Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 63 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 63 wissenschaftlichen Mittel und Methoden bemühen werden, die Rassenzugehörigkeit eines Menschen festzustellen. Das wäre auch rein theoretisch ein gewaltiges Verdienst mtb würde die ganze anthropologische Wissenschaft auf eine neue Grundlage stellen. Wer sich überzeugen will, mit was für gewaltigen Schwierigkeiten die Wissenschaft zu kämpfen hat, wenn sie den so populären und vielgebrauchten Beg „Rasse" feststellen soll, der lese das ausgezeichnete, lehrreiche „Rasse und Politik", von Prof. vr. Julius Goldstein^). Hier wird das ganze Problem auf Grund eines überaus reichen, scharfsinnig und gründlich durchgearbeiteten Materials lichtvoll und gemeinfaßlich behandelt. Allein, wir erfahren aus dem Buch die interessante Tatsache, daß man nicht nur wissenschaftlich, sondern auch praktisch auf unüberwindliche Hindernisse stößt, wenn man einen Menschen auf seine Abstammung hin einer bestimmten Nation Zuweisen soll. Gehörte'der englische Botschafter Sir Edward Goschen, Urenkel des berühmten deutschen Verlegers Göschen, Herausgebers von Schillers Werken, der am 3. August 1914 in Berlin die englische Kriegserklärung überreichte. Zu der englischen oder der deutschen Nation? And der englische Botschafter in Wien, Sir Mauriee de Bunsen (sprich: Bönsü-), der um dieselbe Zeit an der Donau die gleiche Funktion ausüote unh ein Enkel des Freiherrn Jofias von Bunsen war, eines Freundes Friedrich Wilhelms IV.? Und Bunsens Vorgänger in Wien, C a r L w r i g h L, der der Sohn einer nach England verheirateten deutschen Mutter war, und im Aufträge Eduard VII. unaufhörlich, aber vergebens an der Loslösung Oesterreich-Ungarns vom Bunde mit dem Deutschen Reiche arbeitete? Oder der russische Gesandte in Serbien Hartwig, der einer der verbissensten Deutschenfeinde und unermüdlich war im Verbreiten von Haß und Mißtrauen gegen die Deutschen auf dem ganzen Balkan? Am merkwürdigsten ist jedoch der Fall des englischen Gesandten in Polen M a x-M ü ll er. Er ist nämlich der Sohn des b er ü h m ten deutscher! I n b o l o a e n und Sprachforschers F. Max Müller, der seit 1849 fast ein halbes Jahrhundert hindurch in Oxford als Professor wirkte, aber bis an sein Lebensende treu zum Deutschtum hielt, beinahe alle seine Werke auch in deutscher )e herausgaö, ständiger M itarbeiter deurj e it f d) r t f t en w ar , im deutschen Geistesleben!ohe Stellung einnahm, als Mitglied deut- ^Llehrten-Gesellschäften, als Verfasser einiger ö e L le tristi sch en Schriften aus dem deutschen G e m ü L s l r 5 e n , a l s Herausgeber eines Teils von Schiller-Briefen usw. Er spielte eine große Rolle als Mittler zwischen Deutschland und England, auch in einem gewissen politischen Sinne, so durch seine „L e 11 r e s on t h e War"', die er 1871 in d er im e§" veröffentlichte und die die öffentliche Meinung in England erheblich zugunsten Deutschlands beeinflußten: sein Haus war der Mittelpunkt der deutschfreundlichen Propaganda, der Sammlungen für 'die deutschen Kriegsgefangenen und Verwundeten, und trug den (Lieg davon über einige Häuser mächtiger Aristokraten, die für Frankreich warben. F. Max Müller war der Sohn des Dichters Wilhelm Müller (1794 S p r a s ch e r eine s ch 2 r *) Zweite Preis 18,70 23t verbesserte Auflage. Neuwert Verlag, Schlüchtern 1921. Rasscrwourjr auf hCiitfcXicn Hochschulen.