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Im deutschen Reich · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 76

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Article
Anthropologische Geschichtsschreibung
Date
1922-03-01
Page
Seite 76 (sequence 2)
Language
German
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78 Im deutschen Reich widerung gar nicht in Betracht kommt. Wer diese Art „Rasselforscher anthropologisch werten will, findet in dem vorzüglichen und streng wissenschaftlichen Artikel des Anthropologen Dr. tSgon von Eickstedt (in Nr. 1 der „Umschau" dieses Jahrgangs) „Die Rasse beim Menschen", die nötigen Fundamente. Diese Art Gegner aber anzugreifen oder gar „gerichtlich zu verfolgen", verliert jemand den Appetit, der wie der Verfasser dieser Zeilen dem „Deutsck-völkischen Schutz- und Trutzbünd" wiederholt in öffentlicher Zeitung „Unredlichkeit, Unwissenheit, Unklarheit, Unvornehmheit, unsoziales, unpolitisches, unökonomisches, unpatriotisches Verhalten" vorgeworfen hat — jeden Punkt auf das genaueste belegend („Gubener Zeitung" vom 29. April 1921)! — und trotz Absendung dieses gedruckten Angriffs an Hauptzentralen des Bundes in Deutschland nicht die leiseste Widerlegung hat erzwingen können. Es genügt gewiß, solche Dinge niedriger zu hängen. Nachschrift. FesthalLenswerL, wegen des Verfassers, der als Abkömmling eines ehrwürdig alten Adelsgeschlechts und als weitbekannter Schriftsteller sich \a doppelt bewußt sein dürfte, eine vorbildlich hohe Menschlichkeit repräsenlieren zu müssen, ist des Freiherrn Ernst von Wolzogen Satz: „— Bei uns wird das gesamte Volk, soweit es überhaupt noch rassisch empfindet, von einer sich bis zum physischen Ekel steigernden Abneigung gegen das Volk Israel beherrscht." („Engländer", 1920. Dürr und Weber, Leipzig.) Leider kam der obengenannte Zeitungsartikel an ihn mit dem Vermerk: „Verreist: Nachsendung nicht erwünscht", zurück. Herr von Wolzogen, der (Westermanns Monatshefte) seine antisemitischen Ergüsse in seinen „Lebenserinuerungen" fortsetzt, ist doch anscheinend jetzt zurück? Mit der nachfolgenden Erwiderung von Mittelschullehrer S t e r n - Kattowitz, dem Verfasser des Artikels „Anthropologische Geschichtschreibung", schließen wir die Aussprache: Wenn ich bei meinem Wunsche nach einer passenden Antwort eines jüdischen Arztes auf die unsaubere Bemerkung H.s au eine Beruhigung für mich oder an die Notwendigkeit einer Ehrenrettung für die jüdische Aerzteschast gedacht hätte, dann könnte mich der Standpunkt des Herrn Einsenders, der, wie ich micb überzeugt habe, von vielen seiner Herren Kollegen geteilt wiro, befriedigen. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich darum, einem Verleumder den Mund zu stopfen, und zwar einem Verleumder, der sich in zahlreicher Gesellschaft befindet. Diesen Ehrabschneidern imponiert man nicht durch Verachtung, sondern nur dadurch, daß man sie packt, wo sie sich einmal eine Blöße geben, und wo unsere in Ehrensachen ungünstige Gesetzgebung und Rechtsprechung den Zugriff ermöglicht. Mehr noch verlangt die Wirkung auf die Oeffentlichkeit ein solches Vorgehen. Heute ist keine Dummheit so dumm, keine Gemeinheit so gemein, daß sie nicht ihr gläubiges Publikum fände und darum einer schnellen, entschiedenen Abwehr bedürfte. Wollten wir die Auffassung des Herrn Dr. Cohn

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