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Im deutschen Reich · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · p. 207

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Article
Rasse und Judentum
Date
1921-07-01
Page
207 (sequence 6)
Language
German
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Rasse und Judentum 207 zur Verfügung und gebt es heute überhaupt nicht. Bölkerverschiebungen bedingen heute vor allem eine Langsame Entwicklung. Man kann kleine Pflänzchen, und man kann einzelne Bäume verpflanzen: aber Wälder unmittelbar zu verpflanzen, ist noch nicht geglückt und wird nicht glücken. Der Zionismus ist ein heroisches Streben in der Zeit des Nationalismus, diesen Nationalismus mit seinen chauvinistischen Auswüchsen auch auf das Judentum zu übertragen. Aber der Nationalismus ist ganz gewiß nicht das letzte Wort in der Entwicklung der Menschheit, und es ist im höchsten Grade wahrscheinlich, daß der furchtbare Weltkrieg trotz aller gegenteiligen Erscheinungen des Augenblicks die große Lehre der Menschheit geben wird, daß, wie der blinde Religions- Haß, so auch der Rassenhaß und der Nationalitatsdünrel überwunden werden müssen. Nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion und nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kuuurrasse, die in der zivilisierten Welt immer eine Mischrasse ist, wird in einer näheren oder ferneren Zukunft das Entscheidende für die Klassifizierung der Menschen sein. Entscheidend wird sein, die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kulturkreis im weitesten Sinne, zu gemeinsamer Lebensauffassung, zu gemeinsamer Weltanschauung, die heute schon für das gesamte Abendland, trotz aller Unterschiede im einzelnen, für "die führenden Schichten eine völlig verwandte ist. In dieser Richtung wird die Entwicklung weitergehen, und diese Entwicklung wird auch die Judenfrage lösen. Freilich, daß sie heute nicht gelüst ist, kann verwunderlich nicht erscheinen, wenn es möglich ist, daß christliche Franzosen, in denen soviel germanisches Blut steckt, christliche Deutsche als .choebss" bezeichnen und als „boebes" zu behandeln wünschen; dann kann man sich nicht wundern, daß von unmodernen Elementen der verschiedensten Völker die Juden bald als Religionsgemeinschaft, bald als Rasse in Bausch und Bogen als minderwertig erklärt werden. Die Judenfrage, aud) als Rüssensrüge betrachtet, kann nicht durch irgendein isoliertes Experiment, auch nicht durch das zionistische, ihre Lösung erfahren. Ihre Lösung wird angebahnt durch die allgemeine Kulturentwicklung, und die Lösung wird nicht eher da sein, als bis die Kultur der Menschheit auf eine höhere Stufe sich hinaufgearbeitet hat. Wie die Korallentiere der Halbinsel Florida in Jahrhunderten und Jahrhunderten den Golfstrom abgelenkt haben, so muß auch die Kulturarbeit von Generationen und Generationen es schließlich dahin bringen, daß von dem zerstörenden Rassenhaß nichts übrigbleibt als der gesunde friedliche Wettstreit verschieden veranlagter und auf verschiedenen Gebieten mit besonderem Nutzen für die Menschheit zur Betätigung gelangender Menschengruppen._

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