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Im deutschen Reich · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 74

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Article
Alle müssen helfen ...
Date
1922-03-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Im deutschen Rerch auch nur im allgemeinen, vorher schon klar war: über unser Heimatrecht in Deutschland, über die Juden im Heer und in den Kriegsgesellschaften, über ihre Schuldlosigkeit an allem möglichen: Nein, wir müssen dafür sorgen, alle, daß diese Schriften unter die anderen kommen, daß die anderen — widerwillig genug, wie sie sind — unterrichtet werden, um ihre Meinung, ihre Gesinnung zu wandeln. Es genügt nicht, daß diese Schriften in den Bibliotheken der Ortsgruppenvorstände ein friedliches, aber unnützes Dasein fristen, sie müssen hinaus ins Volk. So wie es überschwemmt wurde von den gegnerischen Druckschriften, so müssen die unseren jetzt in Massen verbreitet werden. Und dabei, ich wiederhole immer wieder, müssen alle helfen. Wir reisen soviel, zu unserem Nutzen oder zum nutzlosen, durch die Form der jüdischen Sache oft schädlichen Vergnügen. Machen wir es uns zur Aufgabe, diese Tatsache einmal zum Vorteil, zum Segen der Allgemeinheit zu wenden: Einem jeden von uns geschah es schon, daß er da oder dort eine Hetzschrift gegen uns aufgelegt fand, an Orten, an denen er es zuvor nicht für möglich gehalten haben würde, im Lesezimmer des Hotels, im Eisenbahnabteil, bei Bekannten, denen wir vertrauten, und die unserer Frage harmlos gegenüberzustehsn schienen, an welchen Orten immer. Begegnen wir mit derselben Waffe: Jeder mache es sich Zur Pflicht, sich eine Anzahl unserer, noch immer verhältnismäßig billigen Aöwehrschriften zu beschaffen, von denen er je die eine oder andere mitnimmt, wenn er auf Reisen geht. Er lasse sie da und dort liegen, im Hotel, in der Eisenbahn, er gebe sie Bekannten: sie werden weitergegeben und ohne sein Zutun weiterwirken. And bringt sie vor allem in Gegenden, wo keine Juden wohnen, die den Verleumdungen und Schmähungen begegnen können und die darum besonders häufig und mit besonderem Erfolg von den Hetzern bearbeitet werden, weil die wohl wissen, daß dort der beste Boden für ihre Saat ist, wo niemand es unternimmt, die Giftpflanze auszuroden und weil sie ebenso schlau wie feige sind, sich einer Erwiderung zu stellen. Sollen hier, wo oft von ihnen die Rebe war, einige unserer besten Abwehr- und Aufklärungsschriften noch einmal genannt werden? Ich tue es auf die Gefahr hin, zu wiederholen, weil um des Zweckes willen nicht genug auf sie hingewiesen werden kann. — Da ist zunächst und vor allen anderen die kurze, aber gerade wegen ihrer Kürze für uns vorzüglich verwendbare Arbeit von Or. P. Rieger: „Vom Heimatrecht der deutschen Juden". Sie sollte'die Hauptstütze unserer Agitation sein. Wissenschaftlich ebensowohl begründet, wie getragen von einem wahrhaften, warmen Gefühl der Liebe für das deutsche Land und den Geist, der auf seinem Boden in den Jahrtausenden gewachsen ist, zeigt sie, daß es auch unser Land, unser Geist ist, von dem seine Menschen zu tiefst leben; bei aller mythisch-religiösen Verbundenheit, die wir als Juden in uns spüren. Und gerade darin liegt ihr besonderer Wert, weil sie nicht lediglich unsere staatsbürgerlichen Rechte nationaler Art betont, sondern weil sie vor allem endlich einmal darauf hinweist, daß wir ein gefühlsmäßig ererbtes Recht haben, hier zu sein, gewissermaßen einen naturrechtlichen Anspruch behaupten können, Deutschland unsere Heimat zu nennen, da unsere Vorfahren schon hier lebten, als die unserer christlichen Mitbürger zum Teil noch in der Völkerwanderung umge-. trieben wurden und zum Teil noch gar nicht seßhaft geworden waren. Die Tatsache allein, daß sie in der Mehrzahl sind, darf ihnen noch nicht gestatten, uns ein schicksalhaft vererbtes Recht zu weigern. Ich verweise ferner auf die Schrift: „Antisemitismus?" von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Sie ist erfreulicherweise schon recht verbreitet. Aber sie müßte in Massen überall

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