Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Article
Das Ende palästinensischer Illustionspolitik
Date
1921-05-01
Page
180 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316912-2316917-2358578--32013-2358649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

180 Im deutschen Reich werden. Die politischen Verhältnisse in Palästina sollen in der Weise festgelegt werden, daß die jüdische Minorität des heutigen Tages auch in kommenden Tagen eine Minorität gegenüber den Arabern bleiben muß. Diese zwei Forderungen zeigen bereits, mit welcher Schroffheit heute Mohammedaner und Juden einander gegenüberstehen, und diese Entwicklung ist auf das tiefste zu bedauern; denn Mohammedaner und Juden sind darauf angewiesen, sich in Palästina friedvoll zu ergänzen. Die schwere Landarbeit auf den Aeckern werden europäische Juden in absehbarer Zeit, d. h. bevor nicht in Generationen eine völlige Akklimatisierung stattgefunden hat, gewiß nicht zu leisten vermögen; wie die Araber auch ihrerseits auf absehbare Zeit nicht imstande sind, die Grundlagen und den Aufbau für eine moderne Kulturarbeit in Palästina aus eigenem zu bestreiten. Endlich verdient eine Tatsache besondere Beachtung. Aus dem Streit haben sich die Christen bisher durchaus ferngehalten. Es ist augenscheinlich der überlegenen Klugheit, maßgebender katholischer Kreise zuzuschreiben, daß das Christentum sich in die Gegensätze in keiner Weise eingemischt hat. Ich Wiß, daß man in Rom den Zionismus, der sich selbst so stark überschätzt hat, nie ernst genommen hat, und die weitere Folge war, daß man Mohammedanis m u s und Zionismus in ihren Streitigkeiten allein gelassen hat, in der festen Zuversicht, daß die Zukunft des Landes weder von dieser Seite noch von jener Seite endgültig bestimmt werden würde.. Die Voraussicht des Vatikans war auch in diesem Falle die Voraussicht weitdenkender Politiker. Weitdenkende jüdische Politiker hätten ihrerseits nur eine Ueberzeugung hegen dürfen, daß nämlich der Zionismus, der einen nur schlecht verhüllten Gegensatz zu Christentum und Mohammed an ismus in jedem Falle darstellen mußte, zu unterliegen bestimmt war. Nur in maßvollen Grenzen konnte eine jüdische Politik zu einem Erfolge führen; eine Politik, die nichts wollte, als gesicherte Gleichberechtigung von Juden, Mohammedanern und Christen in Palästina. Wer mehr verlangte und erstrebte, den jüdisch-palästinensischen Staat, in dem freilich auch Christen und Mohammedaner leben sollten, der gefährdete mit seinen weitreichenden Ansprüchen zugleich das Näherliegende, das Erreichbare. Das unklare, verdunkelnde Wort vom „National Home" bedeutet natürlich für die Zionisten wie für die feindlichen Mohammedaner nichts anderes und kann nichts anderes bedeuten, als den „jüdischen Nationalstaat", als einen Staat, der von denin Palästina wohnenden Juden das Gepräge erhalten soll, und in dem die palästinensischen Juden in dieser oder jener Form i h r staatliches Ideal zu verkörpern gewillt sind. Dabei bleibt es eine völlig offene Frage, ob dieses zionistische Staatsideal nicht auch Christen und Mohammedanern die nötige Bewegungsfreiheit für ihre Betätigung und ihre Entwicklung gewährt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.