Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- Wie sie das Volk betören
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 264 (sequence 2)
- Language
- German
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fS4 Im deutschen Reich (Buch der Sammlungen), welche den 18. und 19. Vers auS dem 30. Kapitel der „Sprüche Salomos" bespricht, Diese Bibelverse lauten: „Drei Dinge erscheinen mir wunderbar imb vier begreife ich nicht: Den Weg des Adlers am Himmel, den Weg der Schlange auf dem Felsen, den Weg des Schisses mitten auf den: Meere und den Weg des Mannes bei einer Jungfrau/ Bevor wir jedoch die daraus bezügliche Stelle aus dem Leier bMümtiru ansühren, muß, um das Verständnis ihres Inhaltes überhaupt zu e ^möglichen, folgendes vorausgeschickt werden: Die Kabbala betrachtet Gott, das Unendliche, als das Zentrum des Alls, von welchem vier nach unten zu in immer stärkerer Vergröberung des Stoffes sich abstufende Welten ausstrahlen. Von diesen vieren kommen hier für uns nur zwei in Betracht: Die oberste, die reingeistige Wett, welche die zehn Eigenschaften Gottes (Sefirot) umfaßt und die unterste, die sogenannte unreine Welt der irdischen Erscheinungen, d. i. die Well der Kelipoth, aber Schalen, Hüllen (mit diesem Namen bezeichnet, weil sie uns das Wesen der Dinge nur in ihrer äußeren, für unsere Sinne wahrnehmbaren Hülle zeigt). Zwischen diesen beiden Welten besteht ein Zusammenhang insofern, als jedem Dinge und Vorgänge in der niedersten Sphäre der Kel poth ein parallel Lausendes, eine Art Urbild in der höchsten Sphäre entspricht. Chajim Vital erblickt nun das, was dem weisesten aller Menschen in den beiden obengenannten Versen der „Sprüche" wunderbar erscheint, darin, daß den dort erwähnten vier Vorgängen auf Erden nichts Entsprechendes in der höchsten Sphäre gegenübergestellt werden könne. Von diesen Vorgängen können wir die drei ersten als ohne Bezug auf den uns beschäftigenden Gegenstand übergehen und wenden uns seiner Betrachtung über den letzten zu: „Der Weg des Mannes bei einer Jungfrau." Mit Rücksicht auf die sexuellen Intimitäten und die krause, Phantastische Sprache, in welche sich nun Vital hierbei verliert, ist es ausgeschlossen, ja fast unmöglich, sie in deutscher verständlicher Sprache wörtlich wiederzugebell. Was jedoch inhaltlich unumstößlich feststeht, ist folgendes: Der jungfräulichen Paarung in der irdischen Welt steht die geistige Paarung in den oberen Sphären gegenüber. Nach Vitals Meinung ist es nun Salomo unbegreiflich, was dem Blute, welches in der ersteren eine Rolle spielt, in der rein geistigen Welt entsprechen kömne, da erstens dieses Blut nur durch die Einwirkung einer sinnlich wahrnehmbaren Kraft (Kelippa) hervorgerufen werden könne, die aber doch in der oberen Welt keinen Platz hätte; zineitens entspräche die rote Farbe des Blutes gar nicht dem Wesen der Paarung, da Rot das Symbol des strengen Gerichts wäre, während bei der Paarung in der höheren Welt zwischen Strenge und Barmherzigkeit die Strenge köstlich gemildert, die Barmherzigkeit zum Siege geführt wird. Was machen nun die Antisemiten aus dieser zwar grotesken, phantastisch verworenen, aber sonst einwandfreien Stelle? Sie übersetzen sie nach Rohling-Justus folgendermaßen: „Unter Bezug auf die Sprüche Salomos 30, 19 heißt es: Es ist wunderbar, daß das Jungfrauenblut der Unreinen, der Kelipoth (Nichtjüdinnen) 'dem Himmel doch ein wohlreiches Opfer ist. Ja, nichtjüdisches Jungfrauenblut zu vergießen ist ein. ebenso heiliges Opfer als die besten Gewürze und ein Mittel, Gott mit sich zu versöhnen und Gnade auf sich herabzuziehen." Ein Blatt fügt da seinem Bericht über den „Leuchtturm"-Prozeß noch hinzu: „Diese Stelle läßt nach dem „Hammer" Erklärungen zu: Vergießen von Jungfrauenblut als Jahwe wohlgefällig durch Schanden oder — Schachten." Jedes Wort ist eine wahnsinnige Lüge.