Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Antisemitismus, Jugend und Erzieher!
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 7)
- Language
- German
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Alle müssen helfen . .. in erster Reihe unsere Schulen und Hochschulen. Sie sollen uns durch die Lehrer, die an ihnen walten, Menschen heranziehen, die ihre Mitmenschen nicht nach Rasse, Abstammung, Religion, sondern nach seinen sittlichen Kräften und seinen geistigen Werten einschätzen. Mögen sich die Lehrer aller Grade recht bald dieser ihrer so schweren und bedeutsamen Pflicht bewußt werden! ATs müssen helfen . . . Ein Mahnruf von Rechtsanwalt Dr. Picard- Konstanz. Gestehen wir es nur: wir wurden überrascht, waren völlig unvorbereitet, als die tolle Offensive der antisemitischen Hetzvölker nach .Kriegsende gegen uns losbrach; das hatten wir nicht erwartet, selbst die größten Pessimisten nicht, obwohl Anzeichen in der zweiten Hälfte des Krieges manches ahnen ließen. Einem von jenen plötzlichen, gut organisierten Angriffen glich sie, die im Kriege unseren äußeren Feinden, zum Teil von denselben Personen, vorbereitet waren, die sie heute gegen uns leiten, die den Angegriffenen mit den giftigen, übelriechenden Gasen, diesmal der Verleumdung, des Schmutzes und Trutzes, der feigen Lüge und nicht zuletzt der böswilligen Dummheit — überschütteten, ihn betäubten und zunächst in die Verteidigung zwangen. Ein starker Einbruch erfolgte anfangs in das widerstandslose und allzu leicht zugängliche Seelenland der nichtjüdischen deutschen Bevölkerung. Langsam erst erholten wir uns, rafften wir uns ans und organisierten den Widerstand, langsam, sehr langsam beginnen wir die Haß- und Verleumdungsfluten zu dämmen, da und dort gar verlorenen Boden zurückzugewinnen. Aber der Kampf ist schwer, wird Jahre dauern. And er kann unmöglich nur von einzelnen da und dort geführt werden; alle müssen helfen. Denn auf der anderen Seite steht, schon rein zahlenmäßig, die Uebermacht, wird sie immer stehen. Die große Masse des deutschen Mittelstandes hat sich, aus leicht zu erkennenden Gründen, nur zu willig infizieren lassen. Aus ihr kommen unseren Feinden unerschöpfliche Hilfsmittel. Der Schutz- und Trutzbund wächst von Tag zu Tag, gründet Ortsgruppen, versendet seine Flugblätter und Schriften, läßt seine Hetzzettel durch die heldenhaften Zungen unreifer, wichtigtuerischer Jünglinge belecken, um sie grotesk an die unmöglichsten Orte zu kleben, und ist am gefährlichsten, wo keine Juden wohnen, weil ihm dort nicht entgegengetreten werden kann und die Menge Gedrucktes allzuleicht glaubt. Darüber müssen wir uns klar sein. Aber wir dürfen den Mut nicht verlieren, manches ist getan, mehr soll getan werden; alle müssen helfen. Wir selbst haben uns immerhin besser organisiert, nach innen und außen. Je stärker die Bedrohung wurde, desto mehr von uns haben es begreiflicherweise eingesehen, daß wir zäher Zusammenhalten, daß wir uns alle Zusammenschließen müssen zum Abwehrkamps. Allein, es genügt nicht, dem Centralverein nur beizutreten, den — in Anbetracht des Zweckes — niedrigen Jahresbeitrag zu leisten, ab und zu eine Versammlung zu besuchen und im übrigen die Ortsgruppenvorstandsmitglieder für sich arbeiten zu lassen, wenn diese es überhaupt tun, was — und dies muß hier einmal gesagt werden — bei manchen häufig nicht der Fall ist; es genügt nicht, die oder jene der zürn Teil vorzüglichen Aöwehrschriften zu lesen und sich zu unterrichten über Dinge, über die man sich, wenn Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!