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Der Orient · 1840-01-04 · 1 (4.1.1840) · p. 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
1 (4.1.1840)
Article
Bibliotheca Sussexiana
Date
1840-01-04
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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tj S. D. Luzzatto: Ueber die hebräische Berskunst. 6 den sowohl hier als zu Schirms in Persien in großen steinernen Krügen aufbehalten. Diese wurden zerschlagen und ihnen überdies noch mehr Schaden zugefügt. Der erwähnte Oeraki war 14 Lage vor unserer Ankunft zu Sana wieder auf freien Fuß gestellt, und der Imam hatte ihm, -wie die Juden sagten, 500 Speciesthaler geschenkt. Es war ein alter ehrwürdiger Greis und hatte viel Kenntnisse. Er kleidete sich, so wie die übrigen Juden in Jemen, blos in blauer Leinwand und hatte keinen Sa sch oder Lurban um seine Mütze; man versicherte auch, daß er sich nie anders gekleidet hätte, ob es ihm gleich von den Imams, bei denen er in Gnaden war, erlaubt war. Außer diesen von NLebuhr in seiner Reise S. 422 f. gegebenen Bericht, giebt er uns in seiner Beschreibung Arabiens noch manche interessante Notizen über die Juden in Sana. Das große Dorf, oder vielmehr die kleine Stadt bei Sana,, welche nur von Juden bewohnt wird und deshalb Kaa e(- Ihud heißt, führt sonst den Namen 'Oser (S. 232). Die jüdischen Vorsteher der Juden zu Sana und Maskat haben den Ehrentitel Scheich (S. 14). Die Juden zu Sana, erzählt er S. 421, pressen aus einigen Trauben Wein, ja sie konnten dies Getränk in einem so großen Ueberfluß haben, daß sie, wie die Armenier zu Schiräs, einen starken Handel damit treiben könnten. Allein die Araber scheinen größere Feinde von starken Getränken zu sein, als die Perser. Deswegen müssen die hiesigen Juden sich wohl Ln Acht nehmen, wenn sie nur etwas Weniges an ihre Glaubensgenossen in andern Städten schicken wollen, und wenn Jemand angetroffen wird, der Wein nach dem Hause eines Arabers bringen will, so wird er dafür scharf gestraft. Dagegen werden hier viele Weintrauben getrocknet und auswärts gesandt. Wein und Branntwein werden aufbewahrt in steinernen Gefäßen und von den sananatischen Juden aus Mangel an anderm Geschirr in kupfernen Gefäßen an ihre Brüder in Jemen versandt (S^56). Die Juden in Jemen, namentlich auch in Sana, essen die Heuschrecken (gar ad) ebenso gerne, als die moslemischen Araber, und wollen daher behaupten, daß die Vögel, welche Gott den Israeliten in der Wüste gesandt habe, nichts anderes als Heuschrecken gewesen wären (S. 172). Ein cylindcischer Ofen wird mit Heuschrecken angefüllt; man läßt sie darin 8 bis 10 Stunden. Man kann sie, so zubereitet, ein Jahr lang als trokkene Speise erhalten. Vor vierzig Jahren grassirte in Jemen um Sana und anderswo eine mehrere Jahre anhaltende Hungersnoth. Heuschrecken verzehrten die Saaten, und sowohl Juden als Moslemen waren genöthigt, Heuschrecken zu essen — eine Speise, die sie dann beibehielten. Dies erzählt Forsk.ck aus dem Berichte Muri's, eines Juden in Mochha. Sonst erwähnt Niebuhr einen jüdischen Astrologen (Münedschim) zu Sana, und einen zum Islam übergetretenen iüb. Bedienten des Dola zu Mochha. — Es wäre wünschenswerth, daß Pettigrev über den Geschichtscharakter des Bibelmanuseripts aus Sana Etwas gesagt hätte. Auf jeden Fall ist es rabbinischen Ursprungs; denn die jemenischen Juden sind sämmtlich Rabbaniten und abgesagte Feinde der Karäer. Wenn noch alte Handschriften von der Bibel in Jemen übrig sind, so kann man sie wahrscheinlich nirgends als zu Zenaim suchen. Denn der vornehmste Sitz der Juden von Jemen war in altern Zeiten zu Zen arm in der Herrschaft Khaulan, wo sich noch jetzt einige jüdische Familien aufhalten, und auch Synagogen haben. Die Juden zu La äs und Sana versicherten mich, daß sie in Jemen von keinen älteren Handschriften, als von 4 — 500 Jahren gehört hätten. Die Bücher, welche ich bei diesen Juden gesehen habe, waren alle zu Amsterdam und Venedig gedruckt. (Schluß folgt.) Ueber die hebräische Berskunst S. D. Luzzatto. , Uebersetzt aus dem Italienischen von seinem Freunde. 1) Es scheint, daß die Poesie bei den alten Hebräern in sehr hohem Wecthe stand, und vielleicht in einem höheren, als bei irgend einem andern Volke. Der König David, nachdem er sich des erhabenen Titels eines „Gesalbten Gottes" gerühmt hat, glaubte eine solche Hoheit nicht herabzuwürdigen, wenn er damit den SM namen des „holdseligen Dichters" verknüpfte: „Der Gesalbte des Gottes Jakobs und der Israel-Lieder lieblicher Sänger" (2 Sam. 23, 1;). In der That sind gerade die erlauchtesten Personen unter den alten Hebräern zugleich die leuchtendsten Sterne der althebräischen Poesie. Solche sind Mose, David, Salomo, und der aus königlichem Geschlecht entsprossene Jesaja. Auch Debora und Hiskija, Sussetin die eine und der andere König, haben uns zwar wenige, aber unzweifelhafte Proben ihrer Starke in der Poesie gegeben. 2) Die Poesie war mit vollem Rechte bei den Hebräern in höherem Werthe, als sie es bei den Griechen und Römern war und bei jedem andern der modernen Völker sein mag, weil sie eben der freie und wahrhafte Ausfluß der Gefühle des Herzens und der lebendig durchdrungenen Ideen des Geistes war, wahrend die Poesie bei den Nationen Europa's eine künstliche Redeform ist, zu Gunsten akustischer Ergötzung unbequemen Gesetzen unterworfen, durch welche das Sprechen aus einen unbefangenen und natürlichen ein sklavisches und gefesseltes wird; mehr ein frostig ingeniöses, als lebenskräftig beseeltes; mehr ein regelrecht gleichförmiges, als nach dem Drange der Affekten. vatiirt. ’) Nachfolgende Abhandlung, die sich besonders über die metrorhythmischen Formen der hebr. Poesie des Mittelalters und der Neuzeit verbreitet, wurde mir vor schon geraumer Zeit, nebst kostbaren Beiträgen zu einer Anthologie hebr. Dichtungen, von Prof. Luzzatto in Padua, dem gelehrten, auch klassisch gebildeten Verf. mehrer hebr. Werke (unter andern des Philoxenus und der Gedichtsammlung st wie der „Prulegomeni ad un'a grammatica ragionata delia Lingua Hebraica (Padova 1836)." zugesendet, um sie im Original oder in Übersetzung zu veröffentlichen. Ich thue dies um so lieber, da ihr Inhalt ein weiteres Gebiet umfaßt, als das von Saalschutz (noch neuerdings Zeitung des Iudenthums 1838. August: in einem großen. Aufsatze über Musik und Poesie der alten Hebräer) durchsprochene rein conjecturale Thema. Uebrigens erscheint die Abhandlung Luzzatto's in ihrer ursprünglichen abgerundeten Form; auch die. Anmerkungen, die in der Folge Vorkommen werden, gehören dem Wer-: fasser, nicht dem Uebersetzer.

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