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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 64

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
Zwei bedeutsame Veranstaltungen
Date
1921-02-01
Page
64 (sequence 1)
Language
German
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64 Im deutschen Reich Dadurch werden in allen Gemeinden warme Anhänger, Mitglieder geworben; unsere Organisation muß sich dann zum Bollwerk ausgestalten.. Wenn ich hier einige Ereignisse aus meiner Gemeinde von den aüerjüngsten Tagen anführe, wird es jedem verständlich sein, wie jeder als Mitglied des Centraloereins gewissermaßen segenbringend wirken kann und gar die Lehrer: „Der Antisemitismus, muß in seinen Anfängen bekämpft werden." Die Tage der Abstimmung — schwere und bange, waren kaum vorüber. —Ein hier wohnender Zollbeamter in seinem alldeutschen Eifer stößt auf der Straße den Ruf aus: „Nach den Polen kommt das Gilgenburger Fudenpack ran!" Sofort rufe ich die Vorstände meiner Gemeinde zusammen. — Der Vorsitzende verfügt sich gleich zum antisemitischen Streiter und hält ihm die Folgen seiner Gemeinheit vor Augen. Am gleichen Tage noch leistet uns unser Beleidiger Genugtuung. — Der Sohn des- Pfarrers spielt mit einem jüdischen Knaben Fußball. Sie bekommen Streit, wobei der Sohn des Pfarrers ausruft: „Mit euch Juden wollen wir nicht spielen, ihr habt unser Vaterland geschädigt!" Sogleich begab ich mich mit einem hiesigen angesehenen jüdischen Gemeindemitglied zum Pfarrer. Wir vermahnten ihn an seine Pflicht als Geistlicher, Frieden zu stiften zwischen den einzelnen Konfessionen. Unsere warmen und innigen Worte fanden Widerhall. Selbstredend ist der Lehrer, besonders in den kleinen Gemeinden, finanziell noch so schlecht gestellt, daß ihm die Sorge für seine Familie jeden Ausblick nach anderen außerdienstlichen Bestrebungen versagt. Die Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts Lichtenberg in Nr. 7/8 dieser Blätter gewähren mir an dieser Stelle einen besonderen Lichtblick, wofür ihm Dank ausgesprochen sei. - Mag die Zukunft den idealen Bestrebungen des Centralvereins, aber auch, unseren Wünschen gnädig sein! Zwei bedeutsame Vevanftaltungen* Politische Parteien »nd IrrAerrfrage. Der ganze Komplex der Fragen, mit denen sich der Antisemitismus befaßt, wurde in einer Versammlung des Centralvereins in Berlin behandelt, die am 1. Februar in den Spichernsälen am Nürnberger P l atz st a t t s a n d. Die Tagesordnung lautete: „D i e Stell u n g bßv politischen Parteien zur Judenfrage". Justizrat Br.odnitz führte den Vorsitz. Als erster Redner nahm vor überfülltem Saale Prof. Dr. F chücking, der bekannte Völkerrechtslehrer, von der Deutschen Demokratischen Partei das Wort.' Zwei große Gedanken bildeten die Grundlagen seiner Ausführungen: Die unbedingte Aufrechterhaltung der Rechtsidee im innerpolitischen Leben, im außenpolitischen der völkerrechtliche Staatssozialismus. Dem ersten Gedanken entspränge mit Notwendigkeit die Anerkennung jedes Staatsbürgers als gleichberechtigt. Friedrich Naumanns Wort, daß die Ehre, die man einem Staatsbürger antue, der Wertschätzung entspräche, die man für den Staat selbst habe, gelte heute mehr denn je. Die Befehdung der Demokratischen Partei als Judenpartei fände ihre Widerlegung'schon rein äußerlich in der prozentualen Zusammensetzung ihrer Mitglieder. Dann aber wisse jeder historisch Gebildete, daß der der Demokratie zugrunde liegende Gemeinschaftsgedanke germanischen Ursprungs sei, wie auch gerade in den reingermanischen

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