Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 130 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Im deutschen Reich bestes Mittel hierzu die vor kurzem erschienene „Einleitun.ginTalm u b und SR i b r et f <$"*) von! {germann L. Strack empfohlen werden, dem Laien ein kundiger Führer, dem Fachmann ein willkommenes Nachschlaaebuch. Wesen, Lehrinhalt, Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Talmud und der Midraschim sind hier knapp und klar dargelegt. Charakteristische Textproben in Uebersetzung geben ein Bild davon, wie die Gemara sich um die Mischna rankt und zeigen die Diskussionsweise im Lehrhause, aus der der Text hervorgegangen ist. Ein besonderes Kapitel belehn eingehend über die Methoden, deren sich die Rabbinen bedienten, um das Bibelwort zu deuten und aus ihm die religiösen Gesetze und Vorschriften für die Praxis aözuleiten. — Daß ein ..Goj" ein derartiges Buch schreiben konnte, ist ein Beweis, wie hochentwickelt das sachgemäße Talmudstudium aus den ersten Quellen unter den christlichen Orientalisten ist. Die Literatur über den Talmud, seine Uebersetzungen, die einzelnen Zweige seines Inhaltes und über die ihn betreffenden Fragen füllt allein ein Verzeichnis von 56 enggedruckten Seiten. Von allen diesen Büchern und Abhandlungen sind gute 90 Prozent in deutscher Sprache abgeifaßt. Die Juden haben monumentale Wörterbücher zum Talmud in deutscher Sprache verfaßt (Levy, Kohut, Iastrow, ersterer sogar unter fleißiger Mitwirkung eines hervorragenden christlichen Orientalisten, Professor Fleischer in Leipzig). Erst vor kurzem erschien das Menorah-WiOrterbuch, Neu- Hebräisch-Deutsch und Deutsch-Neuhebräisch. Bearbeitet von Dr. S. Grünberg und M. M. S i l b e r m a n n**). Zwei ausgezeichnete Sachkenner haben hier mit vereinten Kräften eine hervorragende Leistung hervoraebracbt. In handlichem Format bietet das Wörterbuch über 10 000 Vokabeln, also fast den gesamten Wortschatz des nachbiölischen Schrifttums in knapper, klarer Uebersetzung, und ermöglicht jedem, der sich mit der hebräischen Grammatik hinreichend vertraut gemacht, in alle Geheimnisse der Juden, sogar in die neueste Roman- und Zeitungsliteratur, einzudrinaen. Alle diese Bücher sind in allen öffentlichen Bibliotheken für jedermann zugänglich. Im deutschen Kulturbereich existieren seil mehr als einem halben Jahrhundert außer einer ganzen Anzahl jüdischer Lehrerbildungsanstalten fünf Hochschulen für die Wissenschaft des Judentums (Berlin zwei. Breslau, Wien, Budapest), aus denen Männer lehrten, die in der deutschen Wissenschaft einen hohen Rang einnabmen und gleichzeitig an deutschen Universitäten als Professoren wirkten (Jakob Bernays, Freudenthal, M. Lazarus, Jakob Barth, David H. Müller, Ignaz Goldziher, Hermann. Cohens Me Rabbiner und Prediger, die aus diesen Hochschulen hervorgegangen sind, um im ganzen deutschen Sprachgebiete, aber auch in anderen Ländern und Weltteilen, hauptsächlich in Amerika, zu wirken, haben eine deutsche Universität absolviert, zu Füßen deutscher Forscher gesessen, zusammen mit christlichen Deutschen am Lernen, Lehren und Forschen teilgenommen und den Doktorgrad erworben. Das erste Buch, welches vor 103 Jahren die moderne Wissenschaft des Judentums einaeleitef hat, erschien zu Berlin in deutscher Sprache, und seither ist dank der unvergleichlichen Arbeit des Autors und seiner Nachfolger die deutsche Sprache förmlich zum Organ der Wissenschaft des Judentums in allen ihren Verzweigungen geworden. Wer nicht Deutsch versteht, kann auf diesem Gebiete ebensowenig mitreden, wie der, der nicht Hebräisch versteht. *) Fünfte, ganz umgearbeitete Auflage der Einleitung in den Talmud. München 1921. H. C. Becksche Verlagsbuchhandlung. **) Berlin 1920. Verlag von M. Poppelauer.