Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Alle müssen helfen ...
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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Untyropoiogifche GefmLchr?chreiduna 75 erscheinen, weil der Verfasser, als NichLjude und Deutschnationaler, besonders unverdächtig und selbst widerwilligen Gegnern glaubhaft erscheinen wird. Man bedenke: Das Dintersche" Machwerk ist in nahezu zweihunderttausend Exemplaren verbreitet; es bedarf einer großen Dosis Gegengiftes, um seine Wirkung unschädlich zu machen. Gut ad absurdum geführt wird es durch bas gleichfalls in Romanform gehaltene Buch des Pastors Felben: „Die Sünde wider das V o l k". Es sticht schon durch seine edle geistige Haltung wohl ab von der antisemitischen SÄrnierage. — Neuerdings ist ein bis jetzt noch wenig bekanntes Werk erschienen, das, wie vielleicht kein anderes sonst, die negative Situation Juden—, Christen ans deutschem Sprachgebiet hell beleuchtet; deswegen, weil es im Rahmen des Dramas und nach seinen Gesetzen antithetisch den Stoff dichterisch gestalteL: „Rabbi Herz" von Josef Beifuß (Oskar Wohrle Verlag, Konstanz). Der Verfasser, doutschamerikanischer Jude, zurückgekehrt in die Heimat und zur Sprache seiner Vorfahren, der sein Inneres über Zeit und Raum hinweg treu blieb, stellte in groß geschauten Szenen das Grauen einer mittelalterlichen Judenverfolgung dar, mit dem Glauben der Verfolgten, mit der blutrünstigen Wut und Heimtücke der Verfolger. Wir fühlen erschreckend: Nichts hat sich im Grunde geändert seitdem, das alles ist heute noch unsere Sache, wie damals; nur daß die Mittel ein wenig zahmer, aber darum unehrlicher geworden sind, weil sie durch das religiöse Moment nicht mehr gestützt werden. ■ Dieses Buch sollte von vielen gelesen werden; ss stellt bildhaft dar — und wirkt darum symbolisch. Gehobenen Atems geht seine Sprache in schönem Rhythmus hin, mitreißend, aufrüttelnd, 'Kauft es, gebt es. weiter! Dies find von unseren Waffen einige. Ich unterlasse es, Schriften zu nennen, die nur über Spezialfragen aufklaren sollen. Sie wurden hier oft genannt, wenn sie auch nicht dementsprechend verbreitet sind. — Es genügt nicht, daß man nur in akuten Fällen antisemitischer Angriffe sich aufraffi, um sich zu wehren; dauernd muß gearbeitet werden, in der Stille und öffentlich. Und man glaube nicht, die Hände in den Schoß legen zu können, wenn zufällig an einem Orte das antisemitische Feuer nicht offen brennt: 'Jeden Augenblick kann an jedem Ort die Flamme hochschlagen. Dies muß bedacht, danach muß gehandelt werden, von allen. Hört meinen Mahnruf in letzter Stunde: Alle müssen helfen. Anthropologische Geschichtschreibung. (Siehe Nr. 1/2 der Zeitschrift.) Antwort eines Arztes« Von Dr. Paul Cohn-Guben. Der Verfasser des dankenswerten Aufsatzes wünscht die Antwort eines jüdischen Arztes auf die Bemerkung des Herrn Otto Hauser, daß die Juden so zahlreich zur Medizin — außer durch die Aussicht aus reichen Gewinn! — vor allem durch die Möglichkeit hingezogen werden, „sich mit den Geschlechtsteilen der andern befassen zu können". Da an dem gesunden Verstände und — hoffentlich — an der sexuellen Gesundheit Herrn Hausers nicht gezweiselt werden soll, genügt es wohl, diese Bemerkung als so kindisch zu bezeichnen, daß sie für eine Er-