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Im deutschen Reich · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März 1922) · p. Seite 68

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
28 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März 1922)
Article
Antisemitismus, Jugend und Erzieher!
Date
1922-03-01
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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Jrn deutschen Reich m Di-- Mitglieder mtfere? Bundes sind nicht Angehörige "bestimmter Dolksimfien, sondern. setzen sich aus allen Volkskreisen zusammen. Unsere Arbeit soll Dienst am ganzen Volke sein." Man muß das Verhalten der Mitglieder solcher Bunde und die Taktik der Antisemiten schon genau kennen, um sich durch diese schönen Sätze nicht blenden zu lassen. Bei Versammlungen der deutschnationalen Partei und des berüchtigten deutschvölkischen Schutz- und TrutzLundeZ sieht man als Türhüter die Mitglieder solcher Jugendbünde, die sich aus dem nächtlichen Heimwege barm gefallen, die Häuser mit Hakenkreuzen zu verzieren. Dieses Abzeichen der Gewaltanwendung gegen bte Juden wird nicht getragen — nämlich während der Schule — a u f der Rockklappe, sondern unterhalb derselben. Daß jedenfalls die Hakenkreuz g e s i n n u n g auch in den nicht „völkischen" Bunden sich ausbreiten m u ß , Zeigt das Zugeständnis, daß die Mitglieder völkischer Bünde auch den deutschnal ion alen Jugendbünden an gehören, also pflichtgemäß alle anderen mit ihren Ideen bearbeiten und sie gleichfalls infizieren müssein „Wir verurteilen die Hetze gegen Fremdvölkische." Schon in dieser Bezeichnung der Juden, denn nichts anderes ist damit gemeint, liegt eine gehörige Portion hetzerischer Tätigkeit. Wenn die Jugend planmäßig in dem Gedanken erzogen wird, in den deutschen Juden nicht Volksgenossen zu sehen — die anständigen deutschnationalen Elemente versagen ihnen diese Bezeichnung keineswegs —, sondern einen Fremden, so genügt das vollständig, um in Kindern von 13—16 Jahren Gefühle der Abneigung und Verachtung zu erzeugen. Und das ist das Ziel. Daneben geht die Hetze gegen die jetzige Staatsform, die als Werk der Juden bezeichnet wird, planmäßig einher. In besonderen Kursen wird über Themen gelesen wie „Einführung in Schillers Gedanken, Dichtungen und Dramen", „Buddha, Mohammed und Christus", chie deutsche Nibelungensage, Bismarck, der Südafrikanische Krieg, das deutsche Heerwesen seit dem Großen Kurfürsten bis zur Revolution usw. Die Themen klingen harmlos. Ader der Ton macht die Musik. Die Vortragenden sind sämtlich als rührig in der Agitation bekannte und bewährte Mitglieder der deutschnationalen Volkspartei. Die Folgen dieser Methode sind klar: Bieten schon unter Erwachsenen verschiedene Denkungsarten auf religiösem und politischem Gebiet den Anlaß zu Reibungen, um wieviel mehr bei der jeder Gefühlsregung leicht zugänglichen und uachgebenden Jugend. Dazu kommt die bei Kindern bekanntlich besonders hervortretende Grausamkeit gegenüber jeder Minorität und körperlichen Schwäche. Hänseleien, Sticheleien, Belästigungen, Kränkungen sind an der Tagesordnung. Den jüdischen Schülern werden Hakenkreuze auf die Bücher und Kleider-gemalt, die HetzzeLLel des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes werden in ihre Taschen praktiziert, anonyme Postkarten des schändlichsten Inhalts, deren Aufschriften ohne weiteres den Mitschüler verraten, flattern in ihr Haus, es kommt zu Schlägereien zwischen einzelnen und U e b e r f ä l l e n ganzer Teile einer K l a s s e auf die jüdische Schülerschaft. Was Wunder, wenn die also Angegriffenen zu Aöwehrmitteln ihre Zuflucht nehmen, die vom Standpunkt des kühlen Beobachters nicht immer einwandfrei erscheinen mögen, daß auch sie sich Hakeukreuze anstecken, um deren Träger zu verhöhnen, daß auch sie Klebezettel in die Schule mitbringen, daß sie in unklaren und doch nur allzu verständlichen Gedankengüngen erwidern: „Wenn ihr uns fremd nennt, gut, so wollen wir es sein", sich in der Verbitterung jüdischnationalistischen und kommunistischen Ideen zugänglich Zeigen und sich ihren Werbern in die Arme werfen. Eine bemerkenswerte Folgeerscheinung der antisemitischen Hetze in den Schulen ist es auch, wenn gerade in der letzten Zeit die jüdische Konfessionsschule propa-

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