Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Seine Jüdin [Rezension]
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau 87 Hat dies mit Rasse und Religion zu Lun? Herr Bartsch fühlt selbst, daß angesichts solcher Charakteristik seines Helden die Motivierung des ehelichen Zusammenbruchs mit den Gegensätzen der Rasse zu windig wäre. Und so verstärkt er diese Motivierung, indem Hebedich nach verlorenem Krieg zu einem gebrochenen, verbitterten Eigenbrötler wird und sich so der letzten Anziehungskraft auf seine Frau begibt, die bald bei einem italienischen Conte Trost findet, von dem sie glücklich feststellt, daß er „nichts von Rasse, Juden und Christen weiß und nichts hat als Menschentum" . . . Womit der Roman eigentlich zu Ende, seine Tendenz aber — zu zeigen, daß nur Gretes jüdische Herkunft an Hebedichs Eheunglück Schuld trug — arg geschwächt wäre. Weshalb sich Herr Bartsch rasch auf die ursprüngliche Absicht besinnt und eilig nochmals antisemitische Register zieht — diesmal jene, die jetzt für manche Ohren am kräftigsten und überzeugendsten klingen. Er läßt Hebedich ein altes Buch, den „Dolem Jeschu", wie er es uenut, zur Hand nehmen, ein Pamphlet auf Christus, von dem behauptet wird, es stamme aus der Zeit der Apokalypse, sei in Worms erschienen und eröffne erschreckenden Einblick in den geifernden Haß der Juden gegen den Erlöser. Wie stets, wenn Antisemiten nach dem altjüdischen Schrifttum greifen, greift auch dieser blamabel daneben und ergeht sich in gewissenlosen Fälschungen. Was Herr Bartsch den „Dolem Jeschu" nennt, soll wohl der „Toledoth Jeschum" sein, der nicht zur Zeit der Apokalypse, sondern im Jahre 1681, nicht in Worms, sondern in Altdorff gedruckt wurde. T)aß er eine christlichem Empfinden zuwiderlaufende Schilderung Jesus enthält, dürfte einen Geschichtskundigen wie Herrn Bartsch nicht wundern, der wissen muß, daß damals In« quisitionen und Scheiterhaufen notwendig auch Pamphlete gegen die Unterdrücker und deren Religion erzeugten, daß aber diese Pamphlete für den heutigen Juden nichts anderes sind als für den heutigen Christen: Historische Kuriosa. Herr Bartsch wird für sein Pamphlet kaum die Entschuldigungsgrünbe aufbringen, die man jenem verschollenen Autor in Mdorff zubilligen muß. Aus niedrigster Geldgier — also aus einer für ihn „jüdischen" Eigenschaft — hat er ohne Ueberzeugung, ohne Beweiskraft, ohne ethische Berechtigung dieses Buch geschrieben, mit dem er das volksfeindliche Gift des Judenhasses auch in Kreise trägt, die bisher nicht infiziert waren, da sie sich vom Schmutz des antisemitischen Radaupöbels ebenso fernhielten, wie von den verlogenen Konstruktionen judenfeindlicher Wissenschaftler. In Kreise, in denen man die Bücher Rudolf Hans Bartsch' bisher mit dem Glauben entgegennahm, einem ehrlichen Künstler, ja einem Dichter zu begegnen und in denen man ihn nun als verächtlichen Handlanger. jedes rüden Antisemitismus erkennen muß, von dem einer feiner Landsleute zur Zeit LuegerZ richtig bemerkte, er sei „die Politik des. dummen Kerls". Ernst G oth. A n t o n K.u h s Werk „Juden und Deutsche", erschienen im Verlage von Erich Reiß in Berlin (Preis 18.— M.), erregte großes Interesse bei denen, welche von seinem Erscheinen hörten. Die Enttäuschung war allgemein. Das Buch ist geistreich, verliert sich aber in wesen- und grundlosen Erwägungen, ohne auch nur das geringste zur Frage selbst zu sagen. In der Martin-Luther-Volkshochschule in Berlin hielt der Missionsdirektor Pastor E. Schaesser mehrere Vorträge über die Juderrfrcrge unserer Tage, welche im Berlage von Bertelsmann in Gütersloh im Druck erschienen sind (Preis 10,— M.). Daß wir die Missionstendenz des Buches verwerfen, bedarf keiner Hervorhebung. Im übrigen ist es in seinem tatsächlichen Inhalt nicht ganz ohne Wert, wenn es auch