Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 56 (sequence 2)
- Language
- German
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56 Das gastfreundliche Rumänien Im deutschen Reich den Bolschewisten, und veranstalteten gemeinsam einen mehrere Tage andauernden Pogrom mit allem Zubehör, ganz nach dem hergebrachtenrussischen Ritus. — Wenn man irrt allgemeinen von Pogromen im eigentlichen Sowjet-Rußland weniger hört, so ist die Ursache davon die, daß im Bereiche von Sowjet-Rußland äußerst wenige Juden leben. Von denen, die von früher her überwiegend in den großen Städten wohnten, und denen, die nachher infolge der Evaluation während des Krieges und in der kurzen Zeit seit Oeffnung der Ostgrenze des Ansiedlungsrayons durch die Revolution bis zur Etablierung der Bolschewisten-Herrschast nach Großrußland eingewandert sind, ist ein sehr großer Teil vor eben dieser Sowjetherrschaft geflüchtet, und zwar nach dem früheren Ansiedlungsrayon, überwiegend nach der Ukraine, sodann nach den Rand ländern, also nach Weißrußland, Litauen, nach dem Baltikum. Hier erst wurden sie, zusammen mit den von früher her dort wohnenden Juden, eine Beute der Pogrome, welche die verschiedenen Heer- und Bandenführer anrichteten. Judenitsch, Denikin, Petjura, Tjutunnik, Machno, Wrangel, und wie sie fönst alle heißen, sättigten sich zuerst an dem Blute der Juden. Sogar Admiral Koltschak in Sibirien wütete zunächst gegen die dort angesammelten wenigen Juden, die von der spärlichen früheren Einwanderung und den Verschleppungen während des Krieges herrührten. Am schlimmsten jedoch ging es in der Ukraine her, die seit nahezu drei Jahren der Schauplatz greuelvoller Kriege ist. Die Bauern wüteten dort ebenso wie die Kosaken des Reitergenerals Budjenny, am meisten aber zeichneten sich die Banden des Petjura aus, welche auch in O st g alizien, wohin sie sich massenhaft vor den Bolschewisten zurückzogen, Blutbäder anrichteten. Es begann da auch alsbald eine noch nie dagewesene M a s s e n f l u ch t der Juden aus der Ukraine nach allen Weltrichtungen, besonders nach B e ß a r a b i e n. Tie Bahnhöfe find überfüllt, meilenweit sind die Bahnstrecken gänzlich zerstört, die Waggons sind zerbrochen. Lokomotiven sind nicht vorhanden, Fuhrwerke fehlen gänzlich, aber die Unglücklichen lassen sich durch nichts abschrecken, ganze Familien wandern mit Frauen, Greisen und Kindern tage- und wochenlang zu Fuß, viele brechen zusammen und bleiben am Wegrande liegen. Die rumänische Regierung, die ein menschlich Rühren zeigt, sperrt vor ihnen die Grenzen nicht, im Gegenteil, der Kriegsminister hat eine Reihe von Ortschaften für sie bestimmt, wo sie Zuflucht und sogar einigen Beistand finden. Der Zustand der Flüchtlinge ist schrecklich. Viele von ihnen sind krank, andere sogar verseucht und müssen isoliert werden. Die weitaus meisten haben bloß das nackte Leben gerettet, und die Fetzen fallen ihnen förmlich vom Leibe. Man schätzt die Zahl der Flüchtlinge auf 200 000. Der Strom wendet sich auch nach dem Westen über Wolhynien nach Polen; etwa 30 000 sind über den Zbrucz nach dem nordöstlichen Zipfel Ostg a l i z i e n s gekommen und halten sich in den Städtchen des T a r n o - poler Kreises auf. Die Not ist furchtbar. Die Hilfe, die von der Warschauer Zentrale des amerikanischen „Joint" verlangt und alsbald auch gewährt wurde, ist ein winziges Tröpfchen im Vergleich zu dem Meere von Elend. Der . Mangel an Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Wohnungen ist in dem ohnehin ausgeplünderten- Ostgalizien, das seit mehr als sechs Jahren Schauplatz fürchterlicher Kriege ist, unbeschreiblich. In vielen kleinen Städtchen Ostgaliziens sind die Häuser der Juden ganz oder teilweise zerstört, die Einwohner hausen in den Kellern oder in Höhlen, die ad hoc gegraben wurden. Gleichwohl haben sich in Lemberg, Brody und Tarnopol jüdische Hilfskomitees gebildet, die eine rege Tätigkeit entfalten, um die Unglücklichen mit dem Notwendigsten zu versorgen. Die Restaurant- und Kaffeehansbesitzer haben einen bestimmten Teil des Monatserlöses für diesen Zweck bestimmt, die jüdischen-Handwerker und