Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 28 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 5)
- Language
- German
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40 Ini betiliutcr. Sicirf» t i ui<] u!! 0 gt t m o n i f djcr Art mit den Faktoren de? Christentums und Hellenismus — neben vielen anderen — hervorgingen. Andererseits wird man uns aber die Frage nicht verwehren dürfen, ob jene Menschen der Ansicht sind, die deutsche Kultur nnirde fiel; auch ohne fremde Einwirkung zu ihrer heutigen Höhe entwickelt haben. Und wenn wir weiter fragen, ob beispielsweise unter diesen Umständen die Gretchenfrage, wenn sie „w i e häl t st d u e s m i t W o t a n?" gelautet hätte, ebenso beantwortet worden wäre, wie wir Goethes Worte als erhabenes Dokument menschlichen Geistes empfinden, dann dürste die Antwort wohl langsamer und weniger bestimmt erfolgen. Und ähnlich wird es sich verbauen, wenn wir fragen, ob die Architektur germanischer Hüllen in gerader Linie zu der des Straßburger M ü n st e r s hinsührt oder die Runensprüche zur „K r i t i k der reinen Vernunft" und zu „Also sprach Zar a - t h u st t a" hinleiteu. Auch die germanischen Schlachtgesänge dürsten nur in ganz entferntem Zusammenhänge mit Schuberts Liedern oder Beethovens Symphonienstehen, und daß das Jauchzen der um das Souneinvendfeuer Springenden deutscher ist als oes Johann Bach Weihnachtsmoi eiten, könnte auch bezweifelt werden. Es mrgj bei Geistesschwachen oder Verschwendern mitunter Vorkommen, daß sie das Erbe ihrer Väter für eine fixe Idee hingebcn. Daß gesunde Menschen ebenso handeln, dürfte sich seltener ereignen. Oester vielleicht aber, daß Menschen im Gefühl ihres unzerstörbaren Besitzes sich dessen freiwillig auf einige Zeit entledigen, nur in Armut zu leben und danach um so b ew u ß t er die Annehmlichkeit des früheren Zustandes zu empfinden. Zur Ehre des deutschen Geistes wollen wir den Walkürenverehrern und Metliebhabern diese Gründe unterstellen. Wer diesmal gegen Jahreswende abends durch die Straßen " '/,ld deutscher Städte geht, wird in den Fenstern oft desselben .Hauses die Strahlen des Weihnachtsbanmes und das Glänzen des achtflanrmigen Leuchters bemerken, und die weichen Töne des Weihnachtsliedes werden zugleich mit den Klängen des „Moaus zur" zusammen an sein Ohr dringen, die seltsam froh und befreit im Gegensatz zu den Mollmelodien jüdischer 'Andacht stehen. ■ Und nachdenklich wird er bei sich erwägen, woher beide Feste kamen und was beide bedeuten: Wie das Fest des Friedens auf Erden ebenso wie das einzige Siegesfest des Judentums demselben Gedanken entspringen: der Ueberwindung der -Materie durch den Geist. Vielleicht kommen ihm auch Vergleiche in den Sinn zwischen den Zeiten der Makkabäcrkämpfe und denen des großen Krieges: Wie die materia-