Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1921)
- Article
- Opferwoche
- Date
- 1921-10-01
- Page
- 284 (sequence 4)
- Language
- German
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284 Im deutschen Reich ist, dem kundigen Gegner entgegenzutretem Hundertfach hat aber der einzelne die Gelegenheit, mit seiner Arbeit einzusetzen, denn überall treten ihm die Spuren des Judenhasses entgegen: in der Schule, im Geschäft, im Kreise der Berufskollegen, im Bade, aus der Universität. Ist man nicht in der Lage, den Gegner zu parieren, so ist man ,der Unterlegene. Und beinahe noch wichtiger ist es, dem Antisemitismus Vorbeugen zu können. Gin rechtes Wort der Aufklärung an der rechten Stelle hat nicht selten das Empor, flackern des Haffes auf alle Zeit verhindert. Die Untätigen und die Zweifler am eigenen Können zu belehren, ist ja deshalb so wichtig, weil der Erfolg des Kampfes gegen den Antisemitismus letzten Endes von der Arbeit des einzelnen abhängt. Nur in wenigen desonders gearteten Situationen kann die Organisation als solche eingreisen. Ueberall sonst muß der einzelne auf den plan treten, von seiner Fähigkeit, seiner Kenntnis hängt es ab, ob die Gegner oder wir siegen. Dies sei auch ein Ui a h n w o r t an d i e J u n g e n. Gegen« über dem fanatischen Judenhaß der Jugend hilft nur unserer Jugend Arbeitswille. Schon oft sagten wir: Jugend kann nur durch Jugend überwunden werden. Hier mehr als sonst ist die Mitarbeit des einzelnen vonnöten. Junge Seelen erschließen sich gern den Worten Gleichaltriger. Die Sprache des Jungen dringt zum Herzen des Jungen. Darum lehnt, Ihr Jungen, diese Arbeit nicht ab, sie ist Eurer sonstigen Ziele würdig; denn sie räumt Euch Steine hinweg, die den weg zu der Menschheit, die gerade Ihr erstrebt, versperren. Diese Arbeit gegen die Feinde des Judentums muß.jedem ein- - zelnen eine heilige Arbeit fein. Deshalb dürfen wir sie uns nicht leicht machen, sondern müssen ihr geben, was wir ihr nur geben können. So erst wird diese Arbeit zum Opfer. Opfer ist nichts, was uns Schmerz bereitet, sondern das Opfer bedeutet die höchste Ergriffenheit unserer Persönlichkeit In dieser Stimmung trete, der einzelne in die Gpferwoche. Es ist nur ein Eeil der Arbeit, die Sammlung der finanziellen Kräfte, der diese Tage bestimmt sind. An solcher Arbeit kann aber jeder, teilnehmen. Doch auch sie ist Opfer, darum sei sie nicht gedankenlos getan, sondern in der Erkenntms, daß einem solchen Zweck nur eine Gabe ziemt, die uns nicht leicht wird, sondern die wir von uns Losreißen müssen, weil, wir wissen, daß Höchstes verlangt wird und es höchstes gilt. Dr. Kurt Alexander, Krefeld.