Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 176 (sequence 16)
- Language
- German
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176 Im deutschen Reich „sittlich" unlöslich miteinander verknüpften und die Gerechtigkeit identisch wurde mit der Gleichheit nach unten. Die Rolle des Marxismus und des Sozialismus in Rußland wird eingehend dargelegt. -Die faktische Ohnmacht'der herrschenden Klassen wird gezeigt. Dieses nnderLhalb Jahre vor Lenins Thronbesteigung" verfaßte Buch läßt das Kommende mir Notwendigkeit ahnen und macht es verständlich. Es macht auch die. Schicksale der unter russischer .Herrschaft lebenden I u d e n verständlich. Das Ende palästinensischer ZLlrrftonsPslitik. Bon Vr. Paul N a L h a n. In Palästina spielen sich zurzeit Vorgänge ab, die eine allgemeine, eine prinzipielle Bedeutung haben, und die zugleich für die Juden insbesondere bedeutungsvoll genug sind. Es ist der Kamps zwischen Ansprüchen, die sich aus der historisch e n Vergangenheit herleiten lassen und Ansprüchen, die sich aus den realen Verhältnissen der Gegenwart ergeben. Sucht man nach einem Parallelismns, so kann man auf die Verhältnisse in Oberschlesien Hinweisen. So anders geartet die Voraussetzungen auch hier sind -— es gibt doch auch in Oberschlesien vor allem einen Kamps, den die Nationalitätenfrage entzündet hat. Es handelt sich in Palästina wie in Oberschlesien — und man könnte noch andere Beispiele heranziehen, so Irland, die russische Randstaatenpolitik, Aegypten, Indien — immer darum, Nationalitätenfragen zu einem Ausgleich zu bringen, und das Problem wird noch dadurch kompliziert, daß auch die Frage zu lösen bleibt, wie die Repräsentanten höherer Kulturentwicklung gegen die Repräsentanten niederer Kulturentwicklung zu werten sind. Endlich spielen in diese komplizierten Probleme die Fragen brutaler politischer Machtpolitik aus das stärkste und auf das verwirrendste hinein. Diese Andeutungen müssen genügen, um zu zeigen, daß das palästinensische Problem, das uns Juden so stark beschäftigt, nicht als eine isolierte Erscheinung zu betrachten ist. Es ist das Ergebnis von Entwicklungen unserer Zeit, die in Palästina zu Konflikten geführt haben und führen mußten. Palästina ist ganz gewiß nicht das einzige Land, in dem diese Strömungen und Gegenströmungen auseinanderwirken; wohl aber zum Glück für das Judentum ein Gebiet, wo zwar auch die Gegensätze zugespitzt genug sind, wo aber zugleich die Hoffnung besteht, daß ein Ausgleich sich unter geringeren Zuckungen wird vollziehen lassen, wie beispielsweise in Oberschlesien oder in Irland oder in Elsaß-Lothringen oder-in Indien oder sonstwo. Wenn man in diesem weiteren Rahmen jetziger politischer Entwicklung die palästinensische Frage betrachtet, so muß das die P ar - teileidenschaften wenigstens in gewissem Umfange entgiften. Wir stehen eben auch in Palästina vor einem jener großen Menschheitsprobleme, die sich mit Naturnotwendigkeit aus der Entwicklung der Gesamtzivilisation, aus der Entwicklung des Lebens der Völker und der Staaten ergeben müssen. Nicht Wswilligkeit und nicht Kurzsichtigkeit schafft diese Probleme; sie sind natur-