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Im deutschen Reich · 1921-10-01 · Heft 10 (Oktober 1921) · p. 311

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 10 (Oktober 1921)
Article
Der Kern der Sache
Date
1921-10-01
Page
311 (sequence 2)
Language
German
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Der Kern der 5ad?e 811 derselben 111 c i n u n a : IDir wollen zunächst einmal unangefochten gleichberechtigt dastehen. Denn der ist überhaupt erst die Grundlage, auf der alle unsere sonstigen Betätigungen Keruben. Ls klingt etwas paradox, aber es ist so: wir wollen weiter gav nichts als das Recht, wie jeder andere Bürger auch, unseren a u s e i n a n d e r g e h e n d e n Interessen und Idealen frei nachleben zu können, und wir sind gezwungen, uns zusammenzutun, um uns die Möglichkeit dazu zu verschaffen, die uns auf schritt und Tritt bestritten, vorenthalten und beeinträchtigt wird. Ich will die Klagen gar nicht alle wiederholen. In der 5 d]ii\ c beginnt cs, in Vereinen aller Art, voran den akademischen, setzt cs sich fort, bei der Berufswahl wird es peinlich bemerkbar, im politischen Leben macht es sich ganz b e s o n d c r s 7 ü h i - b a r. Ganze Parteien haben unsere 21 u s s ch a 1 t u n g zum Hauptzweck, und andere Parteien fürchten, sich dlostzustellen, wenn jüdische Mitglieder im Vordergrund stehen. Line große Presse tut weiter nichts, als uns zu verleumden und zu berümpfen. Ganze Bibliotheken feindlicher Schriften türmen fifr gegen uns auf, wirtschaftlich wird gegen uns mobil gemacht. Kurzum: wo ist der Jude, der mit der naiven Selbstverständlichkeit der in dieser Beziehung wirklich guten, alten Zeit sich betätigen kann? Auf Schritt und Tritt sieht er sich Vorurteilen gegenüber, falschen Verallgemeinerungen der Schwächen einzelner und allzuoft geradezu hirnverbrannten Vorstellungen über das, was jüdische Art, jüdische Lehre, jüdische Pflicht und jüdisches Streben ist. Ls ist geradezu typisch für die Gegenwart, daß ein derartig blödsinniges Machwerk, wie die jetzt glücklich als Fälschung aufgedeckten „Protokolle der weisen von Zion" von sonst ganz verständigen Leuten ernst genommen wurde. Dagegen muß etwas getan werden. Gewiß kann auch der einzelne sich seiner Haut wehren. Aber der Gegner ist organisiert; er ist so« gar m u st e r g ü l t i g organisiert. Bicht nur der S ch u tz - und Trutzbund, auch zahlreiche andere Organisationen arbeiten systematisch gegen uns. Sie leisten eine „Aufklärungsarbeit", „wie sie es auffassen". viele von uns haben gar keine Ahnung, welchen Umfang beispielsweise das ganz im Stillen mit großen Mitteln betriebene Versandgeschäft antisemiti scher Flugblätter und Aufklärungsschriften hat. Lehrer, Beamte, Aerzte. Landwirte, Raufleute und auch Arbeiter erhalten regelmäßige unbestellte und unentgeltliche Zusendungen dieser Art Literatur. Und manche Glaubensgenossen, die frohgemut erklärt haben: „Bei uns im Ort gibt es keinen Antisemitismus"', sind peinlich aufgeschreckt worden, wenn sie sich plötzlich der Wirkung dieser stillen Hetze gegenübersahen, was kann der einzelne dagegen tun? Mancherlei! Lr kann durch Beispiel zeigen, daß Vorurteile unbegründet sind; er kann ausklärend wirken,

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