Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- Die jüdisch-nationale Heimstätte in Palästina
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 84 (sequence 2)
- Language
- German
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Si Im deutschen Reich In diesem Artikel, der alsdann am 3. Juni an der genannten Stelle veröffentlicht worden ist, skizzierte ich die politische Zukunft Palästinas folgendermaßen: „Die englische Regierung vntb einer Einwanderung der Juden nach Palästina Schwierigkeiten nicht in den Weg legen. Die Schwierigkeiten liegen Ln der Aufnahmefähigkeit dieses kleinen armen Landes, dessen Bewohner im Altertum, um leben zu können,, bis auf die Spitzen der Berge Terrasfenbauten aufführten, auf denen die Feldfrüchte des jüdischen Ackerbauvolkes reiften. In diesem Lande, ohne erhebliche wirtschaftliche Möglichkeiten, mag die Zahl der Bewohner in gewissem Ilmfange unter Anwendung moderner Wirtschaftsmethöden gesteigert werden. Daß ein erheblicherer Teil der Juden der Welt hier ein Unterkommen finden könnte, behaupten auch die Zionisten nicht. Die in Palästina ansässigen und die nach Palästina einwandernden Juden wird die englische Regierung zweifellos gerecht behandeln und ihnen jene Freiheiten gewähren, über die herkömmlicherweise die Kolonisten Englands verfügen, welcher Religion und welcher Rasse sie auch, angehören. Daß eine englische Regierung über diese Linie des Verhaltens wesentlich hinausgehen sollte, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Jedes Überschreiten dieser Linie muß zu Konflikten mit den Mohammedanern und mit den christlichen Syrern führen, bei denen eine ganz ausgesprochene Antipathie gegen die Juden vorhanden ist. Die englische Politik wird den zionistischen Juden Spielraum genug gewähren, um in Palästina wie bisher an der Klagsmauer beten zu können; um in Palästina den Acker zu bebauen und Waren ein- und auszuführen; jüdische Siedlungen werden zweifellos auch Selbstverwaltung erhalten, wie denn nach diesen Grundsätzen die Engländer überall in der Welt verfahren. Auf solcher Unterlage kann auch eine neue hebräische Geisteskultur sich allmählich entwickeln. Damit ergibt sich eine Summe von Möglichkeiten für das Judentum, die nicht gering zu veranschlagen sind. Daß aber über den von mir lose gezeichneten Umriß hinaus England reale politische Zugeständnisse, Souveränitätsrechte, und wenn auch nur in gewissem Umfange, den Juden gewähren wird, erscheint mir gänzlich unwahrscheinlich." Diese Voraussage, die nunmehr zehn Monate zurückliegt, hat sich als zutreffend erwiesen. Es war nicht schwer, solchen Ausgang vorauszusehen. Wer die englische Geschichte und wer englische Methoden in überseeischen Gebieten kennt, der konnte nicht zweifelhaft sein, daß England entsprechend seinem klugen Festhalten an alten bewährten Grundsätzen auch Ln Palästina verfahren würde. Man pflegt nicht in England hergebrachte politische Maximen ohne Zwingende Gründe aufzugeben. Lagen solche zwingenden Gründe vor? Die Zionisten hegten diese Hoffnung. Sie wiesen auf die bekannten Erklärungen des Ministers Balfour hin, die dieser den Zionisten gegeben hatte. Allein mir erschien das Versprechen Balfours immer außerordentlich vieldeutig; es war wächsern, und ich zweifelte nicht daran, daß, nachdem die Zionisten der Ententemächte und vielfach der neutralen Mächte sich vorbehaltlos der englisch-französischen Politik aus Grund der Balfourschen Verlautbarung zur Verfügung gestellt hatten, die siegreiche Entente und das siegreiche England den zionistischen Hoffnungen eine schwere Enttäuschung bereiten würden.