Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 1 (4.1.1840)
- Article
- Bibliotheca Sussexiana
- Date
- 1840-01-04
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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3 4 Bibliotheca Sussexiana. Beiträge zur jüdischen Kunstgeschichte. Muradgra d'Ohffon im 2. Khe-ile seiner „Allgemeinen. Schilderung des osmanischen Reichs." Die gewöhnlichen. Ausdrücke für Malerei im Arabischen sind: tasswir, nag sch, ziwllk (Metallmalerei). Mit letzterem Worte übersetzt Bochtor Arabesques, einen Begriff, für den es keine entsprechende arabische Bezeichnung giebt. Wie die Arabesken oder Moresken aus phantastischem Laub- und Blumenwerk bis zu den monströsesten Ausgeburten verbrannter Phantasie entarteten (die sogar wie die schrillendsten Satiren an die Wände der gothischen Dome angeheftet sind), so finden wir in den hebräischen und arabischen Handschriften einen Stufengang kalligraphischer Ornamente, in denen sich die technische Geschicklichkeit mit künstlerischer Phantasie verbindet, bis zu kecken historischen Skizzen und ausgeführten charakterhaften Gemälden, für die namentlich der bunte Inhalt der Machasorim^) den Stoff und die breiten Ränder ihrer Pergamene den Raum hergeben müssen. 2) Eine solche Machasor-Handschrift befindet sich auf der Leipz. Pauliner-Bibl., bezeichnet 862 b Ms. Sie besteht aus zwei breiten Foliobänden in größtem Format. Der Schreiber ist, wie das Ende des ersten Bandes zeigt (b"! DrjJD 1^2 p>O?), Josef bar-Menachem, augenscheinlich ein Deutscher. Anderswo giebt er sich den Beinamen Nakdan. Auf der letzten Seite steht ein Kaufcontract, datirt: Egglingen, den 25.. Schebäth 313 (1553). Der Codex enthalt prächtige buntfarbige Initialen, reich mit Gold geschmückt und mit barocken Sinnbildern in mittelalterlicher Weise ausgemalt. Unter den Seitendecorationen, die sich zum Theil auf den Textinhalt beziehen, zeichnen sich aus: Mose vor dem Felsen, Ester vor Ahasver, Haman am Galgen, die Entnehmung der Lora aus dem Aron, eine Mohrin reitend auf einem rothen Löwen rc. Die Tracht ist orientalisch, die Scenerie deutsch, die Gesichter sämmtlich carricaturmäßig. Auch das von mir in dem Catalog der hebr. Manuscripte der Leipz. Rathsbibl. unter Nr. VII. beschriebene Machasor ist ausgeziert mit blühenden Buchstaben, chimärischen Figuren, lächerlichen und fürchterlichen Carricaturen, theils nur mit der Feder gezeichnet, theils durch ein frisches und kräftiges * Colorit gehoben. Auch dieser Codex hat das cisrh manische Süddeutschland zum Vaterland, und ist dort wahrscheinlich im 15. Jahrhundert geschrieben. Aus dieser Gegend stammen die meisten pikturirten Manuscripte, und man erkennt deutlich den vorwaltenden Einfluß der gothischen Malerei und Plastik mit ihren charakteristischen Zügen der Härte, Steifheit, Magerkeit der Formen, des Mangels an Ebenmaß, der schweren Draperie, des grellen Farbentons rc., überhaupt der Unnatur. Sehr häufig sind die Bibelhand- schriften mit sigurirter Masora. So stellt ein werthvoller Codex zu Erfurt die Masora am Anfang eines jeglichen Buches sehr künstlich in allerhand Bildern von Thieren dar, so daß die Lineamente aus lauter hebräischen Buchstaben -bestehen. Auch Leusden in der Vorr. zur Amsterdamer Ausgabe des A.. T. gedenkt eines solchen, angeblich 1200 geschriebenen Cod., der die größere Masora in allerhand Figuren von Bären, Hunden, Ochsen und anderen Thieren enthalte. Nach M. Fr. Beck, der aus dem Erfurter Cod. zuerst das Targum zur Chronik herausgab (S. 132), Hatten die Juden sonderliche Ursachen, die Masora in Bilder zu setzen, unter andern die, daß sie sehr viel-auf die Thiersiguren hielten, mit denen die Paniere der Stämme gezeichnet waren (dies auch der Ursprung der'Thiernamen bei den Juden, s. Zunz, die Namen der Juden S. 50. 100 s.). In diesen symbolischen Thiersiguren ist auch wirklich die Masora gegen das Ende der Genesis im Erfurter Cod. ge- . schrieben. Es ist richtig, wenn Rich. Simon (Hut. Crii. V. T:!, 22.) bemerkt, daß die meisten dieser Handschriften in deutschen, französischen oder welschen Schriftcharakter geschrieben seien; aber grundlos, wenn er im Gegensatz zu Leusden behauptet, daß die Abschreiber diese Bilderschrift adoptirt hätten, um auf eine bequeme Weise ihre Fehler und Jrrthümer zu verstecken. Beiläufig erwähne ich hier die mit den Decorationen der Manuscripte in engem Rapport stehenden Stickereien der Vorhänge des Aron und der Tora-Gewänder. Daß man Thiersiguren in diese stickte, mag mit den Verzierungen des Tempels entschuldigt werden; man vergleiche die Ansichten Jehuda's und Nechunja's im Traktat Schekalim 8., nach denen und riKtyü nach der Art der eingestickten oder eingewirkten Löwen- und Adler-Gestalten differiren. Daß man aber vor dem Aron Tapezereien angebracht hat, welche die Bildnisse der drei Patriarchen (Abot), die Opferung Isaaks (Akeda) und andere Historiengemälde darstellen, ist wohl für eine durch mittelalterliche Einflüsse herbeigeführte Abweichung vom Gesetze zu betrachten. Einige interessante Notizen und Parallelen zur jüdischen Kunstgeschichte bietet Friedr. Münter in den „Sinnbildern und Kunstvorstellungen der alten Christen" und inden „kirchlichen Alterthümern der Gnostiker." Unter den gerollten Manuscripten zeichnet sich eine große Tora-Rolle mit damastenem Ueberzug und schönem Kasten aus, die auf braunes afrikanisches Schafledec (Basil) geschrieben ist und von Senna3) in Arabien nach Amsterdam, von da nach England gebracht wurde. Eine Ester-Megilla der Bibliothek ist in Schuschan geschrieben, im Monat Adar 1506, von Abraham Ben Mordechai aus Snfed. 3) Sana (&^) liegt in der Mitte von Jemen, landeinwärts, nördlich über Khaulan, in dem Amte Sanh an. Die Juden, erzählt Niebuhr, wohnen nicht in der Stadt Sana, sondern haben ein eignes Dorf Kaa el- Jhud, südlich und in der Nähe von Bir el-assab. Man rechnet ihre Zahl auf 2000. Man begegnet ihnen in Jemen verächtlicher, als in der Türkei. Indessen finden die Araber unter ihnen ihre besten Goldschmiede, Töpfer und andere Handwerker, welche des Tags in ihren Buden in der Stadt arbeiten und des Abends nach ihren Wohnungen zurückkehren. Einer mit Namen Oeraki hatte sich das Vertrauen zweier Imams erworben. Er hatte unter der Negierung des Mansor 13 Jahre vnd unter dem jetzt regierenden,Mässdi Abbe's, 15 I. lang die Oberaufsicht über alle Zölle, Gebäude und Gärten des Imams, d. i., eine der ansehnlichsten Bedienungen zu Sana. Aber 2 I.' vor unserer Ankunft m Sana war .er in Ungnade gefallen, und nicht nur ins Gefängniß geworfen, sondern, wie die Juden sagten, auch genöthigt worden, 50,000 Speciesthaler zu bezahlen. ' Zu eben dieser Zeit wurden den hiesigen Juden von 14 Synagogen 12'niedergerissen. Viele Häuser in diesem Dorfe warm so schön, als die Häuser der vornehmen Moslems zu Sana, und von diesen wurden alle, welche über 14 Ellen hoch waren, bis auf diese Höhe abgetragen und zugleich befohlen, daß kein Jude sein Haus höher als 14 Ellen bauen solle. Alle starke Getränke wer-