Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / L. H.
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
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Zsitschau 91 u n d zwar besonders Balten gewesen sind. Wenn ein Teil des Baltenturns jetzt im Osten gegen uns Juden arbeitet, so müßte er der Vergangenheit seines eigenen Stammes gedenken, der auf der einen Seite durchaus nicht immer Freund des Deutschen Reiches gewesen und auf der andern Seite unter falschen Beschuldigungen viel, sehr viel zu leiden hatte. Die seit Jahrhunderten in Ostpreußen ansässigen Juden haben mindestens die gleiche Daseinsberechtigung im Lande, wie viele der noch vor kurzem dem Deutschen Reiche abholden Balten. Der Wahlapparat der Deutsch nationalen Volkspartei überbotsich in Verdächtigungen der Juden., jener der Deutschen Volkspartei hielt sich durchaus nicht frei vom Antisemitismus. Die Parteileitung der Deutschen Volkspartei hat, wie bekannt, auf jüdische Mitarbeit stets Gewicht gelegt. Vom jüdischen Standpunkt aus ist es durchaus zu begrüßen, wenn sich die Juden je nach ihrer politischen und wirtschaftlichen Ueberzeugung in die Partei einordnen, in welche sie an sich gehören. Viele rechtsgerichtete Juden haben demgemäß den Anschluß an die Volkspartei vollzogen. Das war durchaus zu billigen, solange die Volkspartei dem Judenhaß keinerlei Platz in ihrer Mitte gewährte. Leider kam es anders, denn die Volkspartei durfte unter keinen Umständen mit Mitteln arbeiten, wie der jetzt zum Landtag gewählte Graf Stolberg-Wernigerode sie anwendete, der in Ostpreußen herumreiste und seinen Zuhörern wehmütig bedauernd erklärte: „Pogrom? Nein! Wenn ich auch eure Lust dazu begreife! Politische und wirtschaftliche Entrechtung, auch das hat seinen Haken, wenn ich auch die darauf gerichteten Wünsche verstehe." Es ist ferner bekannt, daß die einzelnen Ortsgruppen der' Deutschen Volkspartei sich vielfach immer mehr von den Grundsätzen der Parteileitung entfernt haben. Aus dem Wahlkampfe ließen sich ganze Seiten mit Einzelheiten über judenfeindliche Agitation der Volkspartei füllen. Was sagt die Leitung der Volkspartei dazu und zu dem Umstande, daß vor wenigen Tagen die Ortsgruppe Spandau der Deutschen Volkspartei auf eine Anfrage betreffs Aufnahme jüdischer Mitglieder einem unserer Freunde mitteilte, der Vorstand habe einstimmig beschlossen, seinen bald nach Gründung der Ortsgruppe gefaßten Beschluß, „jüdische Mitglieder in die Ortsgruppe nicht auszu nehmen", auch fernerhin aufrecht zu erhalten. Was bei der Wahlagitation besonders auffiel, war die Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!