Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1922)
- Article
- Nun, zu guter letzt ...
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 Im deutschen Reich Ihr Motto lautete: „Hundsfott, wehrDi ch", ein Leitsatz, der noch immer ungeheuer gewirkt hat. DasAngesichtderjüdischen Deutschenhat sich völligverändert. SiehabenihrenStolzzum größten Teil wiedergesunden und mit diesem Stolz die Verehrung und Liebe für das angestammte Judentum, das ihnen heiliger und schöner erschien, als sie sich mehr und mehr darin vertieften. Als innerlich freiere Menschen sind sie bessere Bürger ihres Vaterlandes geworden. Den Judenfeinden gegenüber war unsere Zeitschrift eine scharfe Wehr. Man lese in ihren ersten Jahrgängen die Aufsätze über Fleischbesudelungsprozesse. Sie sind typisch für das Mittelalter, das wir in Deutschland zu überwinden hatten. Schritt für Schritt konnten wir dem Gegner folgen und sein Gebiet abbauen, konnten wir gleichzeitig uns unseres wahren Wertes freuen und dabei an uns selbst arbeiten. Das hat unsere Zeitschrift immer getan. In einer der ersten Versammlungen des Centralvereins sprach Raphael Löwenfeld über ästhetischen Antisemitismus, schon damals hervorhebend, daß sich zur Abwehr die Einkehr gesellen müsse. Karl Emil Franzos sprach es in der ersten Nummer aus: „Die Selbstkritik, die Arbeit an uns selbst darf auch in diesen düstren Tagen nicht aufhören und ebensowenig unsere unverbitterte Liebe und Treue für unser deutsches Volk." Der Erfolg blieb nicht aus. 1914 konnten wir an einen Abbau unserer Tätigkeit denken.... Der unglückselige Krieg brachte nach weltgeschichtlicher Erfahrung einen neuen Kampf gegen die Minderheiten, deren Los es immer war, für Schicksals der Gesamtheit den Prügeljungen zu stellen. Front und Kampfgegenstand verschoben sich vielfach. Rassentheorien nahmen von der nervösen Volksseele in einem Umfange Besitz, den man nicht ahnen konnte, weil mit so viel Unwissenschaftlichkeit und Torheit noch selten eine Volksseele geblendet wurde — die Verbreitung von Dinter, „Die Sünde wider das Blut" spricht dafür Bände — wirtschaftliche Sorgen und Nöte wurden der Judenheit zugeschrieben unter völliger Verkennung ihrer zwangsläufig gewordenen Struktur, kurz, ein politischer Machtkampf soll auf unserem Rücken ausgefochten werden. Das werden wir nicht dulden. Hat sich aber das Angriffsfeld erweitert, so müssen wir Gelegenheit haben, häufiger und in erweitertem Umfange an die gesamte Oeffentlichkeit, keineswegs nur an die jüdische, zu treten. Darum muß ein Wochenblatt geschaffen werden. Eine Quelle, die dem gesamten deutschen Volke leicht zugänglich Klarheit über Fragen, die uns berühren, spenden soll. Das