Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Israels Lehre über die Beziehungen von Juden zu Nichtjuden
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 134 (sequence 1)
- Language
- German
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134 IM deutschen Reich Israels Lehre über die Beziehrwgerr von Zuderr z« Nrchtjrrden. Aus Jellineks Predigten. Von Lehrer Schloß, Gilgenburg. Psalm 117. Lobet den Ewigen alle Völker, rühmet ihn alle Nationen! Denn über uns waltet seine Gnade und ewig ist des Ewigen Treue. Die unerschütterlichen Wahrheiten des Judentums waren von Anfang an bestimmt, „Gerneingut der gesamten Menschheit zu werden: Die Thora wurde in der Wüste gegeben, die Wüste aber hat keinen Eigentümer, sie ist das Gemeingut derer, die in ihr weilen oder sie durchziehen. Nicht aus jüdischem Boden fand die Gesetzgebung statt, damit das Judentum dem Volke nicht als ausschließlich jüdische Nationalreligion erscheinen könne. Die Stimme Gottes, die am Sinai erscholl — sagen unsere Weisen — tönte in solch wunderbarer Weise, so vielfach, daß sie in die Sprachen der Nationen sich teilte und verwandelte. Das Judentum lehrt die Einheit des Menschengeschlechts. Wir haben alle einen Vater; ein Gott hat uns alle erschaffen. Drei Grund- und "Hauptwahrheiten bilden den Mittelpunkt aller Lehren, es sind die Anschauungen von Gott, dem Menschen und die Beziehungen beider zueinander. Gott ist Gott aller Völker. Heilig, heilig ist Gort der Heerscharen, voll ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit. (Reduschah in unserem täglichen Gebet.) Gott spricht zum frommen Abraham: „Gesegnet seien durch dich alle Geschlechter der Erde." (Genesis 12/3.) Abraham sitzt vor der Türe seines Zeltes, die Sonne strahlt heiß hernieder, da erblickte er drei Wanderer, die — wie die alten Weisen sagen — drei verschiedenen Volksstämmen angehörten. Der eine hatte das Aussehen eines Sarazenen, der andere das eines Nabatöers und der dritte das eines Arabers. Hielt Abraham etwa diese Stammesverschiedenhett ab, Gastfreundschaft zu üben! — Sodom und Amora sollen von Gott zerstör! werden, die Menschen dieser Städte waren gottlos. Ties läßt Abraham als wahren Menschenfreund nicht kalt und gleichgültig. Er betet für die Sünder Sodoms zu Gott. S o ist in Israels Stammvater die echte Liebe gegen jeden Menschen ohne Unterschied verkörpert und ausgeprägt. Die Thora, sagen unsere Weisen, ist allen Nationen gegeben. Oder ist es ein Judengott, der den jüdischen Propheten Jona in die heidnische Stadt Ninive sendet, den Einwohnern derselben Buße predigen läßt, um sie vor dem Untergang zu retten! Zu dem jüdischen Gelehrten Hillel kam einst ein Heide, er mochte ihm die Thora lehren, solange dieser aus einem Fuße stehe. Daraus erwiderte ihm der Gelehrte: „Merke dir den Vers: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. I n i h m ist unsere ganzeThora enthalte n." Wer keine Menschenliebe kennt, kann auch keine Religion besitzen. So bestimmt das Judentum durch seine Grundwahrheiten über Gott und den Menschen die Beziehungen von Judenzu Nichtjuden nach dem Grundsatz von Liebe und Gerechtigkeit. Wollen wir aber besonders genau und bestimmt ermitteln, wie sich nach unserer hl. Lehre die Beziehungen Zwischen Juden und Nichtjuden regeln, so mutz vor allem sestgesteüt wer-