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Der Orient · 1840-01-04 · Heft 1 (4.1.1840) · p. 2

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 1 (4.1.1840)
Article
Palästina
Date
1840-01-04
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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2 Tyrus 150; in Sidon 3003 in Nablus (dem alten Sichem) fanden wir 200, und 150 Samaritaner. In den Dorfschaften Galiläa's kann die Zahl der jüdischen Bewohner 400 oder 500 betragen. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung Palästma's ist entschieden im Steigen begriffen seit 1832, als der Pascha von Egypten Besitz von Syrien nahm. In den zwei letzten Jahren jedoch ist der Zuwachs nicht so groß gewesen, und dies hat seinen Grund in den durch die Pest angerichteten Verheerungen, in dem erhöheten Preise der Lebensmittel, in den verwickelten Finanzen der jüdischen Communen und den Nachlässigkeiten ihrer Rabbinen. Es ist bekannt, daß in Europa vieler Orten an den Thüren der Synagogen Sammlnngen veranstaltet werden, zur Unterstützung der Wolksgenosien im heiligen Lande. Diese Collekten belaufen sich jährlich im Durchschnitt auf 2,800 Pfund. Jeder Jude im Lande, reich oder arm, hat nach einem jährlichen Aufenthalt daselbst einen ihm bestimmten, Antheil, wenn er anders Anspruch daraus macht. Die hauptsächlichste Ursache ihrer Rückkehr in dieses Land ist, neben einigen abergläubischen Annahmen, die Anhänglichkeit an das Erbe der Väter. Die palästinischen Juden sind sehr verschieden von den französischen und italienischen; sie sind altgläubig, durchdrungen von Sehnsucht nach Befreiung, und im Umgang mit Christen freundlich und zuthulich. Das ist nicht zu verwundern, wenn man bedenkt, daß sie von allen Moslemen wge Hunde betrachtet werden. Sie behalten die schöne Tracht ihrer Vater bei, und sind ein edel aussehendes Geschlecht, wenn man sie mit den unglücklichen Arabern vergleicht, die über dieses Land zerstreut sind. Fast alle jüdische Männer bringen hier ihre Zeit mit Lesen zu. In Jerusalem giebt es sechs Synagogen und 36 Lesecirket. Diese letzteren sind durch Individuen errichtet, die sich dadurch ein Verdienst für ihre Seelen zu erwerben hofften. Fünf oder sechs Leser, die ein geringes Salär haben, sind für einen solchen Cirkcl verordnet, von denen zwei oder drei stets zugegen sein muffen, um der gesetzlichen Talmud-Lectüre zu warten. In Sichar fanden wir die Felder bereits weiß zur Ernte. Wir brachten im Umgänge mit Juden und Samaritanern einen sehr angenehmen Vormittag zu. Wir besuchten die Synagogen der erstereu, und sahen die angeblich 3,600 Jahr alten Handschriften der Samaritaner. Die meisten Juden hierzu Lande sprechen hebräisch, und das viele von ihnen besser, als irgend eine andere Sprache. Das Hebräische, ausgesprochen nach spanischer Weise, ist das nothwendigste Vehikel zur Erkundung der jüdischen Zustände. Arabisch ist die nächst bedeutende heimische Sprache des Landes. Die Elemente muß man in Europa lernen und zwar je vollkommner, desto besser; Aussprache und Gebrauch kann man nirgend anders, als hier, erlernen. Auch Spanisch, Deutsch und Italienisch sind sehr nützlich; die zwei ersten im direkten Verkehr mit den Juden; die letzte als die gemeinsame Sprache aller Europäer dieses Landes. Talmud, Sohar und die Literatur der Kabbala sind die Haupterkenntnißquellen der hierländischen Juden. *) — Ein anderer Reisender, Mr. M'Cheme, giebt folgende Notizen: Der gegenwärtige Zustand der Juden in Palästina ist sehr interessant. Die divergirenden Nachrichten, die wir gewöhnlich über ihre Lage hören, sind sammtlich zum Theil begründet, wie man sich an Ort und Stelle überzeugt. Ihre Anzahl ist bei weitem geringer, als gemeiniglich berichtet wird, und wahrend der letzten drei Jahre haben sich weit weniger Ankömmlinge eingestellt, als wahrend der drei vorhergehenden. Nichts destowenigec ist es wahr, daß eine beständige Einwanderung derselben, wie gering sie auch sein möge, stattsindet. Aber sie sterben sehr jahling. Die Uebermacht der Pest, der Preis der Lebensmittel, der bei dem jetzigen Zustande des Landes sehr gestiegen ist, und die innere in Jerusalem herrschende Spaltung haben europäische Juden entmuthigt, neuerdings hierher zu kommen. Die hiesigen Juden treiben keinen Handel, mit Ausnahme der wenigen zu Tyrus, S.idon und Kaifa. Daher ist Armuth ein Grundzug. der jüdischen Bewohnerschaft. Es giebt wenige Reiche unter ihnen, und diese wenigen suchen ihren Wohlstand geflissentlich zu verbergen. Am traurigsten ist der Zustand der Juden in. den Städten und Flecken von Galiläa; sie find geistig vernachlässigt, ') Die erste Akademie der Studien zu Jerusalem fundirten Abraham Israel Wega und sein Bruder Jakob Bega. An dieser waren unter anderen die rühmlich bekannten Mose Galantha der Jüngere (st. 1689) und Jakob CHagis Lehrer. Dieser, der erste Rab der Vega'schen Akademie, ist Vater des bekannten Mose CH agis (Vers, des Or Kadmon, Vened. 1703. 12., Sefat Emet, Amst. 1707. 8. und mehrerer andern größtentheils zu Amsterdam gedruckter Schriften). Zu Hebron richtete Abraham Perera eine Lehrstätte ein in der Nähe der Makpela. Ich erinnere hier an zwei geschichtlich wichtige Briefe über den Zustand der Juden im Orient, von Jakob Wen Abraham an Ad. Audr. Cnollen (Unschuldige Nachrichten 1713. S. 438 ff).

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