der alten hebräischen Sprache abzuhallen, weise hinzufügend, daß die Gebete gleichzeitig in die jedesmalige Landessprache übersetzt werden sollten. Damals war es ein Triester Israelit, und zwar kein anderer als der jetzt ziemlich berühmt gewordene Samuel David Luzzatto, welcher zur Zeit kaum das 4te Lustrum seines Alters zurückgelegt hatte, er war es, welcher durch die Uebersetzung den Gebete in's Italienische dem kaiserlichen Decrete auf ehrenvolle Weise entsprach. Die Gemeinde von Triest darf darauf stolz sein, ihren Landsleuten einen solchen Mann gegeben zu haben, der durch philosophische Untersuchungen, vortrefflche Verse und ausgezeichneten Unterricht in der Rabbinenschule zu Padua die hebräische Literatur in Italien so sehr gehoben hat, .und es.nicht zuließ, daß die nicht-israelitischen Golehrten sich rühmten, für unsere Literatur mehr zu leisten als wir selbst. Verschieden von dieser Schule ist die Anstalt für Religionsstudien, welche der Ritter Abraham Cologna, Rabbiner hieftlbst 1827 bis 1832 erneuerte und vortrefflich ausstattete; eine Schule, wo Bibel und Traditionswerke nach philofophischer und rationaler Methode gelehrt werden.- Sie kostet 3,000 fl. jährlich. Es ist zu hoffen, daß aus dieser Schule die jungen Leute besser als bisher in der väterlichen Religion unterrichtet, und vielleicht aucb einige Gelehrte besser hervorgehen wer^ den; leider sind wir jetzt so arm in der hebräischen Gelehrsamkeit, daß kaum noch eine kleine rpw sich hält, und das mehr zur Erbauung weniger Frommen, als zum öffentlichen Nutzen. . Besser versehen sind die Wohlthatigkeitsanstalten, und die Freigebigkeit in dieser .Hinsicht erregt Erstaunen. Außer einem Hospital, welches schon 15,000 fl. Capital

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