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Im deutschen Reich · 1921-11-01 · Heft 11 (November 1921) · p. 337

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 11 (November 1921)
Article
Der Roman als Kampfmittel
Date
1921-11-01
Page
337 (sequence 1)
Language
German
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337 Ter A’orüan o!s ftarapfmittct Der Nornan als Kampfmittel. Bon Richard E 1 b (Druden). Was ich schon bei Würdigung der v. Oppcln-Bronikowskischen Schrift als tröstende Gewißheit ausgesprochen hatte, daß wir nicht verzagen dürfen, solange uns aus intellektuellen nichtjüdischen Kreisen in wamsender Zahl Freunde und Schirmer in unserer Not erstehen, wird durch das Buch des Bremer Pastors Emil Felden: „Die Sünde wider das 5]j)ir (Olbcufmrg & Co., Berlin) glänzend Lenängt. Feldern ist nicht der erste, wird aber bald der letzte sein, der seine Tinte gegen Dintcr verspritzend, seine Kräfte an ihn, den Unwerten, vergeudet. Strack, der Gelehrte, tat es vor ihm vom wissenschaftlichen und ästhetischen Standpunkte, Reimarm hat ihn unter dem witzigen Titel „Artür Sünder, die Tinte wider das Blut" letzthin unter die satirische Lupe genommen Lohnt sich' solch ein Aufgebot gegenüber einem verblendeten Ignoranten, der, wenn nicht alle Zeichen trügen, bei den eigenen Gesinnungsgenossen von seiner stolzen Führerhöhe in das Nichts hinabzusinken verspricht, ton er vor Beginn feiner deutschvölkifchen Hetzerlaufbahn entstieg? Feldens Schifslein, das Re gleichen Gewässer mit entgegengesetztem Kurs befährt, ist moralisch und literarisch ungleich besser befrachtet. Als Beüetrrstiker erprobt, steuert Felden mit einer ihm von Berufs wegen naheliegenden Sachkenntnis auf sein Ziel los, die dem anderen, dem Angreifer und nun Angegriffenen völlig fehlt. Das beweisen die — vielleicht nicht durchweg von Felden selbst stammenden — etwas breit geratenen Kommentare, wie . denn auch im Tert die lehrhaften Stellen die reinen Spannungsmomenre der Handlung leicht zu überwuchern drohen. Was aber Felde:: äußer-iR, ich mochte sagen technisch — und um deswillen hauptsächlich machte ich sein Buch zum Anlaß und Mittelpunkt dieser Betrachtung — das Übergewicht gibt, ist der über die mit Dinter gemeinsame Tendenz hinausgeheirde Charakter des Buches als Schlüsselroman. Felden hatte nämlich die zwar wirkungskräfLige. künstlerisch jedoch ' anfechtbare Idee, seinen traurigen Helden Paul Finster nach dem lebendigen Urbilde Dinters zu gestalten, um diesem dadurch ein aus Dichtung und Wahrheit gewonnenes, ziemlich naturalistisches Denkmal vor der Welt zu setzen. "Gelungen ist ihm das ausgezeichnet; Finster hat, ganz abgesehen von seiner ererbten Judonbasserei, nicht einen Zug, der rhu vernünftig denkenden, vornehmen Menschen sympathisch machen könnte. Man schlage den erhöhten Anreiz auf den Leser, Zumal den ein- - geweihten, der schmunzelnd hinter den Figuren des Romans das nach der guten oder schlechten Seite porträtierte Äaturobjekt zu erkennen meint, nicht gering an und wünsche Feldens Roman keine geringere Verbreitung .als sie—ein Zeichen der Zeit! — das Gegenbuch fand, wozu wir Juden schon aus Dankbarkeit allerhand beitragen können und müssen. Es gibt auch Fälle, und dazu gehört der Feldensche, wo der Zweck die im Gegensatz zu Dinier durchaus sauber angewendeten Mittel heiligt. Aber dieser zur platten Münze gewordene Satz darf unser Gewissen nicht dagegen stumpf machen, daß der dauernde Mißbrauch des Romans zu tendenziösen Zwecken in den tiefsten Streitfragen ideeller Natur (Glaubenssragen, Bibel- und Talmudauslegung) geschmacksverderbend wirkt und zugleich dem dichterischen Wert dieser Literaturgattung als solcher schweren Abbruch tut. „Dichtung" ist das turmhoch über Dinter ragende Werk Feldens nicht geworden, doch erfreut es neben der geschickten Abfuhr des Mannes, Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!

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